{"id":716,"date":"2020-09-26T17:13:32","date_gmt":"2020-09-26T15:13:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=716"},"modified":"2020-09-26T17:33:10","modified_gmt":"2020-09-26T15:33:10","slug":"newsletter-vom-27-9-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=716","title":{"rendered":"Newsletter vom 27.9.2020"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Newsletter-200927.pdf\">Newsletter vom 27.9.2020<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Newsletter-200927.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<h2>Hoher Preis f\u00fcr schulische Fehlkonzepte<\/h2>\n<p>Die schulpolitischen Inhalte unseres aktuellen Newsletters k\u00f6nnten gegens\u00e4tzlicher nicht sein. Wir beginnen mit dem Erfreulichen in unserer Volksschule. Markus Tschannen, ein freischaffender Autor und Vater eines Primarsch\u00fclers, erinnert daran, wie viel Einsatz unsere gut entl\u00f6hnten Lehrerinnen und Lehrer jeden Tag leisten, um den Kindern gerecht zu werden. <!--more-->Zu Recht h\u00e4lt er uns vor Augen, wie gut unsere Volksschule von fast allen Gesellschafts\u00adschich\u00adten mitgetragen wird und wie im Vergleich zu anderen L\u00e4ndern die Rahmenbedingungen f\u00fcrs Unterrichten bei uns ausgezeichnet sind. Tschannens Beitrag ist ein Lob auf die starken Seiten unseres Bildungssystems, das nach wie vor einen hohen Standard aufweist. Doch der Text \u00fcberdeckt, dass in der Realit\u00e4t einiges aus dem Ruder gelaufen ist.<\/p>\n<p>Unser Land, das nach Luxemburg europaweit die h\u00f6chsten Bildungsausgaben pro Kopf der Bev\u00f6lkerung aufweist, muss sich fragen, weshalb es in einigen Bildungsbereichen alles andere als erstklassig ist. Ein F\u00fcnftel unserer Schulabg\u00e4nger ist nicht imstand, einfachste Texte zu verstehen und fast die H\u00e4lfte tut sich schwer mit anspruchsvolleren Beitr\u00e4gen. Das sind nur zwei der unerfreulichen Tatsachen, \u00fcber die man nicht einfach hinwegsehen kann. Wir stellen die aktuellen Herausforderungen deshalb zur Diskussion.<\/p>\n<h4>Basler Lehrpersonen fordern mehr Klarheit bei den Bildungszielen<\/h4>\n<p>Welchen Nutzen bringt ein Lehrplan mit 2300 ausformulierten Kompetenzstufen den Lehrpersonen bei der Unterrichtsplanung? Diese Frage haben sich offenbar viele Schulpraktiker in der Nordwestschweiz gestellt und es genauer wissen wollen. In einer Umfrage der <em>Starken Schule beider Basel<\/em> stellte sich heraus, dass der monumentale neue Lehrplan in der Praxis kaum Beachtung findet. Um sich rascher orientieren zu k\u00f6nnen fordern die Lehrerinnen und Lehrer einen handlichen Lehrplanteil A mit klaren Inhalten und kurzen Beschreibungen der Bildungsziele in jedem Fach. Dieser Hauptteil soll dem komplizierten Teil&nbsp;B mit den seitenlangen Kompetenzbeschreibungen vorangestellt werden. Damit w\u00fcrde wohl still und heimlich ein Paradigmenwechsel vom viel ger\u00fchmten Kompetenzenmodell zu einem inhaltsorientierten Lehrplan vollzogen.<\/p>\n<p>Wenn sich schon nach einem Jahr zeigt, dass der Lehrplan seine Hauptfunktion als Kompass f\u00fcr die mittelfristige Bildungsplanung nicht erf\u00fcllen kann, dann ist etwas ganz schief gelaufen. Der neue Lehrplan mag zwar eine Fundgrube f\u00fcr Erziehungswissenschafter und Lehrmittel\u00adproduzenten sein, aber mit seiner un\u00fcbersichtlichen Vielfalt gelingt es ihm nicht, Klarheit bei den Bildungszielen zu vermitteln. Was n\u00fctzt ein Lehrplan, dem die Strahlkraft verbindlicher Bildungsziele fehlt? Die \u00fcberdurchschnittlich regsame Baselbieter Lehrerschaft hat als erste laut ausgesprochen, was sonst meistens nur hinter vorgehaltener Hand kritisiert wurde. Man kann davon ausgehen, dass nun in anderen Kantonen \u00e4hnliche Forderungen erhoben werden.<\/p>\n<h4>Scharfe Kritik am ineffizienten fr\u00fchen Mehrsprachenlernen<\/h4>\n<p>Schon sehr viel l\u00e4nger g\u00e4rt es in der Lehrerschaft beim \u00fcberzogenen Sprachenkonzept der Primarschule. Eigentlich ist den meisten Bildungsverantwortlichen klar, dass das fr\u00fche schulische Lernen dreier Sprachen kein Erfolgsmodell ist und stark sch\u00e4digende Neben\u00adwirkungen in anderen F\u00e4chern hat. Doch die Bildungspolitik hat sich in dieser Frage dermassen in eine Sackgasse man\u00f6vriert, dass ihre Repr\u00e4sentanten ohne Gesichtsverlust nicht mehr herauskommen werden. Entsprechend wird am Konzept herumgeschraubt und immer neue finanzielle Mittel werden bewilligt, nur um das ber\u00fchmte Ende mit Schrecken zu vermeiden.