{"id":586,"date":"2019-12-07T22:01:56","date_gmt":"2019-12-07T21:01:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=586"},"modified":"2019-12-07T22:01:59","modified_gmt":"2019-12-07T21:01:59","slug":"newsletter-vom-8-12-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=586","title":{"rendered":"Newsletter vom 8.12.2019"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Newsletter-191208.pdf\">Newsletter vom 8.12.2019 <\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Newsletter-191208.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<h2>Pisa: Aufregung produzieren oder Konsequenzen ziehen?<\/h2>\n<p>Erstaunlich, zu welch weisen Erkenntnissen die neuesten Pisa-Tests f\u00fchren. Worauf zahlreiche Reformkritiker seit Jahren warnend hinweisen, findet \u00abdank\u00bb der erneut ungen\u00fcgenden Resultate im Leseverstehen pl\u00f6tzlich Widerhall in den Medien. <!--more-->Jeder vierte 15-J\u00e4hrige verstehe deutsche Texte zu schlecht, um sp\u00e4ter als eigenst\u00e4ndiger Erwachsener im Alltag, im Berufsleben und als m\u00fcndiger B\u00fcrger bestehen zu k\u00f6nnen. Etwa die H\u00e4lfte hat zudem wenig Freude am Lesen: \u00abIch lese nicht zum Vergn\u00fcgen\u00bb. Und was f\u00e4llt der Z\u00fcrcher Bildungsdirektorin und EDK-Pr\u00e4sidentin Silvia Steiner dazu ein? \u00abWir m\u00fcssen uns fragen, wie es uns gelingt, dass Jugendliche wieder mehr Lust am Lesen bekommen.\u00bb In den Kantonen seien bereits Projekte und Konzepte am Laufen, gibt sie laut Tages-Anzeiger zum Besten (\u00abSchweizer sind nur Mittelmass\u00bb). So, so\u2026 Wir Lehrer k\u00f6nnten Ihnen schon sagen, welche Projekte und Konzepte es br\u00e4uchte: Freude am Lesen bekommen die Kinder n\u00e4mlich vor allem beim gemeinsamen Lesen im Klassenverband, zusammen mit einer begeisterten und begeisternden Lehrerin, die \u00fcber nicht verstandene Ausdr\u00fccke oder S\u00e4tze nicht hinweggeht, sondern mit ihren Sch\u00fclern zusammen deren Sinn so erschliesst, dass m\u00f6glichst alle folgen und ihr Textverst\u00e4ndnis damit aufbauen und vertiefen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nichts Neues also \u2013 aber jetzt gilt es, Konsequenzen zu ziehen. Denn mit dem selbstorganisierten Abarbeiten von Schmalspur-L\u00fcckentexten im Sinne der mageren Deutsch-Lernziele im Lehrplan 21 lernt man weder die deutsche Sprache einigermassen zu beherrschen noch bekommt man Freude daran. Ausser diejenigen Kinder, bei denen zu Hause gelesen und vorgelesen wird \u2013 aber die lernen es sowieso.<\/p>\n<p>Apropos Konsequenzen ziehen: Wirklich bemerkenswert, was da so alles im Tagi zu lesen ist: \u00abJahrelang habe man der Schule viele zus\u00e4tzliche Aufgaben aufgeb\u00fcrdet \u2013 etwa zwei Fremdsprachen auf Primarschulstufe. Dabei sei das Hochdeutsch essenziell f\u00fcr die gesamte Bildungskarriere; hier d\u00fcrften keine Kompromisse gemacht werden.\u00bb So Rudolf Winsch, Bildungsverantwortlicher bei Economiesuisse, bisher eifriger Verfechter aller Schulreformen, vor allem der Volldigitalisierung der Schule. Am selben Tag schreibt Raphaela Birrer im Tagi, wir sollten uns fragen, was in unseren Schulzimmern nicht richtig laufe. \u00abDie Antwort lautet: falsch gelagerte Reformen. Lernschwache Sch\u00fcler sind heute in die Regelklassen integriert, Klassen werden vergr\u00f6ssert, Lektionen f\u00fcr \u00abDeutsch als Zweitsprache\u00bb abgebaut, mehrere Fremdsprachen parallel unterrichtet. Das bringt die Schulen vielerorts an ihre Belastungsgrenzen.