{"id":799,"date":"2021-01-30T15:21:38","date_gmt":"2021-01-30T14:21:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=799"},"modified":"2021-01-30T15:21:40","modified_gmt":"2021-01-30T14:21:40","slug":"newsletter-vom-31-1-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=799","title":{"rendered":"Newsletter vom 31. 1. 2021"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Newsletter-210131.pdf\">Newsletter vom 31.1.2021<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Newsletter-210131.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<h1>Popul\u00e4re Fortschritts-Dogmen sind keine Garantie f\u00fcr Unterrichtsqualit\u00e4t<\/h1>\n<p>Man w\u00fcrde meinen, das Ringen um beste Schulqualit\u00e4t stehe im Zentrum aller bildungspolitischen Bem\u00fchungen. Doch weit gefehlt. Zurzeit setzt sich die Bildungspolitik mehr mit der digitalen Ausstattung der Schulen auseinander als mit der Qualit\u00e4t des Unterrichtsgeschehens.<!--more--> Jedem Sch\u00fcler sein Tablet! lautet die Devise. Daf\u00fcr finden Bildungspolitiker in breiten Kreisen viel Beifall. Man ist bereit, viel Geld in die digitale Infrastruktur der Schulen zu investieren und hofft auf den Fortschritt.<\/p>\n<p>Was genau mit den neuen Ger\u00e4ten passiert und welche Lernprogramme installiert werden, k\u00fcmmert die meisten weniger. Dabei w\u00e4re kritisches Nachdenken angebracht, nachdem digital bestens ausger\u00fcstete Primarschulen in den Niederlanden nach dem Corona-Fernunter\u00adricht von einem Lernstillstand sprechen. Zwar ist Fernunterricht nicht genau das Gleiche wie digitales Lernen im Rahmen des Pr\u00e4senzunterrichts. Doch die Heilserwartungen ans selbstt\u00e4tige Lernen mit Lernfilmen und \u00dcbungsprogrammen haben sich nicht erf\u00fcllt, wie der eindr\u00fcckliche Bericht aus dem \u201eSpiegel\u201c aufdeckt.<\/p>\n<h4>Verfehlte Heilserwartungen und gescheiterte Konzepte<\/h4>\n<p>In seinem Beitrag \u00fcber den um sich greifenden Aktionismus bei der schulischen Digitalisierung rechnet Erziehungswissenschafter Klaus Zierer mit den Heilserwartungen ans computerbasierte Lernen unmissverst\u00e4ndlich ab. Corona hat best\u00e4tigt, dass Kinder in einer lebendigen Klassengemeinschaft weit mehr Lernfreude entwickeln als in den engen Strukturen eines individualisierten digitalen Unterrichts. Erg\u00e4nzt werden diese Feststellungen durch einen lesenswerten Text aus der NZZ \u00fcber Jugendliche in der digitalen Isolation.<\/p>\n<p>Es ist bezeichnend, dass unsere Bildungspolitik immer wieder von Fortschritts-Dogmen beherrscht wird, die im t\u00e4glichen Unterricht erheblichen Schaden anrichten. So galt das spielerische Dreisprachenkonzept in der Primarschule als Wundermittel f\u00fcr eine breite Fremdsprachenkompetenz. Nachdem sich die tollen Versprechungen nicht bewahrheitet haben und bei vielen Sch\u00fclern sprachliche M\u00e4ngel im Deutsch und Franz\u00f6sisch immer offenkundiger werden, ist der Glanz des Fr\u00fchlern-Dogmas weitgehend verblasst.<\/p>\n<p>Nicht viel besser sieht es bei der angeblichen \u00dcberlegenheit von Selbstlern-Konzepten gegen\u00fcber der direkten Instruktion durch eine Lehrperson aus. Die Vorstellung, die meisten Sch\u00fcler k\u00f6nnten sich dank ausgekl\u00fcgelter Software im Rahmen eines Wochenplans grundlegende Kompetenzen schneller erwerben als beim gemeinsamen Lernen, ist als einseitiges didaktisches Konzept grandios gescheitert. Geradezu widersinnig dabei ist, dass aus der Degradierung der P\u00e4dagogen zu biederen Lernbegleitern ein neues Dogma vom grossartigen Lerncoach entstanden ist.<\/p>\n<h4>Die Frage nach dem guten Unterricht bleibt zentral<\/h4>\n<p>Der im Zwischentitel genannte Kernauftrag ist zu bedeutend, um ihn Dogmatikern zu \u00fcberlassen oder ganz einfach zu verdr\u00e4ngen. Wer aufschlussreiche Antworten zur Frage der Unterrichtsqualit\u00e4t sucht, wird im Beitrag von Carl Bossard voll auf seine Rechnung kommen. Der Autor h\u00e4lt nichts von einseitigen Konzepten, die der schulischen Realit\u00e4t gar nicht gerecht werden k\u00f6nnen. Er sieht vielmehr ein dialektisches Prinzip in der P\u00e4dagogik, das von Begriffspaaren wie Freiheit und Sicherheit gepr\u00e4gt ist.<\/p>\n<p>So bewegt sich lebendiges Unterrichtsgeschehen t\u00e4glich im Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Freiheit. Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler lernen im Werken zuerst die wichtigsten Holzverbindungen kennen und erwerben an einfachen Gegenst\u00e4nden handwerkliches K\u00f6nnen. Wer Jugendlichen aber ohne diese Vorkenntnisse gleich den Auftrag gibt, ein anspruchsvolles M\u00f6belst\u00fcck nach eigenen Vorstellungen zu kreieren, d\u00fcrfte entt\u00e4uscht werden. Verf\u00fcgen die Sch\u00fcler jedoch \u00fcber das n\u00f6tige R\u00fcstzeug, werden sie in realistischen Bahnen formsch\u00f6ne Gegenst\u00e4nde entwerfen und mit Erfolg herstellen.<\/p>\n<h4>Fortschrittliche Bildungspolitik r\u00fcttelt an unhaltbaren Dogmen<\/h4>\n<p>Beim dritten Schwerpunkt unseres Newsletters begeben wir uns direkt aufs politische Parkett. Mit seinem partei\u00fcbergreifenden Vorstoss im Wetziker Gemeinderat hat Timotheus Bruderer einige unbequeme Fragen zu den deutlich steigenden Kosten f\u00fcr Klassenassistenzen gestellt. Wie aus dem Bericht im Z\u00fcrcher Oberl\u00e4nder hervorgeht, scheinen disziplinarische Schwierigkeiten zur Einstellung zus\u00e4tzlicher Klassenassistenzen gef\u00fchrt zu haben. Der Postulant sieht erhebliche erzieherische Defizite bei gewissen Sch\u00fclern und fragt den Stadtrat, ob nicht die Wiedereinf\u00fchrung einer speziellen Kleinklasse die Klassenlehrpersonen sp\u00fcrbar entlasten k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Volle Unterst\u00fctzung erh\u00e4lt der Postulant vom erfahrenen Sekundarlehrer Max Kn\u00f6pfel, der in seinem Leserbrief im Z\u00fcrcher Oberl\u00e4nder die Politiker auffordert, mit dem unhaltbaren Dogma von der \u00dcberlegenheit des integrativen Schulmodells aufzur\u00e4umen und endlich Kleinklassen wieder zuzulassen. Es ist zu hoffen, dass der Vorstoss in Wetzikon die ideologische Blockade l\u00f6st und eine \u00fcberzeugende L\u00f6sung gefunden wird.<\/p>\n<p>Bildungspolitisch setzt auch die Baselbieter Lehrerschaft mit ihrer erfolgreichen Forderung nach einem einfacheren kantonalen Lehrplan einen wichtigen Markstein. Zurzeit wird der Baselbieter Lehrplan in Zusammenarbeit von Bildungsrat und Lehrerschaft systematisch entschlackt und neu gestaltet. Wie Alain Pichard in seinem Bericht schreibt, k\u00f6nnte das ermutigende Beispiel schon bald andernorts Schule machen. Wie w\u00e4re es mit dem Kanton Z\u00fcrich?<\/p>\n<p>Den Schlusspunkt macht ein Beitrag \u00fcber Sinn und Unsinn von Hausaufgaben. Diese Diskussion wird wohl noch lange weitergehen.<\/p>\n<p>Aus Platzgr\u00fcnden haben wir diesmal die Corona-Diskussionen nur am Rande in zwei Beitr\u00e4gen gestreift. Damit wollen wir keineswegs das ausserordentliche Engagement der Lehr- und Betreuungspersonen negieren. Wir wissen, was zurzeit geleistet wird und danken den P\u00e4dagoginnen und P\u00e4dagogen f\u00fcr ihren unerm\u00fcdlichen Einsatz.<\/p>\n<p>Ihnen, liebe Leserinnen und Leser. w\u00fcnschen wir viel Vergn\u00fcgen bei der Lekt\u00fcre unseres Newsletters.<\/p>\n<p>Redaktion Starke Volksschule Z\u00fcrich<\/p>\n<p><em>Hanspeter Amstutz<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Inhalt-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"745\" src=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Inhalt-1-1024x745.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-801\" srcset=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Inhalt-1-1024x745.png 1024w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Inhalt-1-300x218.png 300w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Inhalt-1-768x559.png 768w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Inhalt-1-1536x1118.png 1536w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Inhalt-1-960x699.png 960w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Inhalt-1.png 1947w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Newsletter-210131.pdf\">Newsletter vom 31.1.2021<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Newsletter-210131.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Popul\u00e4re Fortschritts-Dogmen sind keine Garantie f\u00fcr Unterrichtsqualit\u00e4t Man w\u00fcrde meinen, das Ringen um beste Schulqualit\u00e4t stehe im Zentrum aller bildungspolitischen Bem\u00fchungen. 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