{"id":766,"date":"2020-11-21T18:46:10","date_gmt":"2020-11-21T17:46:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=766"},"modified":"2020-12-05T19:25:50","modified_gmt":"2020-12-05T18:25:50","slug":"newsletter-vom-22-11-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=766","title":{"rendered":"Newsletter vom 22. 11. 2020"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"http:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Newsletter-201122.pdf\">Newsletter vom 22.11.2020<\/a><a href=\"http:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Newsletter-201122.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<h2>Deutschlernen als Denkschulung<\/h2>\n<p>Mein j\u00fcngerer, bald vierj\u00e4hriger Enkel freut sich riesig, wenn ich ihm im M\u00e4rklin -Eisenbahnkatalog die Lokomotivtypen erkl\u00e4re und \u00fcber den Eisenbahnbetrieb berichte.\u00a0 Da er den Katalog schon recht gut kennt, kommentiert er manche Bilder gleich selber. Man merkt es, dass ihn die Sache fasziniert und dass es ihm Freude macht, sein Wissen mit seinen eigenen Worten mitzuteilen.<!--more--><\/p>\n<h4>Erlebnisse aus der Kinderwelt veranschaulichen und erkl\u00e4ren<\/h4>\n<p>Zu seinen Eigenheiten geh\u00f6rt es, dass er beim alleinigen Durchbl\u00e4ttern des Katalogs gerne laut spricht und plaudernd den neuen Wortschatz verwendet. Diese Art des Spracherwerbs setzt aber voraus, dass den Kindern zuerst ein St\u00fcck Welt erschlossen wird. Wenn eine Mutter zusammen mit ihrem F\u00fcnfj\u00e4hrigen einen Kuchenteig zubereitet und laufend erkl\u00e4rt, was sie gerade macht, dann findet beim Kind ein Lernprozess statt. Einladende Wimmelb\u00fccher zu Themen wie Baustellen, Bauernh\u00f6fen oder einem liebevoll dargestellten Tagesablauf sind bei Kindern so beliebt, weil sie direkten Bezug zu ihren Erlebniswelten nehmen. Vorschulkinder f\u00fchlen sich angesprochen und schauen genau hin um neue Details zu entdecken. Es braucht dabei aber jemanden, der ihnen die kleinen Geschichten erz\u00e4hlt und so ihren Wortschatz erweitert.<\/p>\n<p>Wenn man die Freude der J\u00fcngsten am muttersprachlichen Ausdruck sieht, fragt man sich schon, weshalb am Ende der Schulzeit die sprachlichen Kenntnisse bei vielen h\u00f6chst mangelhaft sind und die Lust am Formulieren verloren gegangen ist. Die schlechten Bildungschancen von Kindern aus bildungsfernen Haushalten reichen als alleinige Erkl\u00e4rung nicht aus. Die Defizite betreffen mit dem Leseverstehen einen Bereich, in dem offensichtlich Sachwissen und soziale Erfahrungen eine zentrale Rolle spielen.<\/p>\n<h4>Sich mehr Zeit f\u00fcr wesentliche Themen nehmen<\/h4>\n<p>K\u00f6nnte es sein, dass in der Schule die n\u00f6tige Musse f\u00fcr das Eintauchen in sprachf\u00f6rdernde Sachgebiete fehlt, weil das vollgestopfte Bildungsprogramm zum schnellen Stoffvermitteln dr\u00e4ngt? Wer als Lehrer nebeneinander drei Sprachen vermitteln, die Kinder \u00fcber die Medienwelt, \u00fcber Computerwissen und alle Weltreligionen aufkl\u00e4ren soll, steht unter dauerndem Druck. Irgendwo wird dann abgebaut. Bildungspolitiker versprechen, alles sei m\u00f6glich, wenn die richtige Didaktik angewendet werde. Doch ohne die n\u00f6tige Zeit bleibt diese Aussage hohl. Spracherwerb im Deutsch bedeutet, dass Realienthemen sorgf\u00e4ltig vermittelt, in Klassengespr\u00e4chen vertieft und in gestalterischer Form bearbeitet werden. Grosse Themen wie die R\u00f6merzeit, das Leben eines einheimischen Wildtiers oder das Schicksal eines Fl\u00fcchtlingskinds sollen in der Klasse l\u00e4ngere Zeit ganz im Zentrum stehen. Erfahrene Lehrpersonen wissen, wie wichtig das Kreisen der Gedanken um einen bewegenden Lerninhalt durch geeignetes Anschauungsmaterial unterst\u00fctzt werden kann.<\/p>\n<h4>F\u00f6rderung der sprachlichen Ausdrucksf\u00e4higkeit als Kernziel<\/h4>\n<p>Im aufschlussreichen Leitartikel unseres Newsletters befasst sich Carl Bossard mit der engen Verbindung zwischen Denken und Sprache. Der Autor erinnert daran, dass die Ausdrucksf\u00e4higkeit in der deutschen Sprache das Kernziel einer guten Bildung ist. Er zeigt anhand einer feinsinnigen Geschichte auf, wie wichtig das Sammeln, Sortieren und Verarbeiten von Gedanken ist. Diese m\u00fcssen eine Gestalt in Form von Sprache finden. Dieser Prozess ist spannend, verlangt aber Ausdauer und den Willen zur Pr\u00e4zision. Ein Deutschunterricht mit dem Ziel einer guten Sprachkompetenz sollte auf anschauliche Weise Sachfragen kl\u00e4ren und die Freude an sprachlichen Formen vermitteln. Abk\u00fcrzen, wie dies oft suggeriert wird, kann man dabei nicht.