{"id":870,"date":"2021-07-03T16:56:40","date_gmt":"2021-07-03T14:56:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=870"},"modified":"2021-07-03T17:15:54","modified_gmt":"2021-07-03T15:15:54","slug":"newsletter-vom-4-7-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=870","title":{"rendered":"Newsletter vom 4. 7. 2021"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Newsletter-210704.pdf\">Newsletter vom 4.7.2021<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Newsletter-210704.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<h2>Dauerbrenner: KV-Umbau und Gender-Absurdit\u00e4ten<\/h2>\n<p>Der Widerstand gegen die fragw\u00fcrdige Umpfl\u00fcgung der f\u00fcr die Schweiz systemrelevanten KV-Lehre ist nun auch in Bundesbern angekommen. Die parlamentarischen Bildungskommissionen befassen sich damit, und der Waadtl\u00e4nder Bundespr\u00e4sident soll versuchen, das Fach Franz\u00f6sisch (ebenfalls systemrelevant, n\u00e4mlich f\u00fcr den innerschweizerischen Zusammenhalt!) vor dem Gestrichenwerden zu retten. Raphaela Birrer stellt im Tagi noch einmal die gr\u00f6bsten Brocken des Reformprojekts zusammen.<!--more--><\/p>\n<h4>Grundlegender Konstruktionsmangel: Wirtschaftsp\u00e4dagoge Rolf Dubs meldet sich zu Wort<\/h4>\n<p>Offenbar ist Rolf Dubs in fortgeschrittenem Alter darauf gekommen, dass kompetenzorientierte Lehrpl\u00e4ne doch nicht das Gelbe vom Ei sind. Jedenfalls spricht er heute eine deutliche Sprache: \u00abIch bin der \u00dcberzeugung, dass der \u00dcbergang der Gliederung des Lehrplanes auf Handlungskompetenzbereiche und nicht auf F\u00e4cher in der vorliegenden, absoluten Form ungl\u00fccklich ist.\u00bb Er vermisse eine Definition, \u00abwelches Wissen angehende Kaufleute in ihrer beruflichen Grundbildung erwerben sollen\u00bb. Damit fehle ein konstitutives Element der Reform. \u00abOhne gut strukturiertes Wissen\u00bb, so der Autor, \u00abl\u00e4sst sich kein guter Lernerfolg erzielen.\u00bb Es sei eine Illusion zu glauben, Wissen k\u00f6nne durch den Beizug digitaler Ger\u00e4te und mit selbstgesteuertem Lernen \u00abohne angeleiteten Unterricht\u00bb erworben werden. Weiter kritisiert Rolf Dubs die Reduktion der Volkswirtschaft auf wenige Themen und den mangelhaften Deutschunterricht.<\/p>\n<p>Auch h\u00e4lt er am Fachunterricht fest, jedenfalls in den ersten Semestern. Es sei empirisch seit langem belegt, dass \u00abin einer Anfangsphase ein guter f\u00e4chergebundener dialogischer Frontalunterricht lernwirksam ist\u00bb. Da eine KV-Lehre drei Jahre dauert, w\u00e4re f\u00fcr interdisziplin\u00e4ren Unterricht demnach vor allem das dritte Jahr geeignet, das heute schon zum Teil f\u00fcr f\u00e4cher\u00fcbergreifende Projekte genutzt wird. Dabei k\u00f6nnen die Sch\u00fcler ihr in den ersten Semestern erworbenes Grundlagenwissen anwenden und festigen.<\/p>\n<p>Was die Zukunftstauglichkeit der Reform betrifft \u2013 womit deren Urheber ihre Umw\u00e4lzungen ja begr\u00fcnden! \u2013 setzt Dubs ein grosses Fragezeichen: \u00abMit grosser Wahrscheinlichkeit wird ein gut strukturiertes Grundlagenwissen, das in einem anf\u00e4nglich angeleiteten Unterricht erworben wurde, f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis von Neuem zunehmend bedeutsamer.\u00bb<\/p>\n<p>Da sind wir uns ja ganz einig \u2013 lieber sp\u00e4t als nie.<\/p>\n<h4>Gendersprache zum Ersten: \"Ich finde, es wird zu viel dar\u00fcber diskutiert.