{"id":701,"date":"2020-08-29T17:16:59","date_gmt":"2020-08-29T15:16:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=701"},"modified":"2020-08-29T17:39:24","modified_gmt":"2020-08-29T15:39:24","slug":"newsletter-vom-30-8-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=701","title":{"rendered":"Newsletter vom 30.8.2020"},"content":{"rendered":"\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Newsletter-200830.pdf\">Newsletter vom 30.8.2020<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Newsletter-200830.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<h2>Lernprozesse st\u00e4rker in den Fokus r\u00fccken<\/h2>\n<p>Baustellen faszinieren kleine Kinder ungemein. Mein dreij\u00e4hriger Enkel l\u00e4sst sich kaum von einer Baustelle wegbringen, wenn in einer grossen Baugrube Schaufelbagger an der Arbeit sind und Kr\u00e4ne schwere Lasten heben. Seine Entdeckerfreude nimmt kein Ende, denn immer wieder kann er Dinge beobachten, die ihn ganz in Beschlag nehmen. Diese Faszination des Bauens spiegelt sich auch in den Kinderb\u00fcchern, wo Wimmelb\u00fccher \u00fcber die Arbeit auf Baustellen grossen Absatz finden.<\/p>\n<h4>Lernen bedeutet \u00fcberlegtes Aufbauen<\/h4>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Kinder sp\u00fcren intuitiv, dass das Bauen von existenzieller Bedeutung ist. Beim Blick in die Baugrube wollen sie verstehen, was da abl\u00e4uft und was entstehen wird. F\u00fcr sie ist das Bauen durchaus ein Gleichnis f\u00fcr das Neue in ihrem Leben, das sie t\u00e4glich erleben. In seinem anspruchsvollen Beitrag mit dem Titel \u00abBaustelle Schule\u00bb greift Carl Bossard den Vergleich mit dem Bauen auf, um auf anschauliche Weise die grosse Bedeutung der Lernprozesse in der P\u00e4dagogik in Erinnerung zu rufen.<\/p>\n<p>Lernen ist ein komplexer Vorgang, bei welchem wie auf einer Baustelle alles richtig ineinandergreifen muss. Schritt f\u00fcr Schritt wird vorgegangen. Nur auf einem soliden Fundament k\u00f6nnen die Maurer die Backsteinw\u00e4nde errichten. Die Verschalungen der Betondecken werden erst entfernt, wenn der Beton trocken ist. Auch das schulische Lernen ist ein Aufbauen, das einem klaren Plan folgen muss, wenn es gelingen soll.<\/p>\n<h4>Erfolgreiches Unterrichten setzt duales Denken voraus<\/h4>\n<p>Dabei stellen sich den Lehrpersonen stets zwei grundlegende Fragen, die in jedem Lernprozess von zentraler Bedeutung sind. Auf der einen Seite ist es der Bildungsinhalt, der schulische Stoff, den es zu vermitteln gilt. Diese Inhalte m\u00fcssen bez\u00fcglich des allgemeinen Bildungswerts relevant und f\u00fcr exemplarisches Verstehen geeignet sein. Lehrpersonen sollten den ausgew\u00e4hlten Stoff m\u00f6glichst durchdrungen haben, damit sie aus dem Vollen sch\u00f6pfen k\u00f6nnen. Auf der anderen Seite steht der junge Mensch mit seinen Anlagen, W\u00fcnschen und Bildungsinteressen. Die Lehrperson muss mit ihrer Botschaft den Empf\u00e4nger stets im Blickfeld haben und sich fragen, wie die Kinder den Lernprozess verarbeiten. Wo muss ich als Lehrer behutsam, aber zielgerichtet eingreifen? Wo ist mehr \u00dcben angesagt und wo sind didaktische Wege zu korrigieren?<\/p>\n<p>Das Zusammenspiel der beiden verschiedenen Bereiche f\u00fchrt zu einer spannenden Dynamik in den Lernprozessen. Engagierte Lehrpersonen sind deshalb immer wieder fasziniert, wie Lernprozesse sich bei den Kindern und Jugendlichen entwickeln und wie man das Lernen optimieren kann. Es versteht sich von selbst, dass bei diesem Unterrichtsverst\u00e4ndnis der Lehrerberuf weit mehr mit p\u00e4dagogischer Kunst als mit braver Coachingt\u00e4tigkeit zur Umsetzung eines vorgegebenen Mammutprogramms zu tun hat.<\/p>\n<p>Die Lekt\u00fcre unseres Startbeitrags wird Sie nicht entt\u00e4uschen. Carl Bossard erkl\u00e4rt Ihnen die Teilschritte von Lernprozessen einleuchtend und stellt alles in einen Gesamtzusammenhang. Sie werden dabei um einige Erkenntnisse reicher.<\/p>\n<h4>Wenig erforschte Lernprozesse beim Mythos Gruppenarbeit<\/h4>\n<p>In unserem zweiten zentralen Beitrag geht Sekundarlehrer Urs Kalberer der Frage nach, welche Lernprozesse sich in Gruppenarbeiten abspielen. Man merkt, dass die Beobachtungen des Autors auf umfangreichen praktischen Erfahrungen beruhen. Er stellt die vielf\u00e4ltigen Erwartungen, die an den modernen Gruppenunterricht gestellt werden, den effektiven Resultaten des Lernens in Gruppen gegen\u00fcber. Der Autor listet eine ganze Reihe von sozialen und kognitiven Kompetenzen auf, die nach verbreiteter Auffassung in der Arbeit im Team schneller erworben k\u00f6nnen als durch klassische Instruktion. Manche sehen in der Gruppenarbeit gar eine Art didaktisches Breitband-Heilmittel, um alle schulischen Erwartungen abdecken zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Doch der genaue Blick auf teamorientierte Lernprozesse zeigt auf, dass der Zuwachs an Wissen und K\u00f6nnen gesamthaft gesehen eher bescheiden ist. W\u00e4hrend aktive Gruppenmit\u00adglieder neue Kompetenzen erwerben, machen andere kaum Lernfortschritte. Die Vorstellung, dass selbst\u00e4ndiges Lernen und die Entwicklung von Lernstrategien aufgrund h\u00e4ufiger Grup\u00adpen\u00adarbeiten bei vielen Sch\u00fclern einen Sprung nach vorn machen w\u00fcrden, ist tr\u00fcgerisch. Der Autor sieht klare Grenzen des Konstruktivismus, wenn es um den Erwerb von Grundkompe\u00adtenzen im kognitiven Bereich und beim Erwerb des Fachwissens in den Realien geht.