{"id":777,"date":"2020-12-05T19:24:09","date_gmt":"2020-12-05T18:24:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=777"},"modified":"2020-12-05T19:24:14","modified_gmt":"2020-12-05T18:24:14","slug":"newsletter-vom-6-12-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=777","title":{"rendered":"Newsletter vom 6.12.2020"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Newsletter-201206.pdf\">Newsletter vom 6.12.2020<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Newsletter-201206.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<h2>Die duale Berufsbildung \u2013 eine rundum gute Sache<\/h2>\n<p>Eine sehr vielf\u00e4ltige und ausgewogene Beilage zur Berufsbildung hat uns die NZZ letzte Woche beschert. F\u00fcr einmal ohne die unn\u00f6tige und vom Wesentlichen ablenkende \u00abGrundsatzfrage\u00bb in den Raum zu stellen, ob unsere Gesellschaft es gerechterweise nicht allen Jugendlichen erm\u00f6glichen sollte, die Matura zu machen. Claudia Wirz malt in ihrem Artikel \u00abDas Gymnasium ist \u00fcbersch\u00e4tzt\u00bb aus, wie grotesk solche \u00abGerechtigkeits-\u00dcberlegungen\u00bb sind. <!--more-->Sie werden n\u00e4mlich den unsch\u00e4tzbaren Vorz\u00fcgen der schweizerischen dualen Berufsbildung in keiner Weise gerecht: F\u00fcr das Leben der einzelnen Jugendlichen (damit ist nicht nur ihre berufliche Zukunft gemeint!), f\u00fcr die hohe Qualit\u00e4t des Wirtschaftsstandortes, f\u00fcr die ausserordentlich tiefe Jugendarbeitslosigkeit und f\u00fcr eine lebendige Demokratie. \u00abDas historisch gewachsene Schweizer Berufsbildungssystem ist ein gut funktionierendes Zusammenspiel zwischen Wirtschaft, Staat und Gesellschaft\u00bb, so noch einmal Claudia Wirz in ihrer Besprechung von Emil Wettsteins neuem Buch \u00abBerufsbildung. Entwicklung des Schweizer Systems\u00bb (\u00abDie Schule der Nation\u00bb).<\/p>\n<p>Mich haben die Zuf\u00e4lle des Lebens nach meinem Studium in die Berufsschule gef\u00fchrt, wo ich jungen Leuten in gewerblich-technischen Berufen und sp\u00e4ter auch im KV ein St\u00fcck Allgemeinbildung mitgeben durfte. \u00abWarum bist du als Juristin Berufsschullehrerin und nicht Anw\u00e4ltin geworden?\u00bb Diese Frage wurde mir h\u00e4ufig gestellt. Sie \u00e4hnelt der Meinung, aufgeweckte und lernfreudige Sch\u00fcler sollten keine Lehre machen, sondern unbedingt das Gymi besuchen. Auf solche merkw\u00fcrdigen Ideen kommen vor allem Akademiker, ich eingeschlossen, bevor ich Berufsschullehrerin wurde. Als ob man als Juristin nicht Freude daran haben k\u00f6nnte, mit jungen Menschen die Geheimnisse der Rechts- und Wirtschaftskunde zu erkunden, mit ihnen zu lesen und zu schreiben und dabei ihre Deutschkenntnisse zu verbessern \u2013 und den einen oder die andere f\u00fcrs Lesen zu begeistern. Und was mir besonders am Herzen lag: Sie daf\u00fcr zu gewinnen, aktive B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger in der direkten Demokratie zu werden, indem ich das Interesse an den staatsrechtlichen Grundlagen weckte und mit ihnen Zeitung las und das Abstimmungsb\u00fcechli entschl\u00fcsselte. Dass man in einer Anwaltskanzlei mehr verdienen w\u00fcrde, ist ja nicht f\u00fcr jeden priorit\u00e4r.<\/p>\n<h4>Einstieg in die Lehre: \u00c4rmel hochkrempeln und los geht's!<\/h4>\n<p>Eine meiner ersten tiefgehenden Erfahrungen in der Berufsschule waren die Aufs\u00e4tze, die meine Elektromonteur-, Maschinenmechaniker- und Mechapraktiker-Klassen (heute heissen die Berufe anders) nach den ersten drei oder vier Monaten ihrer Lehre zum Thema \u00abVon der Schule zum Berufsleben\u00bb \u2013 oder so \u00e4hnlich \u2013 schrieben. Wie die 15-, 16-J\u00e4hrigen die enorme Umstellung vom gem\u00fctlichen Oberstufensch\u00fcler-Dasein zum strengen und vollen Einsatz fordernden Arbeitstag anschaulich beschrieben und innert weniger Monate bew\u00e4ltigten, wie sie (fast ausnahmslos) ihre Freude am Beruf, am eigenst\u00e4ndigen Schaffen, ihren Stolz auf die ersten selbsterstellten Arbeitsst\u00fccke und nat\u00fcrlich auch auf den ersten Zahltag zum Ausdruck brachten, ersch\u00fctterte meinen Akademiker-Hochmut in den Grundfesten. Was f\u00fcr eine einmalige Chance die duale Berufslehre einem Grossteil unserer jungen Leute bietet, in der wichtigen Lebensphase zwischen 15 und 20 zu reifen und ihren Platz im Leben einzunehmen! \u00c4hnliche Beobachtungen schildert in diesem Newsletter Kollege Thomas Pfann, der vom Gymi zur Berufsschule gewechselt hat und dort Allgemeinbildung unterrichtet: \u00abNach zwei Monaten sind die meisten keine Sekundarsch\u00fcler mehr, das merkt man\u00bb (\u00abN\u00e4her am Leben\u00bb).