\"<\/h4>\n<p>Sternli* oder Binnen-I oder Lehrer-\/innen? Oder die Umwandlung von Lehrern und Sch\u00fclern mit Hilfe des Partizip Pr\u00e4sens in \u00abLehrende\u00bb und \u00abLernende\u00bb? Die Verschwendung unserer Zeit mit Absurdit\u00e4ten aller Art nimmt kein Ende. Nun gibt die \u00abStadtz\u00fcrcher Fachstelle f\u00fcr Gleichstellung\u00bb eine neue Brosch\u00fcre mit \u00abSprachtipps\u00bb heraus, in der auch der sogenannte Genderstern empfohlen wird (\u00abDie Gender-Debatte greift jetzt auf die Z\u00fcrcher Schulen \u00fcber\u00bb). Derweil fordert LCH-Pr\u00e4sidentin Dagmar R\u00f6sler einheitliche Richtlinien f\u00fcr die Deutschschweizer Schulen. Die gibt es \u00fcbrigens schon l\u00e4ngst, jedenfalls f\u00fcr die Bundesverwaltung: 2009 hat die Bundeskanzlei in 2. Auflage ihren \u00abLeitfaden zum geschlechtergerechten Formulieren im Deutschen\u00bb herausgegeben, 192 Seiten lang. Zweck der umfangreichen \u00dcbung: \u00abMit geschlechtergerechten Formulierungen werden Frauen nicht mehr nur implizit mitgemeint, sondern explizit genannt und angesprochen. Sie werden sprachlich sichtbar, sie treten in Erscheinung und r\u00fccken ins Bewusstsein. Damit leisten geschlechtergerechte Formulierungen einen \u2013 nicht unwichtigen \u2013 Beitrag zur tats\u00e4chlichen Gleichstellung von Frau und Mann. Denn Sprache und gesellschaftliche Wirklichkeit sind nicht voneinander zu trennen.\u00bb (Seite 13)<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich? Mir pers\u00f6nlich ist es eigentlich Hans was Heiri (oder muss ich sagen: Hanni was Heidi?), ob ich implizit oder explizit angesprochen werde \u2013 Hauptsache, ich bin auch dabei und werde respektiert und ernstgenommen. Ganz in diesem Sinne \u00e4ussern sich auch die vom Tagi befragten Z\u00fcrcher Berufsmittelsch\u00fcler (\u00abGenderstern? Ja, nein, vielleicht\u00bb). Andrea: \u00abIch finde die ganze Diskussion unn\u00f6tig. Wenn man 'Sch\u00fcler' sagt, muss ich nicht immer denken, dass ich nicht mitgemeint bin. Sagt man 'Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler', kommen immer die Frauen zuerst. Das ist auch nicht fair. Ich finde, es wird zu viel dar\u00fcber diskutiert.\u00bb <em>Alle nicken<\/em>. Eine Mitsch\u00fclerin erg\u00e4nzt, es sei vor allem ein Medienthema, ein anderer findet es \u00fcbertrieben, dass die Gender-Sprache zu einer gerechteren Welt f\u00fchren soll. \u2013 Unsere Jugend gibt Anlass zur Hoffnung!<\/p>\n<h4>Gendersprache zum Zweiten: Sprachverhunzung und Ideologisierung<\/h4>\n<p>Aktuell schaltet sich die Bundeskanzlei in die sooo bedeutende Genderstern-Debatte ein, mit einer Weisung, die allerdings nur f\u00fcr die deutschsprachigen Texte <em>des Bundes<\/em> gilt (\u00abUmgang mit dem Genderstern und \u00e4hnlichen Schreibweisen in deutschsprachigen Texten des Bundes. Weisung und Erl\u00e4uterungen der Bundeskanzlei vom 15. Juni 2021\u00bb). Darin kommt die Bundeskanzlei zur weisen Erkenntnis, der Genderstern und \u00e4hnliche Konstruktionen w\u00fcrden nicht das leisten, was sie leisten sollten, ausserdem \u00abverursachen sie eine ganze Reihe von sprachlichen Problemen\u00bb. Ein Beispiel, das laut Bundeskanzlei die Lesbarkeit des Textes beeintr\u00e4chtigt: \u00abDer*die Leiter*in bezeichnet eine*n geeignete*n Mitarbeiter*in, die*der ihn*sie bei Abwesenheit vertritt\u00bb.<\/p>\n<p>Mit Recht bezeichnet Pascal Frey, Pr\u00e4sident des Vereins der Schweizer Deutschlehrerinnen und -lehrer (VSDL) derlei Gender-Verbiegungen der deutschen Sprache, denen wir seit Jahren ausgesetzt sind, als \u00abSprachverhunzung\u00bb. Die Leserbriefschreiber in unserem Newsletter schreiben ebenfalls Klartext: Sie fordern ein Verbot des Gendersterns in den Schulen sowie den Verzicht auf das Stadtz\u00fcrcher Gleichstellungsb\u00fcro, sie empfehlen, die Lehrer auf den Duden zu verweisen, eine Leserin nennt diese Diskussionen \u00abLuxusprobleme\u00bb und verlangt, sich den echten sozialen Problemen zuzuwenden.<\/p>\n<p>Die Redaktion des Tages-Anzeigers l\u00f6st die Sache sinnvoll und ohne grosses Trara: \u00abUnsere aktuelle Richtlinie lautet, wenn m\u00f6glich beide Geschlechter zu nennen oder die beiden Formen abzuwechseln.