\u00bb (\u00abDer falsche Reformeifer r\u00e4cht sich\u00bb) Gerne werden wir unsere Presse und unsere Bildungsverantwortlichen an diese Statements erinnern\u2026<\/p>\n<p>Wenig \u00fcberzeugend sind die Ideen der neuen LCH-Pr\u00e4sidentin Dagmar R\u00f6sler zur Abhilfe: Es herrsche \u00abHandlungsbedarf in den Bereichen Lesekompetenz, Fr\u00fchf\u00f6rderung, Nutzung digitaler Technologien in der Schule sowie der Begabungs- und Begabtenf\u00f6rderung.\u00bb (\u00abPisa-Studie 2019: Schweizer Sch\u00fcler verschlechtert\u00bb) Meines Erachtens k\u00f6nnten wir auf Fr\u00fchf\u00f6rderung problemlos verzichten, wenn wir den Lehrplan und die Lehrerausbildung wieder darauf ausrichten, dass alle Kinder, auch solche mit nichtdeutscher Muttersprache, in der Volksschule lesen und schreiben lernen. In neun Jahren plus zwei Jahren Chindsgi sollte das m\u00f6glich sein. Der Erwerb von \u00abLesekompetenz\u00bb im Sinne des LP 21 ist, wie oben erl\u00e4utert, der falsche Weg, und wie die \u00abdigitalen Technologien\u00bb zu besserem Leseverst\u00e4ndnis und zu Freude am Lesen verhelfen sollen, bleibt schleierhaft. Die Begabtenf\u00f6rderung k\u00f6nnen wir uns vermutlich sparen, wenn wir die heterogenen Inklusionsklassen wieder in Lerngemeinschaften aufteilen, die f\u00fcr <em>jedes <\/em>Kind f\u00f6rderlich sind.<\/p>\n<p>Praxistauglichere Vorschl\u00e4ge finden Sie im ersten Beitrag dieses Newsletters, verfasst von R\u00e9gis Ecklin, einem jungen Lehrer, der sich zu sagen traut, dass es Faktenwissen braucht, um Sprache zu verstehen und sich richtig auszudr\u00fccken: \u00ab\u2026 eine saubere Sprache ist die Grundvoraussetzung f\u00fcr einen sauberen Gedanken.\u00bb Und weiter: \u00abOhne gefestigten Wortschatz kein Inhalt und ohne koh\u00e4rente Grammatik kein Sinn.\u00bb Zu diesem Zweck, so R\u00e9gis \u2013 und man kann ihm nur zustimmen \u2013 macht es Sinn, auch Vokabeln zu lernen und Diktate zu schreiben.<\/p>\n<p>Nach den ganzen Pisa-Artikeln verweilen wir gerne bei Carl Bossard, beim Bericht \u00fcber seinen herrlichen Vortrag im Verein \u00abStarke Volksschule Z\u00fcrich\u00bb: Die Beziehung zwischen dem Lehrer und seinen Sch\u00fclern steht bei ihm immer im Zentrum des Geschehens und der vielen Dinge, die es in der Schulzeit zu lernen gibt. Im anschliessenden Artikel freut er sich mit dem Lehrerinnen- und Lehrerverein Baselland \u00fcber das klare Abstimmungsresultat der Stimmbev\u00f6lkerung, die ihren P\u00e4dagogen die Lehrmittelfreiheit \u2013 und damit gleichzeitig ein St\u00fcck Methodenfreiheit \u2013 zur\u00fcckgegeben hat. Mit seiner Frage: \u00abWarum nicht die Strategie \u00e4ndern?\u00bb, wenn deren praktische Umsetzung derart niederschmetternde Ergebnisse hervorgebracht hat, schliesst sich der Kreis. Dieselbe Frage ist zu stellen, wenn wir k\u00fcnftig bessere Resultate der Pisa-Tests anstreben, und weit dar\u00fcber hinaus f\u00fcr eine Schulbildung, deren unverzichtbare Grundlage die gute Beherrschung der deutschen Sprache in Wort und Schrift ist.<\/p>\n<p>Die sicher von niemandem gewollte Folge einer Schule mit vielen alleingelassenen, entmutigten Kindern ist die erschreckende Zunahme von Kindern und Jugendlichen in den psychiatrischen Praxen und Kliniken. Der mehrmals genannte Leistungsdruck als eine der Ursachen psychischer Erkrankung Jugendlicher kann entstehen, wenn die Sch\u00fcler mit einer F\u00fclle von Lernstoff in zu vielen Schulf\u00e4chern gleichzeitig \u00fcberflutet werden, ohne dass ein Erwachsener da ist, der sie an der Hand nimmt und sicher durch den Strudel hindurchf\u00fchrt. Ein Coach, der keinen Klassenunterricht machen soll, f\u00fcr das einzelne Kind jedoch nicht gen\u00fcgend Zeit hat, kann den Klassenlehrer nicht ersetzen. Es ist sehr gut zu verstehen, dass immer mehr Lehrer sich gegen eine derartige Degeneration ihres Berufes zur Wehr setzen.