{"id":603,"date":"2020-01-18T10:04:36","date_gmt":"2020-01-18T09:04:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=603"},"modified":"2020-01-18T10:05:00","modified_gmt":"2020-01-18T09:05:00","slug":"newsletter-vom-19-1-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=603","title":{"rendered":"Newsletter vom 19.1.2020"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Newsletter-200119.pdf\">Newsletter vom 19.1.2020<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Newsletter-200119.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<h2>Wer hat noch den Blick aufs Wesentliche?<\/h2>\n<h4>In der Volksschule wird auf zu vielen Hochzeiten getanzt<\/h4>\n<p>K\u00f6nnen Sie spontan Bildungsziele nennen, denen wir alles unterordnen, damit sie tats\u00e4chlich erreicht werden? In der Flut der bunten Zielsetzungen beim aktuellen F\u00e4cherkatalog d\u00fcrfte dies wahrscheinlich nicht einfach sein. Von grossen Bildungszielen m\u00fcsste eine weitreichende Strahlkraft ausgehen, die klare Priorit\u00e4ten schafft. Der souver\u00e4ne Umgang mit der deutschen Sprache w\u00e4re so ein lohnenswertes Ziel, das eine Vorrangstellung rechtfertigen w\u00fcrde.<!--more--><\/p>\n<p>Sp\u00e4testens seit dem schlechten Abschneiden unserer Sch\u00fcler bei der Lesekompetenz im PISA-Test stellt sich die Frage, ob wir die Schwerpunkte in unserem Bildungssystem richtig gesetzt haben. L\u00e4ngst haben wir uns an eine Innovationsrhetorik gew\u00f6hnt, die uns glauben l\u00e4sst, die Schule k\u00f6nne auf breitester Front fast alles erreichen. Fr\u00fch zwei Fremdsprachen und die deutsche Hochsprache gleichzeitig zu vermitteln, schaffe die Schule dank moderner Didaktik bestens. Einen fr\u00fchen Einstieg in die spannenden Naturwissenschaften, den klugen Umgang mit dem vielf\u00e4ltigen Angebot im Internet und mehr Souver\u00e4nit\u00e4t bei der Mediennutzung w\u00fcrden unsere aufgeweckten Sch\u00fcler ohne Weiteres bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<h4>Verschwiegenes Dilemma zwischen Wunschbild und Realit\u00e4t<\/h4>\n<p>Von den Lehrpersonen wird erwartet, dass sie neben der Erf\u00fcllung des vollen Wunschprogramms auch den Anforderungen an die Bildungsgerechtigkeit nachkommen. Stark verhaltensauff\u00e4llige Sch\u00fcler sollen in die Regelklassen integriert werden, damit jeder Anschein von Ausgrenzung vermieden werden kann. Immer mehr wird auch davon ausgegangen, dass Sch\u00fcler ein Recht auf ein massgeschneidertes individuelles Lernprogramm haben. Wie dabei ein gut verst\u00e4ndliches Notensystem aussehen k\u00f6nnte, steht hingegen noch in den Sternen.<\/p>\n<p>Das Idealbild einer Schule, die den ganzen Wunschkatalog erf\u00fcllen soll, \u00fcberstrahlt in Schulleitbildern und Presseberichten den weniger sch\u00f6nen Istzustand in fast unertr\u00e4glicher Weise. Lehrerinnen und Lehrer, die ehrlich auf das Dilemma zwischen Bildungsversprechungen und der Schulrealit\u00e4t hinweisen, werden rasch schr\u00e4g angeschaut. Also schweigen sie lieber.<\/p>\n<h4>Angst vor Abstrichen beim randvollen Bildungsprogramm<\/h4>\n<p>Wie <strong>Carl Bossard<\/strong> in unserem Leitartikel schreibt, w\u00e4re es Sache des Schweizerischen Lehrerverbands, die Frage nach dem Wesentlichen in der Bildung mit aller Deutlichkeit zu stellen. Doch darauf wartet man vergebens. Es br\u00e4uchte einigen Mut zu sagen, wo beim Bildungsprogramm Abstriche gemacht werden m\u00fcssten, um dem Wesentlichen wieder Platz zu geben. Lieber befasst man sich mit Studien zu Reformprojekten in einzelnen F\u00e4chern oder stellt Forderungen nach noch mehr finanziellen Mitteln f\u00fcr die ewige Baustelle der schulischen Integration. Es fehlt ganz eindeutig der Blick aufs Ganze.