\u00bb (\u00abGenderstern? Ja, nein, vielleicht\u00bb) So halte ich es auch, allerdings ohne die gleichm\u00e4ssige Verwendung m\u00e4nnlicher und weiblicher Formen zu z\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Die Behauptung von LCH-Pr\u00e4sidentin Dagmar R\u00f6sler, die Schule vermittle keine Ideologien, wird zum Beispiel durch die Aussage eines der befragten BM-Sch\u00fcler widerlegt: \u00abMan muss immer aufpassen, was man sagt. Im Sinne von, was denkt er dann von mir, denkt er, dass ich gegen Feminismus bin. Was nicht der Fall ist. Aber ich finde, Sprache sollte frei sein.\u00bb Was ist denn das anderes als eine Ideologie, wenn ein junger Mensch sich nicht frei f\u00fchlt, das auszudr\u00fccken, was er sagen m\u00f6chte? Oder wenn R\u00f6sler erkl\u00e4rt, viele Erwachsene w\u00fcrden \u00abdie Kinder in bestimmte Rollen dr\u00fccken\u00bb und Eltern, Lehrerinnen und Lehrer h\u00e4tten die Aufgabe, \u00abdiese Stereotype aufzubrechen beziehungsweise aufzuweichen.\u00bb Nach Unterst\u00fctzung unserer Jugend, ihren Lebensweg in freier Wahl und mit ihren Eltern an der Seite zu beschreiten, klingt es jedenfalls nicht.<\/p>\n<p>In eine \u00e4hnliche Richtung geht der anschliessende Artikel \u00abAmerikas Eltern proben den Aufstand\u00bb, der die Indoktrinierung der US-amerikanischen Jugend mit \u00abAnti-Rassismus\u00bb thematisiert.<\/p>\n<h4>Noch ein Dauerbrenner: Die Digitalisierung<\/h4>\n<p>In den letzten zwei Artikeln unserer Sammlung wird das best\u00e4tigt, was viele P\u00e4dagogen schon seit langem sagen: Der Computer muss in der Schule ein Hilfsmittel bleiben, denn die Lehrer-Sch\u00fcler-Beziehung kann er nie und nimmer ersetzen. Wer glaubt, es brauche eben mehr \u00ab\u00dcberzeugungsarbeit\u00bb und einen \u00abKulturwandel\u00bb, um die digitale Lernwelt in Schwung zu bringen, verkennt die grunds\u00e4tzlichen Abl\u00e4ufe und Voraussetzungen des Lernens. So weist Klaus Zierer auf Studien hin, wonach \u00abdie Mitschrift von Lerninhalten mit Papier und Bleistift allen Formen digitaler Notizen in vielfacher Hinsicht \u00fcberlegen ist\u00bb und \u00abdas Lesen von und Lernen mit analogen Texten nachhaltiger ist, weil langsamer und damit tiefgr\u00fcndiger gearbeitet wird als mit digitalen Texten. Diese werden h\u00e4ufig schnell weggewischt, was der Sinnentnahme und dem Leseverst\u00e4ndnis schadet.\u00bb<\/p>\n<p>Nun bleibt uns noch, Ihnen eine erspriessliche Lekt\u00fcre und eine erholsame Sommerpause zu w\u00fcnschen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Redaktion des Z\u00fcrcher Newsletters:<\/p>\n<p><em>Marianne W\u00fcthrich<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Inhalt.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Inhalt-1024x898.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-872\" width=\"641\" height=\"561\" srcset=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Inhalt-1024x898.png 1024w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Inhalt-300x263.png 300w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Inhalt-768x673.png 768w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Inhalt-1536x1347.png 1536w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Inhalt-960x842.png 960w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Inhalt.png 1934w\" sizes=\"auto, (max-width: 641px) 100vw, 641px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Newsletter-210704.pdf\">Newsletter vom 4.7.2021<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Newsletter-210704.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dauerbrenner: KV-Umbau und Gender-Absurdit\u00e4ten Der Widerstand gegen die fragw\u00fcrdige Umpfl\u00fcgung der f\u00fcr die Schweiz systemrelevanten KV-Lehre ist nun auch in Bundesbern angekommen. 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