<\/p>\n<p>Damit will ich keineswegs sagen, dass das Gymi nicht auch eine gute Wahl sein kann \u2013 mir jedenfalls hat das intensive Lernen im Klassenzimmer und zu Hause (meistens) Freude gemacht. Ebenso klar ist, dass es zu den Aufgaben von uns Berufsschullehrern geh\u00f6rt, jeden Jugendlichen, der gerne nach der Lehre eine Weiterbildung machen will, vielleicht die Berufsmatura und ein Studium, nach Kr\u00e4ften zu unterst\u00fctzen. Dabei hilft ihm das ausgesprochen durchl\u00e4ssige Schweizer Bildungssystem: \u00abWer will, kann \u2013 aber niemand muss nach weiteren Diplomen streben\u00bb, h\u00e4lt Robin Schwarzenbach in seinem Leitartikel zur NZZ-Bildungsbeilage richtig fest. Auch fasst manch eine, die mit 14 den \u00abSchulverleider\u00bb hatte, in der Berufsschule neuen Mut zum Lernen, wenn die Lehrerin sie \u00abrichtig nimmt\u00bb. Zum Beispiel so, wie unser gesch\u00e4tzter Kollege Carl Bossard es auch diesmal in seinem ermutigenden Artikel vormacht: \u00abFranz, du schaffst das!\u00bb<\/p>\n<p>Nun lade ich Sie ein, in die reichhaltige Welt der Berufslehre einzutauchen, die wir Ihnen in diesem Newsletter anbieten.<\/p>\n<h4>Jeder junge Mensch sucht sich seinen eigenen Weg in die Zukunft<\/h4>\n<p>Wir erfahren von Lorin, der \u00abkeine Lust mehr auf Schule\u00bb hatte und nun mit Begeisterung Schreiner lernt. Ein Gl\u00fcck, dass seine Eltern es schafften, \u00ab\u00fcber ihren Schatten zu springen\u00bb, dann wird es f\u00fcr den mutigen Umsteiger leichter. Es gibt auch den umgekehrten Weg: Eine junge Frau, die nach der Matura eine Lehre als Konstrukteurin absolviert, mit verk\u00fcrzter Lehrzeit und viel Spass am \u00abZeichnen, planen, rechnen\u00bb. Andere junge Technik-Freaks lernen in der SR Technics am Flughafen Z\u00fcrich, dass am Flugzeugtriebwerk keine Fehler passieren d\u00fcrfen, denn: \u00abIn der Luft gibt es keinen Pannenstreifen\u00bb. (An der Berufsschule B\u00fclach, wo ich unterrichtet habe, hatten wir pro Jahr eine ganze Polymechaniker-Klasse aus der SR Technics.)<\/p>\n<p>Eine Fleischfachfrau im dritten Lehrjahr berichtet von ihrer \u00ababwechslungsreichen und kreativen Arbeit\u00bb und ihrer Freude am Kontakt mit den Kunden. Die junge Frau aus dem Appenzellerland hat auch an den Berufsmeisterschaften teilgenommen (\u00abIch k\u00f6nnte keine Tiere schlachten\u00bb). Hier treffen sich die Einsatzfreude und die Leistungsbereitschaft vieler junger Berufsleute und das Interesse der Schweizer Wirtschaft an Spitzenkr\u00e4ften, vor allem in den gewerblichen Branchen. Wie ein solcher Wettkampf abl\u00e4uft, erfahren wir in der Reportage \u00abSeht her, wir bauen einen Smoker-Grill!\u00bb Obwohl die j\u00e4hrlichen Swiss Skills dieses Jahr wegen Corona nur in kleinem Rahmen und mit wenig Publikum stattfinden, liessen sich die jungen Anlagen- und Apparatebauer aus der Ostschweiz nicht davon abhalten, vier Tage lang vollen Einsatz zu leisten.<\/p>\n<p>Ein Beispiel f\u00fcr die Durchl\u00e4ssigkeit unseres Bildungssystems ist Aleksandra Milosevic: Mit 13 ist sie aus Serbien in die Schweiz gekommen, ohne ein Wort Deutsch zu k\u00f6nnen. Nach ihrer Lehre im Detailhandel absolvierte sie die BMS, dann die Passerelle (\u00dcbergang zum Hochschulstudium), jetzt, mit 27, studiert sie Germanistik und Geschichte an der Uni Bern. \u00abHier kann man alles erreichen\u00bb, sagt Aleksandra heute. Zugegeben, wie Sand am Meer gibt es solche Karrieren auch in der Schweiz nicht, aber es gibt sie. Anders als in vielen L\u00e4ndern findet man hier auch den CEO eines Grosskonzerns, der nicht mit der Matura, sondern mit einer Mechanikerlehre angefangen hat (\u00abDie Berufslehre hat ein Imageproblem\u00bb), und er ist bei weitem nicht der einzige. Denn es geh\u00f6rt zum dualen Berufsbildungssystem, dass gute Leute auch an die Spitze kommen k\u00f6nnen \u2013 wenn sie wollen. Andere bleiben lieber in ihrem praktischen Beruf. Sie finden ein erf\u00fclltes Arbeitsleben als Maler oder B\u00e4cker oder Fachangestellte f\u00fcr Gesundheit, mit einer unsch\u00e4tzbaren F\u00fclle von Wissen und Kenntnissen, die sie gerne an die jungen Generationen weitergeben. Gerade diese Kenner und K\u00f6nner sind ein wichtiger Motor f\u00fcr das Fortbestehen der dualen Berufsbildung.