{"id":757,"date":"2020-11-07T17:22:05","date_gmt":"2020-11-07T16:22:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=757"},"modified":"2020-11-07T17:24:25","modified_gmt":"2020-11-07T16:24:25","slug":"newsletter-vom-8-11-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=757","title":{"rendered":"Newsletter vom 8.11.2020"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Newsletter-201108.pdf\">Newsletter vom 8.11.2020<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Newsletter-201108.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<h1>Vielf\u00e4ltige Aspekte des Lernens<\/h1>\n<p>Im neuen Newsletter bieten wir Ihnen zun\u00e4chst zwei Beitr\u00e4ge von ausgewiesenen Fachleuten an, die aus ganz verschiedenen Blickwinkeln die Probleme der Digitalisierung in Schule und Familie unter die Lupe nehmen.<\/p>\n<h4>Digitale Medien in der Schule \u2026<\/h4>\n<p>Der Medienwissenschafter <em>Ralf Lankau<\/em> warnt seit Jahren vor einer unkritischen \u00abdigitalen Bildungsoffensive\u00bb (nicht nur) an deutschen Schulen. <!--more-->In seinem Interview in der FAZ findet sich eine reichhaltige Palette an \u00dcberlegungen. Zum Beispiel r\u00e4t er dringend davon ab, das ganze Budget in digitale Lehrmittel zu stecken, denn erfolgreicher Unterricht h\u00e4ngt nicht in erster Linie von der Art der Medien ab, sondern von der Lehrerpers\u00f6nlichkeit. Es m\u00fcsse Sache des Lehrers bleiben zu entscheiden, welche Medien er als Erg\u00e4nzung zum Pr\u00e4senzunterricht einsetzt. Gerade w\u00e4hrend des Fernunterrichts habe sich gezeigt, dass Lernen im Klassenverband mit Lehrkr\u00e4ften eine ganz andere Qualit\u00e4t hat.<\/p>\n<p>Ralf Lankau hat sich ausserdem gr\u00fcndlich mit der Datensicherheit in den digitalisierten Schulen auseinandergesetzt. Er empfiehlt dezentrale Strukturen mit lediglich lokalem Zugriff, weil zentralisierte Systeme \"mit einem einzigen Hack\" angegriffen werden k\u00f6nnen. Und er besteht auf \"Datensparsamkeit\": Es ist nicht Aufgabe der Schule, Lern- oder Pers\u00f6nlichkeits\u00adprofile der Sch\u00fcler zu erstellen und ihren Lernprozess zu \u00fcberwachen. Datenschutz beinhaltet auch den Schutz der Privatsph\u00e4re der Sch\u00fcler: Mehr Vertrauen in die einzelne Pers\u00f6nlichkeit statt st\u00e4ndiger Lernkontrollen und -diagnosen ist ein Gebot der Stunde.<\/p>\n<h4>\u2026 und in der Familie<\/h4>\n<p>Der zweite Beitrag zum Thema Digitalisierung setzt aus der Sicht der Heilp\u00e4dagogin und Psychologin ebenfalls am letztgenannten Punkt (Vertrauensbeziehung statt Kontrolle) an: <em>Eliane Perret<\/em> zeigt am Beispiel einer Familie auf faszinierende Weise, wie Eltern sich mit ihrem jugendlichen Sohn gemeinsam an den Umgang mit dem Smartphone herantasten, Schritt f\u00fcr Schritt, wie sie ihre F\u00fcrsorgepflicht im Internet-Zeitalter wahrnehmen, aber auch mit rechtlichen Fragen konfrontiert werden. Und wir erfahren, dass es f\u00fcr die Eltern nicht nur darum geht, ob und wann sie dem Kind das kleine Ger\u00e4t in die Hand dr\u00fccken sollen, sondern dass das Smartphone zum gemeinsamen Projekt werden kann. Dabei er\u00f6ffnet ein sinnvolles Zusammenspiel der unterschiedlichen Pers\u00f6nlichkeiten Vater, Mutter, Sohn oder Tochter neue Wege f\u00fcr das Familienleben.