<\/p>\n<p>Von den im Rampenlicht stehenden Bildungspolitikern ist nicht zu erwarten, dass sie eine scharfe Kurskorrektur vornehmen, solange gut begr\u00fcndete Kritik aus der Schulpraxis nur \u00e4usserst z\u00f6gerlich vorgetragen wird. Es besteht f\u00fcr sie kein Grund, das verlockende Bildungsprogramm infrage zu stellen und unpopul\u00e4re Einschr\u00e4nkungen zugunsten der schulischen Kernaufgaben zu vertreten. \u00c4hnliches l\u00e4sst sich auch von dem Teil der Presse sagen, welcher jede schulische Neuerung zum Vornerein mit Applaus begr\u00fcsst.<\/p>\n<h4>Bessere Deutschf\u00f6rderung braucht deutlich mehr Zeit<\/h4>\n<p>Wenn wir nicht l\u00e4nger an Ort treten wollen, m\u00fcssen N\u00e4gel mit K\u00f6pfen gemacht werden. Ganz sicher kann die arg in die Kritik geratene Deutschf\u00f6rderung nicht einfach mit ein paar kosmetischen Tricks verbessert werden. F\u00fcr klar bessere Resultate braucht es mehr Zeit f\u00fcrs \u00dcben, mehr Kompetenzen der Lehrpersonen im Bereich des Erz\u00e4hlens, mehr Training im schriftlichen Ausdruck in Form von sorgf\u00e4ltig korrigierten Aufs\u00e4tzen und einen besseren Realienunterricht zur Erweiterung des Wortschatzes. Diese umfangreichen Anforderungen machen klar, dass eine Konzentration aufs Wesentliche nur m\u00f6glich ist, wenn die Lehrpersonen in anderen F\u00e4chern von zu hoch gesteckten Zielen entlastet werden. L\u00e4ngerfristig wird man nicht darum herumkommen, die Zielsetzungen im neuen Lehrplan in grundlegende Anforderungen und fakultative Wunschbereiche zu trennen. Nur so kann Bildung wieder effektiver werden.<\/p>\n<p>Konkret k\u00f6nnte dies beispielsweise heissen, einfachere Ziele bei den fr\u00fchen Fremdsprachen zu setzen oder die zweite Fremdsprache aus dem verbindlichen Primarschulprogramm zu kippen. Doch f\u00fcr einen Kurswechsel zu einem wirkungsorientierten Schulsystem braucht es deutlichere Botschaften aus den Schulzimmern und einen Schweizer Lehrerverband, der politisch hartn\u00e4ckiger auftritt.<\/p>\n<p>Erfreulicherweise gibt es ermutigende Zeichen aus einigen Kantonen, dass die Lehrerschaft in schulpraktischen Fragen einiges erreichen kann, wenn mit \u00fcberzeugenden Argumenten gek\u00e4mpft wird.<\/p>\n<h4>\u00dcbereinstimmende Kritik an didaktischen Holzwegen<\/h4>\n<p>Dass eine einseitige Lernkultur an unserer Volksschule zu ungen\u00fcgenden Leistungen beitragen kann, weist <strong>Mario Andreotti<\/strong> in seinem erhellenden Beitrag nach. Der Autor macht darauf aufmerksam, dass sich die zunehmende Abwendung vom gemeinsamen Klassenunterricht bei den meisten Sch\u00fclern ung\u00fcnstig auswirkt. Statt durch direkte Instruktion eine Sache zu kl\u00e4ren und mit gezieltem \u00dcben Grundlagen zu festigen, werden die Sch\u00fcler mit selbstorganisiertem Lernen \u00fcberfordert. Die Folgen sind alles andere als harmlos. Vor allem schw\u00e4chere Sch\u00fcler verlieren den Mut und neigen zur Vereinzelung, wenn sie zu lange sich selbst \u00fcberlassen sind. Mario Andreotti fordert deshalb einen lebendigen Kontakt der Sch\u00fcler zu einer verst\u00e4ndnisvollen und kompetenten Lehrperson im Rahmen des t\u00e4glichen Klassenunterrichts.