{"id":235,"date":"2018-11-08T15:00:35","date_gmt":"2018-11-08T14:00:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=235"},"modified":"2019-03-14T15:01:14","modified_gmt":"2019-03-14T14:01:14","slug":"was-man-von-schwedens-schule-lernen-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=235","title":{"rendered":"Was man von Schwedens Schule lernen kann"},"content":{"rendered":"\n<p>Z\u00fcriberg 8.11.2018<\/p>\n<p><strong><em>Nordische L\u00e4nder gelten f\u00fcr viele Bildungspolitiker als Vorbild. Doch was macht Schweden in seiner Volks- schule anders? Die schwedische Professorin Inger Enkvist informierte Interessierte in Z\u00fcrich dar\u00fcber.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em>Rudolf Richner, Mitglied im Verein \u00abStarke Volksschule Z\u00fcrich\u00bb.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/I.-Enkvist-1024x600.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-229\" srcset=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/I.-Enkvist-1024x600.png 1024w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/I.-Enkvist-300x176.png 300w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/I.-Enkvist-768x450.png 768w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/I.-Enkvist-960x562.png 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Letzten Donnerstag hielt Professorin Inger Enkvist aus Schweden im Pfarreizentrum Liebfrauen vor rund 40 Zuh\u00f6renden, darunter Lehrer, Eltern und Grosseltern, einen spannenden Vortrag \u00fcber die Auswirkungen von 50 Jahren Bildungsreformen in Schweden auf Schule, Familie, Wirtschaft und Gesellschaft. Seit Jahren fordert sie in Schweden eine bessere Qualit\u00e4t des Schulunterrichts.<\/p>\n<h3>Buch \u00fcber schwedische Schulreform geschrieben<\/h3>\n<p>In ihrem Buch \u00fcber die schwedischen Schulreformen \u00fcbt sie deutliche Kritik. Inger Enkvist geht der Frage nach, wie verschiedene L\u00e4nder ihr Bildungssystem gestalten und was Schweden von ihnen lernen kann. In ihrem Vortrag wies sie anhand eindr\u00fccklicher internationaler Studien auf die Bedeutung der Muttersprache als Grundlage allen Lernens und unserer kulturellen Entwicklung hin. Ebenso wichtig erwies sich die Pers\u00f6nlichkeit der Lehrer und wie sie mit ihren Sch\u00fclern Beziehung aufnehmen. Studien zeigen auch, dass Kleinkinder, die von ihren Eltern und Beziehungspersonen sprachlich gef\u00f6rdert werden, indem sie viel mit ihnen sprechen und ihnen Geschichten vorlesen, im Alter von drei Jahren dreimal so viele W\u00f6rter kennen wie Kinder, mit denen man wenig spricht. Dieser R\u00fcckstand gleicht sich bis zum Alter von zehn Jahren nicht mehr aus, er vergr\u00f6ssert sich sogar. Das wirkt sich nach Ingers Aussage auch auf den Erwerb von Fr\u00fchfremdsprachen aus: Zuerst muss das Kind die Muttersprache gr\u00fcndlich lernen, erst nachher kann es mit den Fremdsprachen darauf aufbauen. Besonders f\u00fcr die Integration von fremdsprachigen Kindern ist das eine wichtige Voraussetzung.<\/p>\n<p>Die Ausf\u00fchrungen von Enkvist zeigten deutlich, dass wir auch in der Schweiz die Studien zum Schulerfolg ernst nehmen m\u00fcssen. Nur wenn die Erwachsenen, Eltern und Lehrer, die Kinder aktiv in die Welt einf\u00fchren und nicht nur \u00abbegleiten\u00bb, erhalten sie genug R\u00fcstzeug f\u00fcr die Zukunft.<\/p>\n<p>Die Politik in Schweden hatte Unsummen von Geld investiert, die aber nicht den gew\u00fcnschten Effekt zur Folge hatten. Schwedens Sch\u00fcler schnitten n\u00e4mlich im internationalen Vergleich immer schlechter ab \u2013 und zwar auch in den eigentlichen Kernkompetenzen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Der Grund: Die Reformen beraubten Schulen und Lehrkr\u00e4fte ihrer Freiheit und pressten sie in ein zu enges p\u00e4dagogisches Korsett. Gleichzeitig schaffte Schweden Schritt f\u00fcr Schritt Sonderklassen ab und integrierte Sch\u00fcler mit allen m\u00f6glichen Problemen in Regelklassen, ohne die Folgen zu bedenken. Diese traten schliesslich in den letzten Jahren zutage. Sowohl etablierte Industrie-, als auch Dienstleistungs- unternehmen wanderten ins Ausland ab, weil sie keine geeigneten Arbeitnehmer mehr fanden.<\/p>\n<p><strong><em>Alle abholen, alle mitnehmen <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Studien ergaben auch, dass man von einem Text \u00fcber 90 Prozent der W\u00f6rter inklusive Schl\u00fcsselw\u00f6rter und auch ihre Bedeutung kennen muss, um den Inhalt des Textes richtig verstehen zu k\u00f6nnen. Das erkl\u00e4rt, warum viele Kinder und Jugendliche nicht gerne B\u00fccher lesen, da ihr Wortschatz zu klein ist und sie den Inhalt nicht richtig verstehen.<\/p>\n<p>Weil der Stand der Kinder aus verschiedenen Familienverh\u00e4ltnissen und erst recht von fremdsprachigen Kindern im Zeitpunkt des Schuleintritts sehr unterschiedlich ist, hat die Volksschule die Pflicht, einen intensiven und durch die Lehrerin gef\u00fchrten muttersprachlichen Unterricht f\u00fcr alle anzubieten, so dass der einzelne Sch\u00fcler bis zum Ende der Schulzeit die Unterschiede kompensieren oder zumindest verringern kann. Dazu geh\u00f6rt das regelm\u00e4ssige Schreiben von Diktaten und Aufs\u00e4tzen und der stetige Versuch, den Sch\u00fclern das Lesen in der Freizeit naher zu bringen. Diese grundlegende Aufgabe der Volksschule wird heute grob vernachl\u00e4ssigt: Wer zu Hause nicht gef\u00f6rdert wird, lernt \u00fcber die ganze Schulzeit hinweg Lesen und Schreiben der Muttersprache nur sehr mangelhaft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Z\u00fcriberg 8.11.2018 Nordische L\u00e4nder gelten f\u00fcr viele Bildungspolitiker als Vorbild. Doch was macht Schweden in seiner Volks- schule anders? 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