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Newsletter vom 1. November 2026

Unersetzbare Lehrerin

Unersetzbare Lehrerin

29. Oktober 2026, Marianne Wüthrich

Mit Carl Bossards grundsätzlichen Überlegungen beginnen wir unsere Sammlung. Einen gelungenen Bogen spannt er von dem, was der Kranke von seinem Arzt benötigt, zu dem, was das Schulkind von seiner Lehrerin braucht. Weil jeder Mensch in Beziehung zu anderen Menschen lebt, besteht kein Gegensatz zwischen Selbstverantwortung und Angewiesensein. In der Konstruktion eines solchen Widerspruchs liegt der Fehlschluss der Schulreformer, die unsere Kinder entgegen der menschlichen Natur sich selbst und ihrem sogenannt selbstorganisierten Lernen überlassen. In Bossards Artikel kommt ebenso wie in Hanspeter Köhlis Leserbrief klar zum Ausdruck, dass wir unsere Kinder im Stich lassen, wenn wir sie nicht anleiten zum Lernen, fördernd und fordernd, mit Zutrauen und Zumuten.

Spitzenplatz im Pisa-Ranking – oder worum geht‘s?

Ausgehend von diesem pädagogischen Massstab, der einem personalen Menschenbild entspricht, fällt alles Rätseln, warum die Schulleistungen unserer Kinder nicht besser werden, wo wir doch so viel Geld in die Schulen – nicht in die Bildung! – stecken, in den Keller. «Die Ressourcen sind es nicht…», lautete der Titel eines unserer letzten Newsletter. Wünschenswert wäre es, wenn Schulleiter-Präsident Thomas Minder davon auch etwas mitkriegen würde: Die Abschaffung des föderalistisch organisierten Schulwesens jedenfalls bringt die Lösung nicht, und die integrative Schule für alle wird entgegen der Behauptung Minders nicht deswegen kritisiert, weil sie «zu teuer» ist. Für den Pädagogen muss immer im Zentrum stehen, was unsere Jugend benötigt, um «besser» zu werden. Dabei darf es nun wirklich nicht an erster Stelle darum gehen, dass die Schweiz im Pisa-Ranking weiter nach oben kommt. Es sollte doch gottfriedstutz möglich sein, dass wir unsere Jugendlichen nach elf Schuljahren (inklusive Kindergarten) auf ihre weitere Lebensbahn entlassen mit den schulischen Grundlagen in Sprache und Mathematik, die dafür unabdingar sind. Aber auch mit vielfältigen manuellen Fertigkeiten, der Neugier, die Welt zu entdecken, der Fähigkeit, in Zusammenhängen zu denken, der Freude an den musischen Fächern. Basis von all dem ist die Einführung ins Lernen in einer tragenden Klassengemeinschaft – und das kann nun einmal weder KI noch eine aufwendige Organisationsentwicklung noch eine kostspielige Infrastruktur auf die Reihe kriegen. Was es an erster Stelle braucht, lesen Sie bei Carl Bossard und bei Cäcilia Gmür.

Sinn und Ziel von Frühförderung

Als Schlusspunkt und als Einstimmung auf unseren Vortrags- und Diskussionsabend mit der Kindergärtnerin Claudia Meier am 6. November, zu dem wir Sie herzlich einladen, präsentieren wir Ihnen den Beitrag von Gerhard Steiner zum Thema «Sprachliche Frühförderung», mit einer anschliessenden Lesehilfe von Hanspeter Amstutz, die Sie natürlich auch schon vorher lesen können (ich jedenfalls habe es so gemacht). Der Autor räumt mit den pädagogisch unhaltbaren Vostellungen einiger Schulpolitiker auf, man könne tiefgreifende sprachliche und soziale Defizite der ersten Lebensjahre mit einer obligatorischen Kita oder einem verordneten Kurs, mit welchen Lerninhalten auch immer, beheben. Claudia Meier setzt dafür zwei Jahre ein, dafür wurde der Kindergarten für alle Kinder eingerichtet.

Viel Freude beim Lesen wünscht

Marianne Wüthrich