{"id":812,"date":"2021-02-27T15:56:47","date_gmt":"2021-02-27T14:56:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=812"},"modified":"2021-02-27T15:56:49","modified_gmt":"2021-02-27T14:56:49","slug":"newsletter-vom-28-2-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=812","title":{"rendered":"Newsletter vom 28. 2. 2021"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Newsletter-210228.pdf\">Newsletter vom 28.2.2021<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Newsletter-210228.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<h2>Der dominante Fokus auf die Digitalisierung blendet wichtigere Fragen aus<\/h2>\n<p>Auf die Frage, was zurzeit die gr\u00f6sste Herausforderung f\u00fcr die Volksschule sei, bekommt man von Bildungspolitikern sofort eine Antwort. Zuerst kommt die Digitalisierung, und dann ganz lange nichts mehr. <!--more-->Mit der Digitalisierung der Lernprozesse sind in vielen bildungsnahen Kreisen hohe Erwartungen verkn\u00fcpft. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass eine Schule irgendwo verk\u00fcndet, dass man nun dank der Ausr\u00fcstung aller Primarsch\u00fcler mit Tablets ins Zeitalter des modernen Lernens eintreten werde. Das macht grossen Eindruck bei vielen Eltern und manche Lehrpersonen sind froh, dass sie nun Teil einer fortschrittlichen Schule sind. Die Aussichten sind verlockend, denn die Digitalisierung bietet anscheinend L\u00f6sungen f\u00fcr fast jedes schulische Problem. Viele erhoffen sich Erleichterungen bei der Organisation des aufw\u00e4ndigen individuellen Lernens. Schw\u00e4chere Sch\u00fcler k\u00f6nnten den Stoff in angepassten Trainingsprogrammen vertiefen und so den Anschluss an die Klasse finden. Begabte w\u00fcrden in digitalen Selbstlernprogrammen ihr Potenzial besser aussch\u00f6pfen und eine hohe Medienkompetenz erwerben. Dabei schwingt un\u00fcberh\u00f6rbar die bildungspolitische Drohung mit, dass eine Schule schon bald ins Abseits gerate, wenn sie sich dem Erfolg versprechenden Trend nicht anschliesse.<\/p>\n<h4>Der lebendige analoge Unterricht bleibt zentral<\/h4>\n<p>Doch an der aktuellen Diskussion \u00fcber die dringenden Investitionen st\u00f6rt mich einiges. Bedenklich ist das weitgehende Ausklammern der Grundfrage nach der nachhaltigen Wirkung einer weitgehenden Umstellung auf digitale Lernformen. Mit der Anschaffung moderner digitaler Ger\u00e4te und dem Kauf teurer Software ist es nicht getan. Wer digitale Lernprozesse nicht sehr geschickt mit dem nach wie vor zentralen analogen Unterricht verbindet, wird wenig erreichen. Eine Lehrerin muss in erster Linie so ausgebildet sein, dass sie im lebendigen Klassenunterricht aus einem vielf\u00e4ltigen Repertoire an passenden didaktischen M\u00f6glichkeiten sch\u00f6pfen kann. Kommt diese F\u00f6rderung in der Lehrerbildung erst an zweiter Stelle, fehlt das p\u00e4dagogische Fundament.<\/p>\n<p>Gar kein Verst\u00e4ndnis kann ich aufbringen, wenn die Bildungspolitik sich lieber auf dem Nebenschauplatz der Digitalisierung tummelt statt L\u00f6sungen f\u00fcr die aktuell brennendsten Herausforderungen der Volksschule zu suchen. Wo sind die Antworten auf das Debakel des Illettrismus bei einem Viertel unserer Schulabg\u00e4nger? Wenn 24 Prozent unserer Schulabg\u00e4nger nicht imstande sind, einfache Texte zu verstehen, dann ist die Bildungspolitik gefordert. Eine Volksschule, die unz\u00e4hlige Jugendliche so entl\u00e4sst, dass sie nicht voll am gesellschaftlichen Leben teilnehmen k\u00f6nnen, erf\u00fcllt ihren Grundauftrag nicht. Wer in der Politik stets das Wort Chancengerechtigkeit ins Feld f\u00fchrt, muss sich da einige Fragen gefallen lassen.<\/p>\n<h4>Problem Nummer eins: Die Lese- und Schreibschw\u00e4che vieler Schulabg\u00e4nger<\/h4>\n<p>Nach Bekanntgabe der Resultate herrschte bei Bildungsexperten und politischen Entscheidungstr\u00e4gern weitgehend Ratlosigkeit. Einige vermuteten wohl, dass eine vertiefte Analyse dem aktuellen Sprachenkonzept mit den ausufernden Zielsetzungen kein gutes Zeugnis ausstellen w\u00fcrde. Also sagte man zum Debakel lieber nichts. Daran hat sich wenig ge\u00e4ndert, auch wenn einige Politiker glauben, mit einer sprachlichen F\u00f6rderung im Vorschulalter k\u00f6nne in vielen F\u00e4llen Abhilfe geschaffen werden.