{"id":313,"date":"2018-10-27T13:46:10","date_gmt":"2018-10-27T11:46:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=313"},"modified":"2019-03-22T13:49:20","modified_gmt":"2019-03-22T12:49:20","slug":"newsletter-vom-28-10-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=313","title":{"rendered":"Newsletter vom 28.10.2018"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Newsletter-181028.pdf\">Newsletter vom 28.10.2018<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Newsletter-181028.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h2>Abschaffung des Lateins? Ein Symptom der Bildungsmisere in unserer Schule<\/h2>\n<p>Bei der Lekt\u00fcre der ber\u00fchrenden Texte von Carl Bossard und Rainer Werner sp\u00fcrt der Leser: Hier sprechen zwei Menschen zu uns, die eine Bildung im wahrsten Sinne des Wortes \u00abgenossen\u00bb haben.<\/p>\n<p>Ein Fach, das vor noch nicht so langer Zeit selbstverst\u00e4ndlicher Teil einer humanistischen Bildung war, ist Latein. Der Fachdidaktiker Hans Meyer und die langj\u00e4hrige Redaktorin Esther Girsberger geben dem Nicht-Lateiner eine Ahnung davon, was junge Menschen beim Lateinlernen bisher mit auf den Weg bekommen haben und weiterhin bekommen k\u00f6nnten: Eine grundlegende grammatikalische Schulung, die einen fortan die Klippen der Muttersprache und anderer Sprachen leichter erklimmen l\u00e4sst; die Faszination beim Herumknobeln an einem komplexen Satzgef\u00fcge; das Denken in logischen und sinngebenden Zusammenh\u00e4ngen; das Erfassen der sozialen und historischen Hintergr\u00fcnde eines Textes aus der r\u00f6mischen Antike als Hilfe f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis von Texten aus anderen Epochen\u2026 Eine Welt, die meine Mitsch\u00fcler und ich vor langer Zeit mit unserem von seinem Fach begeisterten Lateinlehrer, der uns auch die Bedeutung der Antike f\u00fcr die europ\u00e4ische Geschichte n\u00e4hergebracht hat, betreten durften.<\/p>\n<p>Und dann landen wir in der knallharten Wirklichkeit von 2018: In manchen Lateinklassen s\u00e4ssen nur noch wenige Sch\u00fcler, also k\u00f6nnte man sich die Kosten f\u00fcr diesen alten Zopf sparen und das Latein an den Schweizer Gymnasien gleich ganz abschaffen. Diese Denkweise ist ein erschreckendes Symptom der zunehmenden Schmalspurbildung in einer \u00f6konomisierten Schule. Vom simplen \u00abBildungs\u00bb-Verst\u00e4ndnis der PISA-Tests \u00fcber das Credits-Sammeln zwecks raschem und kostensparendem Hochschulabschluss \u00e0 la Bologna ist der Weg zur Streichung des Lateinunterrichts vorprogrammiert. \u00abEs gibt Wichtigeres, das man jungen Frauen und M\u00e4nnern mit auf den Weg geben m\u00f6chte\u00bb, so zum Beispiel die Chefredaktion des Tages-Anzeigers (Seite 7). Tatsache ist \u2013 und die wird durch solche schwachsinnigen Aussagen nicht aus der Welt geschaffen \u2013 dass man in einer Volksschule mit dem kompetenzorientierten und vereinzelnden Lehrplan 21 nicht das R\u00fcstzeug erwirbt, um Latein zu lernen, \u00fcbrigens auch keine andere Sprache.<\/p>\n<p>Haben Sie gewusst, dass die D-EDK im Lehrplan 21 auch einen Latein-Lehrplan fabriziert hat? Denn einige Kantone bieten in der Oberstufe der Volksschule Latein an f\u00fcr Sch\u00fcler, die anschliessend ins Gymi wollen. Anhand dieses Lehrplans wird die Absurdit\u00e4t des LP21 besonders deutlich.<\/p>\n<p>Da \u00abk\u00f6nnen\u00bb die Sch\u00fcler \u00abin einem kurzen, einfachen Satz unter Anleitung Satzglieder erkennen\u00bb oder Texte \u00absprachlich und inhaltlich analysieren und deuten\u00bb, ja sogar \u00ab\u00fcber die \u00e4sthetische Wirkung vorgetragener Texte nachdenken\u00bb. Beim H\u00f6ren kurzer Texte k\u00f6nnen sie \u00abeinzelne W\u00f6rter und Informationen verstehen, wenn langsam und sinnhaft gesprochen wird, das Thema vertraut ist und der Text visuell unterst\u00fctzt wird (z.B. Bild, Geste).\u00bb Doch, W\u00f6rtli lernen sollen sie auch ein bisschen, n\u00e4mlich \u00abdie Grundbedeutungen weniger ausgew\u00e4hlter W\u00f6rter\u00bb. Ja, man h\u00f6re und staune, sie \u00abk\u00f6nnen\u00bb sogar \u00abW\u00f6rter des gelernten Wortschatzes orthographisch korrekt schreiben\u00bb! Zur Grammatik, der K\u00f6nigsdisziplin der lateinischen Sprache, findet sich lediglich ein k\u00fcmmerliches Abs\u00e4tzchen. Jugendliche auf solche Weise ins Latein \u00abeinzuf\u00fchren\u00bb, ohne einen strukturierten, zeitintensiven und lehrergef\u00fchrten Aufbau, ist eine Ungeheuerlichkeit.