<\/p>\n<p>Regelm\u00e4ssig in den Unterricht eingebaute Gruppenarbeiten sind zweifellos wertvoll f\u00fcr soziale Erfahrungen in Teamarbeit. Sie \u00fcberfordern aber Lehrpersonen und die meisten Sch\u00fcler, wenn damit ein Ersatz f\u00fcr die nach wie vor zentrale Lernform der direkten Instruktion angestrebt wird. Mit seinen praxisnahen Erkenntnissen bringt der Autor das umstrittene Dogma von der \u00dcberlegenheit des selbstbestimmten Lernens in der Volksschule ganz sch\u00f6n ins Wanken.<\/p>\n<h4>Genormte Schnelltests k\u00f6nnen Zeugnisse nicht ersetzen<\/h4>\n<p>Wieweit k\u00f6nnen genormte Lerntests den Resultaten individueller Lernprozesse von Jugendlichen gerecht werden? Diese Frage kann man sich stellen, wenn man h\u00f6rt, dass j\u00e4hrlich Tausende von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern beim Multitest scheitern. Der kostenpflichtige Test nimmt f\u00fcr sich in Anspruch, in weniger als einem Halbtag erfassen zu k\u00f6nnen, wo das schulische Potenzial eines Jugendlichen liegt.<\/p>\n<p>W\u00fcrde der Test nur verwendet, um ein erg\u00e4nzendes Bild der schulischen Leistungen neben den Schulzeugnissen zu geben, w\u00e4re dagegen nichts einzuwenden. Doch die Entwicklung geht in eine v\u00f6llig falsche Richtung. Viele Betriebe und schulische Einrichtungen erachten den fragw\u00fcrdigen Multicheck leider als aussagekr\u00e4ftiger als Zeugnisnoten. Zu Recht wird deshalb im Beitrag von Flavio Razzino der verbreitete Glaube an die verl\u00e4ssliche Aussagekraft des Multicheck-Schnelltests kritisiert.<\/p>\n<h4>Weitere Beitr\u00e4ge zum aktuellen Schulgeschehen und zwei Perlen als Abschluss<\/h4>\n<p>Wie immer enth\u00e4lt unser Newsletter neben einem Schwerpunktthema eine Auswahl der wichtigsten Beitr\u00e4ge \u00fcber das schulpolitische Geschehen der letzten beiden Wochen. So wird im Zusammenhang mit dem Fernunterricht die Frage der Digitalisierung erneut aufgerollt und diskutiert. Eine Historikerin erinnert in einem lesenswerten Interview, dass unsere Volksschule mit dem Weg der kontinuierlichen Erneuerungen anstelle st\u00fcrmischer Ver\u00e4nderungen gut gefahren ist. Ein Dauerbrenner in den Gazetten ist die Reform des Gymnasiums mitsamt den viel Diskussionsstoff bietenden Aufnahmepr\u00fcfungen. In unserem Leserbriefforum spiegelt sich diese Thematik. Dazu kommt ein engagierter Leserbrief einer ehemaligen Schulpflegerin, die sich f\u00fcr eine St\u00e4rkung der vom Volk gew\u00e4hlten Schulpflege einsetzt.<\/p>\n<p>Den Abschluss unseres Newsletters bilden zwei Beitr\u00e4ge, die nochmals Grunds\u00e4tzliches \u00fcber Schule und Unterricht aufgreifen. In einem NZZ-Gastkommentar legt Klaus Zierer mit starken Argumenten eine Lanze f\u00fcr einen lebendigen Pr\u00e4senzunterricht ein. Und im abschliessenden NZZ-Interview kommt mit Dieter R\u00fcttimann ein erfahrener P\u00e4dagoge zu Wort. Seine Aussagen regen zum Denken an, auch wenn manche recht umstritten sein d\u00fcrften.<\/p>\n<p>Doch genau diese Art des Dialogs suchen wir. Wir w\u00fcnschen Ihnen viel Gewinn bei der Lekt\u00fcre.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Redaktion Starke Volksschule Z\u00fcrich<\/p>\n<p><em>Hanspeter Amstutz <\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"901\" src=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Inhalt-1-1024x901.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-703\" srcset=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Inhalt-1-1024x901.png 1024w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Inhalt-1-300x264.png 300w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Inhalt-1-768x676.png 768w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Inhalt-1-960x845.png 960w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Inhalt-1.png 1195w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Newsletter-200830.pdf\">Newsletter vom 30.8.2020<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Newsletter-200830.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lernprozesse st\u00e4rker in den Fokus r\u00fccken Baustellen faszinieren kleine Kinder ungemein. 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