<\/p>\n<p>Offensichtlich scheint nun aber das Fass zu \u00fcberlaufen. Mit ungew\u00f6hnlich scharfen Worten geisselt ein Lehrer und Familienvater den ineffizienten fr\u00fchen Franz\u00f6sischunterricht seines Sohnes. Sicher spielt dabei eine Rolle, dass in der Nordwestschweiz mit dem Lehrmittel <em>Mille feuilles<\/em> auch noch ein ziemlich chaotisches Didaktikkonzept gew\u00e4hlt wurde. Die Misere liegt aber tiefer. Es ist die irrige Vorstellung, dass der fr\u00fchen schulischen Mehrsprachigkeit T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet werden m\u00fcssten, um Kindern vorzeitig den Eintritt ins Zeitalter der weltweiten Kommunikation zu erm\u00f6glichen. Was dabei in anderen F\u00e4chern an grundlegen\u00addem Wissen verloren ging, k\u00fcmmerte die Lehrplanverantwortlichen wenig. Statt Bildung auf das Wesentliche zu konzentrieren, wurde fast der ganze Wunschkatalog an erstrebenswerten Kompetenzen beibehalten. Nun stellt sich heraus, dass der Preis f\u00fcr dieses Fehlkonzept mit einer erheblichen Verw\u00e4sserung der Bildungsziele verkn\u00fcpft ist.<\/p>\n<h4>Ist das humanistische Bildungsideal \u00fcberholt?<\/h4>\n<p>Einige Wellen werfen d\u00fcrfte auch der NZZ-Beitrag von Toni Stadler \u00fcber das von ihm kritisierte humanistische Bildungsideal. Der Autor und Naturwissenschafter kritisiert einen veralteten Bildungskanon an manchen Universit\u00e4ten. Er fordert ein zeitgem\u00e4sseres Bildungs\u00adideal und mehr zweckgerichtete Bildung. Ziel der universit\u00e4ren Bildung m\u00fcsse es sein, als urteilsf\u00e4hige Pers\u00f6nlichkeit das Weltbild regelm\u00e4ssig an den neusten Wissensstand anpassen zu k\u00f6nnen. Da fragt man sich unweigerlich, wie nach Stadlers Vorstellungen denn der Lehrplan der Volksschule umgestaltet werden m\u00fcsste.<\/p>\n<h4>Pl\u00e4doyers f\u00fcr p\u00e4dagogische Standhaftigkeit und gerechtere Bubenp\u00e4dagogik<\/h4>\n<p>Wenn Sie genug von Schulpolitik haben, empfehlen wir Ihnen unsere drei lesenswerten Beitr\u00e4ge \u00fcber praktische Erziehungsfragen. Da ist einmal der wunderbare Bericht von Eliane Perret \u00fcber eine standhafte Mutter, die ihren Spr\u00f6ssling mit viel Liebe und Geduld an den verf\u00fchrerischen Gestellen eines Verkaufsladens vorbeif\u00fchrt. Dann erkl\u00e4ren uns Martin Beglinger und Margrit Stamm, warum richtig verstandene Autorit\u00e4t in der Erziehung \u00fcber\u00adhaupt nicht ausgedient hat. Beide weisen darauf hin, dass Kinder letztlich froh sind, wenn Lehrerinnen und Erzieher \u00fcber eine verl\u00e4ssliche Festigkeit verf\u00fcgen. Fehlt diese, st\u00f6sst jeder Erziehende bald einmal an seine Grenzen. Eigentlich sind dies keine umwerfenden Erkenntnisse, doch im Hinblick auf all die verungl\u00fcckten antiautorit\u00e4ren Experimente sind die erneuerten Grundregeln sehr hilfreich.<\/p>\n<p>Gar nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich ist auch die Aussage, dass Buben anders ticken als M\u00e4dchen. Wie die amerikanische Autorin Peggy Orenstein schreibt, drohen Buben heute emotional zu verk\u00fcmmern, weil ihr Zugang zu den eigenen Gef\u00fchlen durch falsche Vorstelllungen \u00fcber M\u00e4nnlichkeit blockiert ist. In der Schule wiederum wird mit dem sprachenlastigen Bildungsprogramm dem ausgepr\u00e4gten Sachinteresse vieler Buben zu wenig Rechnung getragen.<\/p>\n<h4>Fazit der schulischen Integration in den USA<\/h4>\n<p>Den Schlusspunkt unseres Newsletters bildet ein Blick des Bildungshistorikers Peter Aebersold auf die Integrationsbem\u00fchungen seit den Siebzigerjahren in den USA. Man wird dabei den Eindruck nicht los, dass gewisse Fehler zuerst jenseits des Atlantiks gemacht wurden, bevor wir sie selber bei uns ausprobieren. Doch schauen Sie selbst und bilden Sie Ihr eigenes Urteil beim Lesen all der gegens\u00e4tzlichen Standpunkte in unserem etwas aussergew\u00f6hnlichen Newsletter.<\/p>\n<p>Redaktion Starke Volksschule Z\u00fcrich<\/p>\n<p><em>Hanspeter Amstutz<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"824\" src=\"http:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Inhalt-1-1024x824.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-722\" srcset=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Inhalt-1-1024x824.png 1024w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Inhalt-1-300x241.png 300w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Inhalt-1-768x618.png 768w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Inhalt-1-960x773.png 960w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Inhalt-1.png 1317w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Newsletter-200927.pdf\">Newsletter vom 27.9.2020<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Newsletter-200927.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hoher Preis f\u00fcr schulische Fehlkonzepte Die schulpolitischen Inhalte unseres aktuellen Newsletters k\u00f6nnten gegens\u00e4tzlicher nicht sein. 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