<\/p>\n<p>Seit dem Fr\u00fchjahr haben wir immer wieder Eltern und Lehrer zu ihren Erfahrungen w\u00e4hrend der Schulschliessungen zu Wort kommen lassen, so auch dieses Mal. Ein <em>Lehrerpaar mit Kleinkind <\/em>berichtet, wie sie vieles ausprobiert haben und r\u00fcckblickend feststellen, dass manches, wie zum Beispiel ein Elternabend, \"halt nur im pers\u00f6nlichen Kontakt funktioniert\" und dass die Digitalisierung auch ihre Schattenseiten hat. Ein Fragezeichen setze ich, wenn der junge Lehrer bereits seine Drittkl\u00e4ssler(!) mit dem iPad \"arbeiten\" l\u00e4sst. Seine Begr\u00fcndung: Sp\u00e4ter w\u00fcrden sie ohnehin alle Informationen im Internet beschaffen, deshalb sei es unn\u00f6tig, ihnen die Benutzung eines W\u00f6rterbuchs beizubringen.<\/p>\n<h4>Handlungsbedarf im Schweizer Bildungswesen<\/h4>\n<p>Ganz im Gegenteil warnt der Schulp\u00e4dagoge und fr\u00fchere PH-Dozent <em>Martin Straumann<\/em> davor, im Kindergarten und der Unterstufe schon digitale Medien einzusetzen. Denn Kinder brauchen die direkten Lernerfahrungen in der Natur, um zum Beispiel eine Vorstellung von der Gr\u00f6sse oder dem Gewicht eines Tieres zu bekommen. Dies die erste Entgegnung des p\u00e4dagogischen Praktikers auf die f\u00fcnf Thesen des Bildungs-Redaktors <em>Hans Fahrl\u00e4nder. <\/em><\/p>\n<p>Anmerkung: F\u00fcr die Mittelstufe und auch teilweise f\u00fcr die \u00e4lteren Sch\u00fcler gilt dies ebenso. Ich erinnere mich an meinen Physiklehrer im Gymi (da waren wir etwa 15 Jahre alt), der mit Begeisterung zehnmal einen kleinen Metallgegenstand ein Messger\u00e4t hinunterfallen liess und uns damit die immer gleiche Fallgeschwindigkeit im freien Fall demonstriert hat. So etwas bleibt im Ged\u00e4chtnis haften.<\/p>\n<p>Die weiteren Thesen Fahrl\u00e4nders und die Antworten Straumanns zum Handlungsbedarf im Bildungswesen k\u00f6nnen hier nur angetippt werden. Die Themen <em>Integration<\/em> und <em>Chancengleichheit<\/em> wurden im Newsletter schon h\u00e4ufig thematisiert.<\/p>\n<p>Eine Bemerkung zu den Pisa-Tests: Es ist sicher begr\u00fcssenswert, wenn Eltern aus anderen Kulturen Sprachkurse besuchen, wie dies Martin Straumann fordert. Aber die Volksschule hat die Pflicht und Schuldigkeit, allen Kindern in neun Schuljahren die deutsche Sprache beizubringen. Am besten geht dies mit viel Lesen, Vorlesen, Schreiben, strukturiertem Grammatikunterricht, Wortschatz\u00fcbungen \u2013 und mit w\u00f6chentlichen Diktaten und Fehlerkorrekturen der Lehrerin. Zu letzterem hat uns die schwedische Sprachwissenschaftlerin Inger Enkvist an einem Diskussionsabend der Starken Volksschule Z\u00fcrich ihre klaren Forschungsresultate aus Langzeitstudien dargelegt. Ist zwar nicht \"modern\" und entspricht nicht dem Lehrplan 21, aber in meiner Schulzeit haben alle Mitsch\u00fcler aus Italien und Spanien in neun Jahren deutsch gelernt.<\/p>\n<p>Zu Bologna trifft Hans Fahrl\u00e4nder den Nagel auf den Kopf: \"Eine verschulte Ausbildung ohne Tiefe\" konstatiert der Bildungsredaktor, und \"Besch\u00e4ftigungsf\u00e4higkeit am Arbeitsmarkt steht heute \u00fcber allem.