<\/p>\n<p>Nach all diesen H\u00e4ppchen da und Aufschnappen dort wird's dann pl\u00f6tzlich happig: Die Sch\u00fcler \u00abkennen im \u00dcberblick die historischen Hintergr\u00fcnde, die zur Beeinflussung vieler europ\u00e4ischer Sprachen durch das Latein gef\u00fchrt haben (z.B. Vulg\u00e4rlatein, Humanismus).\u00bb Wenn schon keine humanistische Bildung, dann wenigstens die Bedeutung des \u00abHumanismus\u00bb \u00abkennen\u00bb\u2026<\/p>\n<p>Wir wollen aber nicht nur \u00fcber vergossene Milch klagen, sondern lieber einen frischen Topf aufsetzen. Gerade f\u00fcr Kinder aus bildungsferneren oder fremdsprachigen Familien, die es ins Gymi schaffen \u2013 und das sind gar nicht so wenige \u2013 ist das Lateinobligatorium im Untergymnasium ein Segen und erh\u00f6ht die Chancengleichheit erheblich. So habe ich eine junge Frau bis zur Matura begleitet, in deren Familie eine fremde, dem Deutschen nicht verwandte Sprache gesprochen wird. Dass sie \u00fcber ihrem Lateinbuch \u00e4chzte und seufzte, konnte ich verstehen, musste sie doch neben dem Deutsch, das sie nicht wirklich beherrschte, und den anderen Fremdsprachen nun noch eine weitere Sprache lernen. Aber zu ihrer Verbl\u00fcffung zeigte sich, dass die lateinische Grammatik ganz besonders f\u00fcr sie als Fremdsprachige eine echte St\u00fctze f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis und das Formulieren deutscher und franz\u00f6sischer S\u00e4tze und Texte wurde. Zudem konnte sie ihren schmalen Wortschatz mit zahlreichen Fremdw\u00f6rtern erweitern.<\/p>\n<p>Warum nicht Latein auch als Beitrag zur Chancengleichheit f\u00fcr lernfreudige fremdsprachige Jugendliche in Betracht ziehen? Selbstverst\u00e4ndlich soll hier dieses Fach nicht ausgespielt werden gegen andere wichtige Schulf\u00e4cher. Logisches Denken und Erfassen von Zusammenh\u00e4ngen kann auch in den mathematisch-naturwissenschaftlichen F\u00e4chern oder in Geschichte gelernt werden. Von zentraler Bedeutung ist, dass der Lernstoff gr\u00fcndlich gelernt, ge\u00fcbt und durchdrungen wird, mit gen\u00fcgend Wochenlektionen und im lehrergef\u00fchrten Unterricht.&nbsp;<\/p>\n<p>Wir w\u00fcnschen viel Freude beim Lesen!<\/p>\n<p>F\u00fcr das Redaktionsteam der \u00abStarken Volksschule Z\u00fcrich\u00bb<\/p>\n<p><em>Marianne W\u00fcthrich <\/em><\/p>\n<h2>Inhalt<\/h2>\n<ul>\n<li>Abschaffung des Lateins? Ein Symptom der Bildungsmisere in unserer Schule<\/li>\n<li>Lehrer ohne Eigenschaften?<\/li>\n<li>Unterforderung ist das \u00dcbel der Zeit<\/li>\n<li>Latein als Pflichtfach ist \u00fcberholt<\/li>\n<li>Weniger Latein an den Gymnasien<\/li>\n<li>Das Latein am Ende?<\/li>\n<li>\u00abLatein verbessert die analytische Kompetenz\u00bb<\/li>\n<li>Der Nutzen von Latein ist viel gr\u00f6sser, als man denkt<\/li>\n<li>Zwischen Spreu und Weizen trennen<\/li>\n<li>Schulischer Irrgarten<\/li>\n<li>Allen Sch\u00fclern eine gute Bildung geben<\/li>\n<li>Abstimmungen im Kanton Graub\u00fcnden am 25.11.2018<\/li>\n<li>Veranstaltungshinweise <br>Das gesellschaftliche Bild und die p\u00e4dagogische Bedeutung der Lehrberufe <br>Bildungspolitik auf dem Holzweg?<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Newsletter-181028.pdf\">Newsletter vom 28.10.2018<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Newsletter-181028.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":{"0":"post-313","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","6":"category-newsletter","7":"h-entry","8":"hentry","9":"h-as-article"},"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/313","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=313"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/313\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":316,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/313\/revisions\/316"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=313"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=313"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=313"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}