<\/p>\n<p>Mit den mangelnden Deutschkompetenzen unserer Schulabg\u00e4nger setzt sich auch Peer Teuwsen auseinander. Der Autor besch\u00f6nigt nichts und weist all die bekannten Entschuldigungen zur\u00fcck. Kurzfutter-Botschaften auf den Handys sind f\u00fcr ihn keine Briefe und Notizen zu einem Thema noch lange keine Aufs\u00e4tze. Schonungslos rechnet er ab mit der schleichenden Abwertung der deutschen Sprache durch die Invasion englischer Ausdr\u00fccke in bald jedem Text. Der Beitrag ist ein erfrischender Weckruf, der uns auf pointierte Art an die Bedeutung unserer Muttersprache erinnert.<\/p>\n<h4>Die Coronakrise trifft die Schule hart<\/h4>\n<p>Die belastende Situation der Schulen in der Coronazeit kommt in vielen Berichten zum Ausdruck. Wer mehr \u00fcber den Schulbetrieb im Corona-Modus und \u00fcber das aktuell gar nicht so lustige Studentenleben erfahren m\u00f6chte, wird hier auf seine Rechnung kommen. F\u00fcr Begeisterte des digitalen Lernens ist es wohl \u00fcberraschend, dass eine holl\u00e4ndische Studie den Fernunterricht in der Primarschule trotz grossem Einsatz der Lehrpersonen als weitgehend wirkungslos bezeichnet. Es d\u00fcrfte sich l\u00e4ngerfristig ung\u00fcnstig auf die Klassen auswirken, wenn schw\u00e4chere Sch\u00fcler nach einem Vierteljahr Fernlernphase weniger k\u00f6nnen als vorher. Bei Studierenden an den Hochschulen ist die Arbeit am Bildschirm hingegen eine Chance, um selbst\u00e4ndig weiterlernen zu k\u00f6nnen. Dennoch vermissen die Studierenden den direkten Gedankenaustausch in den G\u00e4ngen der Universit\u00e4t und in der Cafeteria sehr.<\/p>\n<h4>Klare Stellungnahmen zu zwei umstrittenen Themen<\/h4>\n<p>Im dritten Beitragsblock geht es um zwei h\u00f6chst umstrittene Themenkreise. Da ist einerseits der happige Vorwurf zweier Feministinnen im Sonntagsblick, die Lehrmittel in unserer Volksschule seien \u00abim Kern rassistisch\u00bb. Diesen Rassismus-Vorwurf lassen wir nicht gelten und ver\u00f6ffentlichen zwei Beitr\u00e4ge, welche die populistischen Behauptungen detailliert widerlegen. Den Abschluss dieses Themenblocks bildet ein h\u00f6chst unterhaltsames Interview mit Allan Guggenb\u00fchl \u00fcber das Lernverhalten und die Erziehung von Buben.<\/p>\n<p>Wir m\u00f6chten den Newsletter nicht abschliessen, ohne den k\u00fcrzlich verstorbenen grossen Kinderarzt Remo Largo zu w\u00fcrdigen. Seine bahnbrechenden B\u00fccher haben unz\u00e4hligen Eltern geholfen, in Erziehungsfragen gelassener zu reagieren. In einem feinsinnigen Nachruf hebt Allan Guggenb\u00fchl nochmals Remo Largos grosse Bedeutung f\u00fcr die Kinderpsychologie hervor.<\/p>\n<p>Sie sehen, es fehlt nicht an gehaltvollen Texten.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Redaktion Starke Volksschule Z\u00fcrich<\/p>\n<p><em>Hanspeter Amstutz<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"903\" src=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Inhalt-1024x903.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-768\" srcset=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Inhalt-1024x903.jpg 1024w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Inhalt-300x265.jpg 300w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Inhalt-768x677.jpg 768w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Inhalt-1536x1355.jpg 1536w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Inhalt-960x847.jpg 960w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Inhalt.jpg 1932w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"http:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Newsletter-201122.pdf\">Newsletter vom 22.11.2020<\/a><a href=\"http:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Newsletter-201122.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschlernen als Denkschulung Mein j\u00fcngerer, bald vierj\u00e4hriger Enkel freut sich riesig, wenn ich ihm im M\u00e4rklin -Eisenbahnkatalog die Lokomotivtypen erkl\u00e4re und \u00fcber den Eisenbahnbetrieb berichte.\u00a0 Da er den Katalog schon recht gut kennt, kommentiert er manche Bilder gleich selber. 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