<\/p>\n<h4>Berufslehre in andere L\u00e4nder tragen<\/h4>\n<p>Die Idee von Samuel Notz (\u00abExportschlager Berufslehre\u00bb), das Schweizer System der Welt zug\u00e4nglich zu machen, ist selbstverst\u00e4ndlich nicht neu: Die DEZA und viele freiwillige Fachleute setzen sich schon seit langem daf\u00fcr ein, auch L\u00e4ndern in den \u00e4rmeren Regionen der Welt die Berufslehre n\u00e4herzubringen und sie beim Aufbau von Lehrwerkst\u00e4tten und der Schulung von Ausbildnern zu unterst\u00fctzen. Aber ob sich ein rein digitales Programm als gewinnbringendes Businessmodell f\u00fcr die Verbreitung der Berufslehre eignet, ist eher fraglich. Das Foto des selbst geflochtenen Butterzopfs ist ja gut und recht, aber mich als Konsumentin w\u00fcrde doch auch sehr interessieren, wie gut der Zopf schmeckt.<\/p>\n<h4>Duales Berufsbildungssystem nicht aufs Spiel setzen!<\/h4>\n<p>Mit Peter Aebersolds hervorragendem Beitrag zu Heinrich Pestalozzis Wirken schliesst sich der Kreis. Eine gute Grundbildung f\u00fcr alle war diesem weit vorausblickenden P\u00e4dagogen eines der gr\u00f6ssten Anliegen, und gerade diese ist heute mit den untauglichen und f\u00fcr viele Kinder sch\u00e4dlichen Experimenten in der Volksschule in Gefahr. Das f\u00fcr unsere Jugend und die Gesellschaft existenzielle duale Berufsbildungssystem muss auf soliden Grundlagen aufbauen k\u00f6nnen. Das d\u00fcrfen wir nicht aufs Spiel setzen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Redaktion Starke Volksschule Z\u00fcrich<\/p>\n<p><em>Marianne W\u00fcthrich<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"907\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Inhalt-907x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-779\" srcset=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Inhalt-907x1024.png 907w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Inhalt-266x300.png 266w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Inhalt-768x867.png 768w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Inhalt-1361x1536.png 1361w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Inhalt-960x1084.png 960w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Inhalt.png 1708w\" sizes=\"auto, (max-width: 907px) 100vw, 907px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Newsletter-201206.pdf\">Newsletter vom 6.12.2020<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Newsletter-201206.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die duale Berufsbildung \u2013 eine rundum gute Sache Eine sehr vielf\u00e4ltige und ausgewogene Beilage zur Berufsbildung hat uns die NZZ letzte Woche beschert. F\u00fcr einmal ohne die unn\u00f6tige und vom Wesentlichen ablenkende \u00abGrundsatzfrage\u00bb in den Raum zu stellen, ob unsere Gesellschaft es gerechterweise nicht allen Jugendlichen erm\u00f6glichen sollte, die Matura zu machen. Claudia Wirz malt <a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=777\" class=\"more-link\">...weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\"> \"Newsletter vom 6.12.2020\"<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":{"0":"post-777","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","6":"category-newsletter","7":"h-entry","8":"hentry","9":"h-as-article"},"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/777","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=777"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/777\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":780,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/777\/revisions\/780"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=777"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=777"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=777"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}