\" Knapp und klar!<\/p>\n<h4>Vom fr\u00fchen Lesenlernen<\/h4>\n<p>Eine Studie von Margrit Stamm \u00fcber Vor- und Nachteile des fr\u00fchen Lesenlernens kommt zum Schluss, dass Kinder, die aus eigener Motivation schon im Kindergartenalter lesen lernen, in den meisten F\u00e4llen einen Vorteil haben. So ging es jedenfalls mir: Meinem \u00e4lteren Bruder habe ich gespannt bei den Hausaufgaben zugeschaut und beim Fr\u00fchst\u00fcck auf der Ovomaltine-B\u00fcchse die Buchstaben lesen gelernt. Folge: Ab der 1. Klasse habe ich tonnenweise B\u00fccher gelesen \u2013 das war selbstverst\u00e4ndlich ein Vorteil. Wenn dagegen die F\u00fcnfj\u00e4hrigen im Kindergarten zum Lesenlernen gebracht werden sollen, bringt das, wie Margrit Stamm festgestellt hat, oft keinen dauerhaften Mehrwert. Wie ich von einer Kinderg\u00e4rtnerin weiss, ist es im Gegenteil nicht ratsam, die Kindergartenzeit mit Lesen und Rechnen zu f\u00fcllen, denn dort gibt es tausend andere wichtige Dinge zu lernen, vom Zeichnen, Singen, Ausschneiden \u00fcber das gemeinsame Spiel bis zum Erz\u00e4hlen und Zuh\u00f6ren.<\/p>\n<h4>Blick zur\u00fcck in die fatalen britischen Schulreformen der Achtzigerjahre<\/h4>\n<p>Auch dieser Newsletter wird durch eine historische Betrachtung von Peter Aebersold abgerundet. Bei den Briten h\u00e4tten unsere Bildungsexperten das warnende Beispiel vor Augen gehabt \u2013 wenn sie diese ge\u00f6ffnet h\u00e4tten\u2026 Die plastische und detaillierte Analyse untauglicher Mathe-Lehrmittel und individualistischer Lehrmethoden wird bei jedem heutigen Lehrer die Alarmglocken l\u00e4uten lassen. Unwillk\u00fcrlich werden wir auch an das Desaster mit dem Fr\u00fchfranz\u00f6sisch in den Nordwestschweizer Kantonen erinnert, gegen das sich die Baselbieter mit Erfolg gewehrt haben. Ein ermutigendes Vorbild f\u00fcr alle, die Reissleine zu ziehen \u2013 lieber fr\u00fcher als zu sp\u00e4t!<\/p>\n<p>F\u00fcr die Redaktion Starke Volksschule Z\u00fcrich<\/p>\n<p><em>Marianne W\u00fcthrich<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"720\" src=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Inhalt-1024x720.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-759\" srcset=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Inhalt-1024x720.png 1024w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Inhalt-300x211.png 300w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Inhalt-768x540.png 768w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Inhalt-1536x1081.png 1536w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Inhalt-960x675.png 960w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Inhalt.png 1693w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Newsletter-201108.pdf\">Newsletter vom 8.11.2020<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Newsletter-201108.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vielf\u00e4ltige Aspekte des Lernens Im neuen Newsletter bieten wir Ihnen zun\u00e4chst zwei Beitr\u00e4ge von ausgewiesenen Fachleuten an, die aus ganz verschiedenen Blickwinkeln die Probleme der Digitalisierung in Schule und Familie unter die Lupe nehmen. 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