<\/p>\n<p>Wir w\u00fcnschen Ihnen eine erhellende Lekt\u00fcre.<\/p>\n<p><em>Marianne W\u00fcthrich<\/em><\/p>\n<h2>Inhalt<\/h2>\n<ul>\n<li>Pisa: Aufregung produzieren oder Konsequenzen ziehen?<\/li>\n<li>Am Anfang war das Wissen<br \/><span style=\"font-size: 10pt; color: #808080;\">Z\u00fcrcher Bote 22.11.2019, Aktuell, R\u00e9gis Ecklin, Zollikerberg<\/span><\/li>\n<li>Der falsche Reformeifer r\u00e4cht sich <br \/><span style=\"font-size: 10pt; color: #808080;\">Tages-Anzeiger, 4.12.2019, Pisa-Studie, Kommentar, Raphaela Birrer Ressortleiterin Inland<\/span><\/li>\n<li>Schweizer sind nur Mittelmass <br \/><span style=\"font-size: 10pt; color: #808080;\">Tages-Anzeiger 4.12.2019, Pisa-Studie, Janine Hosp, Tim Wirth und Yannik Wiget<\/span><\/li>\n<li>Pisa-Studie 2019: Schweizer Sch\u00fcler verschlechtert <br \/><span style=\"font-size: 10pt; color: #808080;\">Blick 3.12.2019, Christian Beutler<\/span><\/li>\n<li>Wer nicht liest, ist abgeh\u00e4ngt <br \/><span style=\"font-size: 10pt; color: #808080;\">Tages-Anzeiger 4.12.2019 Pisa-Studie, Martin Ebel<\/span><\/li>\n<li>Lese-, nicht Medienkompetenz <br \/><span style=\"font-size: 10pt; color: #808080;\">NZZ 6.12.2019, Leserbrief<\/span><\/li>\n<li>\u00abSchulkinder suchen keinen Coach, sie wollen einen H\u00e4uptling. <br \/><span style=\"font-size: 10pt; color: #808080;\">Z\u00fcrcher Bote 29.11.2019, Timotheus Bruderer<\/span><\/li>\n<li>Operatives vom Prinzipiellen her denken <br \/><span style=\"font-size: 10pt; color: #808080;\">Journal21, 1.12.2019, Carl Bossard<\/span><\/li>\n<li>Die geleitete Lehrmittelfreiheit kommt - ein echter Meilenstein<br \/><span style=\"font-size: 10pt; color: #808080;\">LVB (Lehrerinnen- und Lehrerverein Baselland) 25.11.2019<\/span><\/li>\n<li>Tendenzen geben zu denken <br \/><span style=\"font-size: 10pt; color: #808080;\">EDU-Standpunkt Dezember 2019, Lisa Leisi, Pr\u00e4sidentin EDU Kanton St. Gallen<\/span><\/li>\n<li>Digitalisierung mit Augenmass <br \/><span style=\"font-size: 10pt; color: #808080;\">Galler Tagblatt, 25.11.2019, Leserbrief<\/span><\/li>\n<li>Digitalisierung in der Schule <br \/><span style=\"font-size: 10pt; color: #808080;\">NZZ 6.12.2019, Leserbrief<\/span><\/li>\n<li>Soziale Medien machen Kinderseelen krank <br \/><span style=\"font-size: 10pt; color: #808080;\">Sonntagszeitung 24.11.2019, Dominik Balmer, Stv. Ressortleiter Nachrichten<\/span><\/li>\n<li>Da haben wir Erwachsene etwas gar nicht gut gemacht <br \/><span style=\"font-size: 10pt; color: #808080;\">Sonntagszeitung 24.11.2019, Arthur Rutishauser, Chefredaktor Tages-Anzeiger<\/span><\/li>\n<li>\u00abMitsch\u00fcler verpr\u00fcgelten und beleidigten mich\u00bb <br \/><span style=\"font-size: 10pt; color: #808080;\">20Minuten 24.11.2019, von B. Zanni<\/span><\/li>\n<li>\u00abDer Druck in der Schule ist zu gross\u00bb Kinder sollen wieder spielen: Schluss mit dem Lernzwang <br \/><span style=\"font-size: 10pt; color: #808080;\">Schweiz am Wochenende 30.11.2019 von Sabine Kuster<\/span><\/li>\n<li>F\u00fcr eine Geschichte des Friedens <br \/><span style=\"color: #808080; font-size: 10pt;\">NZZ 27.11.2019, Zuschriften, Gastkommentar von Alain Lamassoure<\/span><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"http:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Newsletter-191208.pdf\">Newsletter vom 8.12.2019<\/a><a href=\"http:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Newsletter-191208.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pisa: Aufregung produzieren oder Konsequenzen ziehen? Erstaunlich, zu welch weisen Erkenntnissen die neuesten Pisa-Tests f\u00fchren. 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