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Ganz anders sieht das aus, wenn sich Carl Bossard mit dem Thema der sprachlichen Entwicklung unserer Jugend auseinandersetzt. Er differenziert zwischen dem vertiefenden Lesen gedruckter Texte und dem schnellen Lesen von kurzen Mitteilungen auf digitalen Oberfl\u00e4chen. Seine Analyse ist faszinierend und regt zur gr\u00fcndlichen Auseinandersetzung mit der Lesef\u00f6rderung an.<\/p>\n<p>Eine \u00e4hnliche Position, aber um einiges lauter im Ton, nimmt Klaus Zierer ein, wenn er \u00fcber die Bedeutung des Lernens als sozialer Prozess spricht. In seinem Beitrag betont der Autor, dass der Mensch den Menschen in seiner ganzen Unmittelbarkeit braucht, um sich voll entwickeln zu k\u00f6nnen. Tiefsinnige Gedanken in ungek\u00fcnstelter Form finden sich im Interview mit dem Wissenschafterpaar Karin und Klaus Grossmann. Die beiden sehen in der Empathie von Lehrerinnen und Lehrern im t\u00e4glichen Unterricht das Geheimnis des schulischen Aufbl\u00fchens der ihnen anvertrauten jungen Menschen.<\/p>\n<p>Und bei Andrea Bertschi-Kaufmann findet man in ihrem Interview erhellende Antworten zur Frage, welche F\u00e4higkeiten zur Lesefreude beitragen.<\/p>\n<h4>Problem Nummer zwei: Das gescheiterte integrative Konzept<\/h4>\n<p>Wenn es um wichtige Fragen geht, die zurzeit in der Bildungspolitik ausgeblendet werden, dann steht das gescheiterte integrative Konzept ganz weit vorn. Lehrpersonen k\u00f6nnen ein Lied davon singen, wie sehr Sch\u00fcler mit aussergew\u00f6hnlichen p\u00e4dagogischen Bed\u00fcrfnissen den t\u00e4glichen Schulbetrieb belasten. Riccardo Bonfranchi macht mit seinem aufr\u00fcttelnden Beitrag darauf aufmerksam, dass sich manche Sch\u00fcler durch eine forcierte Integration in Regelklassen einen empfindlichen Lernr\u00fcckstand einhandeln. Der Autor zeigt auf, dass in heilp\u00e4dagogischen Sonderklassen benachteiligte Sch\u00fcler weit besser auf einen gr\u00fcnen Zweig kommen und sich mit mehr Freude am Unterricht beteiligen.<\/p>\n<p>Nicht \u00fcberraschend nach der Zeit des Fernunterrichts ist die Frage nach dem Sinn von Hausaufgaben wieder neu entbrannt. Von der Forderung nach Abschaffung der \u201eUfzgi\u201c bis zur \u00dcberh\u00f6hung von deren Stellenwert war in den Zeitungen ein breites Meinungsspektrum zu finden. Umso hilfreicher sind die beiden Beitr\u00e4ge von Rolf Dubs und Carl Bossard, die differenziert die Funktion sinnvoller Hausaufgaben begr\u00fcnden und Wege f\u00fcr konfliktfreie schulische Auftr\u00e4ge aufzeigen.<\/p>\n<p>Bei den Beitr\u00e4gen \u00fcber die Schule in der Corona-Zeit haben wir uns auf zwei Texte beschr\u00e4nkt. Dabei sticht der Bericht aus unserem s\u00fcdlichen Nachbarland heraus. Wer sich die aktuelle Situation in Italiens Schulwesen im Coronajahr zu Gem\u00fct f\u00fchrt, wird dankbar sein, dass wir von diesem furchtbaren Szenario weitgehend verschont blieben. Den Schlusspunkt bildet ein interessanter Beitrag des bekannten Bildungsexperten Urs Kalberer \u00fcber den unhaltbaren Mythos der individuellen Lernstile.\u00a0<\/p>\n<p>W\u00e4hlen Sie einfach aus und geniessen Sie die Lekt\u00fcre.<\/p>\n<p>Redaktion Starke Volksschule Z\u00fcrich<\/p>\n<p><em>Hanspeter Amstutz<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Inhalt-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Inhalt-1-1024x719.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-814\" width=\"610\" height=\"428\" srcset=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Inhalt-1-1024x719.png 1024w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Inhalt-1-300x211.png 300w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Inhalt-1-768x539.png 768w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Inhalt-1-1536x1078.png 1536w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Inhalt-1-960x674.png 960w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Inhalt-1.png 1926w\" sizes=\"auto, (max-width: 610px) 100vw, 610px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Newsletter-210228.pdf\">Newsletter vom 28.2.2021<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Newsletter-210228.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der dominante Fokus auf die Digitalisierung blendet wichtigere Fragen aus Auf die Frage, was zurzeit die gr\u00f6sste Herausforderung f\u00fcr die Volksschule sei, bekommt man von Bildungspolitikern sofort eine Antwort. 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