<\/p>\n<p>Ganz \u00e4hnlich t\u00f6nt es auch in den pr\u00e4gnanten Leserbriefen der vergangenen zwei Wochen. Eine Leserbriefschreiberin stellt fest, dass selbstorganisiertes Lernen allzu h\u00e4ufig zu Ziellosigkeit und grossen stofflichen Defiziten f\u00fchre. Peter Aebersold erinnert daran, dass das erfolgreiche finnische Schulmodell vor allem auf der hohen Kompetenz der Klassenlehrpersonen beruht, die sich nicht scheuten, mit direkter und anschaulicher Instruktion zu unterrichten.<\/p>\n<p>Liebe Leserinnen und Leser, es fehlt wirklich nicht an eindeutigen Signalen aus der Schulpraxis, was in der Schule ge\u00e4ndert werden m\u00fcsste. Die kritischen Stimmen sind da. Sie finden sie in \u00f6ffentlichen Stellungnahmen oder in Blogs mit ausgezeichneten Bildungsbeitr\u00e4gen. Noch sind die Stimmen zu leise, um als Chor wahrgenommen zu werden. Wir sind jedoch \u00fcberzeugt, dass die p\u00e4dagogische G\u00f6tterd\u00e4mmerung bereits eingesetzt hat. Werfen Sie einen Blick auf unsere Texte und Sie werden sehen, dass Erstaunliches in Bewegung gekommen ist.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Redaktion Starke Volksschule Z\u00fcrich<\/p>\n<p><em>Hanspeter Amstutz<\/em><\/p>\n<h2>Inhalt<\/h2>\n<ul>\n<li>Wer hat noch den Blick aufs Wesentliche? <br><span style=\"font-size: 10pt; color: #808080;\">17.1.2020, Hanspeter Amstutz<\/span><\/li>\n<li>Vom p\u00e4dagogischen Zaubertrunk des Vielen <br><span style=\"font-size: 10pt; color: #808080;\">Journal21, 11.1.2020, Carl Bossard<\/span><\/li>\n<li>Wenn die Schule \u00fcberfordert <br><span style=\"font-size: 10pt; color: #808080;\">Galler Tagblatt, 14.1.2020, Meinung, Gastkommentar von Mario Andreotti<\/span><\/li>\n<li>\u00abDer Stoff bleibt auf der Strecke\u00bb <br><span style=\"color: #808080; font-size: 10pt;\">Landbote 3.1.2020, Leserbrief<\/span><\/li>\n<li>Debakel f\u00fcr die Bildung <br><span style=\"color: #808080; font-size: 10pt;\">NZZ 6.1.2020, Zuschriften<\/span><\/li>\n<li>Eine 4-Millionen-Villa f\u00fcr jede Schulklasse <br><span style=\"color: #808080; font-size: 10pt;\">Tagblatt der Stadt Z\u00fcrich, 15.1.2020, Forum der Parteien, Yasmine Bourgeois<\/span><\/li>\n<li>\u00abSchulnoten bilden nicht ab, was noch m\u00f6glich ist\u00bb <br><span style=\"color: #808080; font-size: 10pt;\">Z\u00fcrichsee-Zeitung 15.1.2020, Region, Susanna Valentin<\/span><\/li>\n<li>Dem Franz\u00f6sischlehrmittel \u00abMille Feuilles\u00bb droht das Aus <br><span style=\"font-size: 10pt; color: #808080;\">NZZ 8.1.2020, Schweiz, Daniel Gerny<\/span><\/li>\n<li>Ex-\u201cPisa-Sieger\u201d Finnland und der Klassenunterricht <br><span style=\"font-size: 10pt; color: #808080;\">Condorcet Bildungsblog 5. Januar 2020, Peter Aebersold<\/span><\/li>\n<li>Veranstaltungshinweise <br>19. Februar 2020, Ist neu immer besser? <br>25. M\u00e4rz 2020, Der schiefe Turm von Pisa \u2013 Sch\u00fcler und Lehrer im (Test-)Stress<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Newsletter-200119.pdf\">Newsletter vom 19.1.2020<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Newsletter-200119.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer hat noch den Blick aufs Wesentliche? In der Volksschule wird auf zu vielen Hochzeiten getanzt K\u00f6nnen Sie spontan Bildungsziele nennen, denen wir alles unterordnen, damit sie tats\u00e4chlich erreicht werden? In der Flut der bunten Zielsetzungen beim aktuellen F\u00e4cherkatalog d\u00fcrfte dies wahrscheinlich nicht einfach sein. 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