{"id":900,"date":"2021-09-11T16:29:28","date_gmt":"2021-09-11T14:29:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=900"},"modified":"2021-09-11T17:18:26","modified_gmt":"2021-09-11T15:18:26","slug":"newsletter-vom-12-9-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=900","title":{"rendered":"Newsletter vom 12. 9. 2021"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"http:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Newsletter-210912.pdf\">Newsletter vom 12. 9. 2021<\/a><a href=\"http:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Newsletter-210912.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<h2>Bildung braucht ein solides Fundament<\/h2>\n<p>Schwerpunkte unseres Newsletters sind die Dauerbrenner KV-und Gymi-Reformen, wir erinnern aber auch beharrlich daran, dass die Grundlagen f\u00fcr ein gedeihliches Lernen in der Sekundarstufe II schon in der Volksschule gelegt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Als Auftakt beleuchtet unser Freund Carl Bossard die p\u00e4dagogische Welt dieses Mal aus einem etwas anderen Blickwinkel.<!--more--><\/p>\n<h4>KV-Lehre als echten Weg in die Zukunft f\u00fcr unsere Jugend erhalten<\/h4>\n<p>Eine Kurznachricht im Tages-Anzeiger zur Z\u00fcrcher Umsetzung der KV-Reform im Bereich Fremdsprachen nennt mehrere Neuerungen, die bei der Leserin ein grosses Fragezeichen hinterlassen.<\/p>\n<p>Franz\u00f6sisch soll nur noch in den ersten zwei Jahren im Lehrplan stehen, in der Attestlehre sogar nur noch als Freifach. Dem inneren Frieden unter den Schweizer Sprachregionen wird diese Neuerung nicht dienen. So nebenbei wird ausserdem offengelegt, dass das B-Profil (heute mit Eidgen\u00f6ssischem F\u00e4higkeitszeugnis EFZ) faktisch zur Attestlehre herabgestuft werden soll. Englisch wird nicht mehr als eigenst\u00e4ndiges Fach mit einem strukturierten Aufbau gelehrt, sondern \u00abin konkreten Arbeitssituationen\u00bb im Bereich \u00abBerufskunde\u00bb. Hier werden die Aufgaben der drei Bildungstr\u00e4ger in der dualen Berufsbildung kr\u00e4ftig durcheinandergemixt: Sache der Berufsschule ist es, die sprachlichen Grundlagen zu legen, Sache der Lehrbetriebe und der Branchenverb\u00e4nde muss die Anwendung in der realen Arbeitswelt bleiben.<\/p>\n<p>KV-Bildungsleiter Michael Kraft versucht in seiner Stellungnahme die Reform als \u00abWeg in die Zukunft\u00bb sch\u00f6nzureden und argumentiert, es seien ja alle beteiligten Kreise daf\u00fcr, auch die Arbeitgeber- und Branchenverb\u00e4nde. Allerdings gilt dies vor allem f\u00fcr deren Verbandsspitzen. Wenn diese eine sogenannt \u00abhandlungskompetenzorientierte\u00bb Ausbildung an der Berufsschule bef\u00fcrworten, schieben sie einen Teil ihrer ureigenen Aufgaben den Schulen zu.<\/p>\n<h4>Theoretisch ge\u00fcbte \u00abPraxisn\u00e4he\u00bb bleibt an der Oberfl\u00e4che<\/h4>\n<p>Die Berufsausbildner in den Betrieben werden es den Verb\u00e4nden nicht danken, wenn ihre Lehrlinge mit theoretisch ge\u00fcbter \u00abPraxisn\u00e4he\u00bb aus der Schule kommen, denn in Wirklichkeit kann zum Beispiel das \u00abGestalten von Kunden- und Lieferantenbeziehungen\u00bb nur in der realen Arbeitswelt gelernt werden. Und die Englischlehrerinnen werden auch lieber und besser weiterhin ihre Sprache unterrichten als sich in verschiedene Branchenkenntnisse einarbeiten zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Auch \u00fcberzeugt Krafts Argument wenig, das KV m\u00fcsse unbedingt reformiert werden, weil seit zwanzig Jahren keine grosse Reform mehr stattgefunden habe. \u00abNeu isch immer guet\u00bb, hat einer meiner Rektoren an der Berufsschule gesagt \u2013 bei den Bildungsreformen der letzten Jahrzehnte ist dies leider mehrheitlich nicht der Fall.<\/p>\n<p>Leidtragende der Reform werden an erster Stelle die Jugendlichen sein, die darauf vertrauen, mit dem KV eine gute Lehre machen zu k\u00f6nnen. Einer der schwerwiegendsten Einw\u00e4nde gegen das Projekt \u00abKV 2022\u00bb ist die nicht mehr gew\u00e4hrleistete Durchl\u00e4ssigkeit. Sie hat \u00fcber viele Jahrzehnte gut funktioniert und ist ein Markenzeichen der exzellenten dualen Berufsbildung der Schweiz. Auch guten Absolventen der Attestlehre wird es nur schwer m\u00f6glich sein, eine KV-Lehre EFZ anzuh\u00e4ngen, vor allem wenn ganze F\u00e4cher wie das Franz\u00f6sisch fehlen. Und wenn die Berufsmatura, die ihren anspruchsvollen F\u00e4cherkanon behalten wird, kaum mehr erreichbar ist f\u00fcr einen \u00abhandlungskompetenten\u00bb KV-Lehrling, droht das KV seine Anziehungskraft zu verlieren.<\/p>\n<p>Fazit: Zur\u00fcck auf Feld 1!<\/p>\n<h4>Demokratisch verfasste Volksschule und Chancengleichheit<\/h4>\n<p>Damit wir uns in den aktuellen Bildungsreformen nicht verheddern, empfiehlt es sich innezuhalten und mit Peter Aebersold die demokratischen Grundlagen der Schweizer Volksschule zu ihren historischen Wurzeln zur\u00fcckzuverfolgen. Es ist eindr\u00fccklich, von Ludwig Snell, einem Politiker und Gelehrten des 19. Jahrhunderts, zu lesen, der als obersten Zweck der Erziehung die Ausbildung aller werdenden B\u00fcrger zur W\u00fcrde freier Vernunftwesen ansah. Dahinter stand eine wahrhaft demokratische Gesinnung. Chancengleichheit in diesem Sinne bedeutet \u2013 um mit heutigen Schulpolitikern zu sprechen \u2013 nicht, dass jedes Kind in der Regelklasse sitzen muss, sondern dass jedes die M\u00f6glichkeit angeboten bekommt, seine Chance zu packen und seinen Weg im Leben zu finden, nat\u00fcrlich mit der Unterst\u00fctzung seiner Lehrerinnen und Lehrer. Dass diese auch Quereinsteiger sein k\u00f6nnen, von denen manch einer mit seiner eigenen Lerngeschichte zuweilen den Faden zu einem Kind mit Lernschwierigkeiten besonders gut finden kann, darauf weisen die beiden Leserbriefschreiber hin (\u00abVerlierer werden Gewinner\u00bb). Allerdings m\u00fcsste unsere Schulpolitik die neuen Lehrerinnen, die mit Schwung einsteigen, auch \u00abbei der Stange zu halten\u00bb versuchen \u2013 mit kleineren, homogeneren Klassen (Regelklassen und Kleinklassen), so dass sie als Klassenlehrerinnen nicht im Schreibkram und der Organisation im Grossraumb\u00fcro ertrinken, sondern ein m\u00f6glichst hohes Pensum verkraften k\u00f6nnen und auch Freude daran haben.<\/p>\n<h4>Sparen auf Kosten der Schw\u00e4chsten?<\/h4>\n<p>Ganz im Widerspruch dazu steht die Idee der Z\u00fcrcher Bildungsdirektion, die zunehmende Zahl von Sch\u00fclern mit Sonderschulungsbedarf dadurch zu verkleinern, dass man \u00abdas Personal in den Regelklassen\u00bb einer Zusatzausbildung unterzieht, damit es die Kinder, \u00abdie M\u00fche mit dem Schulstoff haben\u00bb, \u00abmittragen\u00bb kann (\u00abSonderschulquote steigt weiter\u00bb). Als ob die heutigen Klassenlehrer nicht f\u00e4hig w\u00e4ren, auch schw\u00e4chere Sch\u00fcler zu f\u00f6rdern und zu unterrichten. Aber eben nicht alle Kinder gleichzeitig, in derselben Klasse! Die Bildungsdirektion legt denn auch offen, worum es ihr tats\u00e4chlich geht: Der Mitteleinsatz in der Volksschule soll \u00abvereinfacht\u00bb werden. Sprich: Es kommt billiger, m\u00f6glichst alle Kinder in die Regelklassen zu setzen und erst noch zus\u00e4tzliche Sonderschullehrer zu sparen, indem die Klassenlehrerin fit f\u00fcr Sondersch\u00fcler gemacht wird, als endlich die dringend n\u00f6tigen Kleinklassen zu schaffen.<\/p>\n<h4>Ein Wort zur Maturit\u00e4tsreform<\/h4>\n<p>Drei Artikel in unserer Sammlung befassen sich mit der Gymi-Reform. Dazu zusammenfassend einige grunds\u00e4tzliche Bemerkungen. Es leuchtet jedem ein, dass nicht mehrere neue F\u00e4cher in die bereits reich befrachteten Lehrpl\u00e4ne hineingestopft werden k\u00f6nnen, ohne anderswo Abstriche zu machen. Es ist auch klar, dass nicht jede Sch\u00fclerin in allen F\u00e4chern gute Noten erreicht. Schon in meiner Gymi-Zeit gab es Sch\u00fcler, die ihre schlechte Mathe-Note mit guten Sprachnoten kompensiert haben und umgekehrt. Es muss nicht jeder alles perfekt k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aber die Diskussion, ob mehr Kompensation oder mehr Selektion vonn\u00f6ten w\u00e4re an den Mittelschulen, l\u00e4uft am Kernproblem vorbei. Tatsache ist, dass ein Maturand solide Kenntnisse sowohl in den naturwissenschaftlichen F\u00e4chern als auch in den Sprachen, besonders im Deutsch, aufweisen muss. Und wir kommen nicht daran vorbei, dass die Grundlagen in Deutsch und Mathematik in der Volksschule zu legen sind. Der Lehrplan 21 gew\u00e4hrleistet diese Grundlagen in keiner Weise. Wenn das Einmaleins nicht mehr beherrscht werden muss und die Lehrerin die Fehler im Aufsatz nicht mehr korrigieren soll, wenn der Stoff nicht in einem strukturierten Aufbau unterrichtet wird, sondern jedes Kind nach seinem Gusto \u00abselbstorganisiert\u00bb an seinem Tablet sitzt, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn im Gymi nicht alle schreiben und rechnen k\u00f6nnen. Dass der fr\u00fchere Rektor der Universit\u00e4t Z\u00fcrich vor einigen Jahren feststellte, manche Studentinnen w\u00fcrden in ihren Pr\u00fcfungstexten keinen korrekten deutschen Satz zusammenbringen und Mathematikprofessoren m\u00fcssten einigen ihrer Studenten den Dreisatz beibringen, ist ein Alarmzeichen.<\/p>\n<p>An diesem Kernpunkt sollte unsere Bildungspolitik ansetzen, wenn wir wieder gut und vielf\u00e4ltig gebildete Akademiker haben wollen. Dies \u00fcbrigens auch aus Gr\u00fcnden der Chancengleichheit. Die Spatzen pfeifen es von den D\u00e4chern: Ohne eine gute Volksschulbildung schaffen es immer weniger Kinder aus fremdsprachigen Familien oder mit sogenannt \u00abbildungsfernen\u00bb Eltern an die Mittel- und Hochschulen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Redaktion \u00abStarke Volksschule Z\u00fcrich\u00bb<\/p>\n<p><em>Marianne W\u00fcthrich<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Inhalt.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Inhalt-1024x842.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-907\" width=\"656\" height=\"539\" srcset=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Inhalt-1024x842.png 1024w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Inhalt-300x247.png 300w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Inhalt-768x631.png 768w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Inhalt-1536x1263.png 1536w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Inhalt-960x789.png 960w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Inhalt.png 2036w\" sizes=\"auto, (max-width: 656px) 100vw, 656px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"http:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Newsletter-210912.pdf\">Newsletter vom 12. 9. 2021<\/a><a href=\"http:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Newsletter-210912.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bildung braucht ein solides Fundament Schwerpunkte unseres Newsletters sind die Dauerbrenner KV-und Gymi-Reformen, wir erinnern aber auch beharrlich daran, dass die Grundlagen f\u00fcr ein gedeihliches Lernen in der Sekundarstufe II schon in der Volksschule gelegt werden m\u00fcssen. 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