{"id":1571,"date":"2025-03-08T09:33:47","date_gmt":"2025-03-08T08:33:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=1571"},"modified":"2025-03-08T09:34:50","modified_gmt":"2025-03-08T08:34:50","slug":"newsletter-vom-9-maerz-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=1571","title":{"rendered":"Newsletter vom 9. M\u00e4rz 2025"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-file\"><a id=\"wp-block-file--media-02b31fbb-02a0-4c54-980a-f994d83f2b7f\" href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Newsletter-250309.pdf\">Newsletter vom 9.3.2025<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Newsletter-250309.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-02b31fbb-02a0-4c54-980a-f994d83f2b7f\">Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<h2>Unsere Volksschule den Bildungseliten \u00fcberlassen?<\/h2>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Themen im aktuellen Newsletter sind einmal mehr die Infragestellung der integrativen Schule als angeblich einzig richtige L\u00f6sung, das Seilziehen um die allgemeinbildende Lehrabschlusspr\u00fcfung sowie das bemerkenswerte Eingest\u00e4ndnis eines der aktivsten Unterst\u00fctzer von Schulreformen, keine Ahnung zu haben, warum unsere Schulbildung schlechter geworden ist.<!--more--><\/p>\n<h4>Ross und Reiter der Schulreformen sind bestens bekannt<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">NZZ-Journalist Sebastian Briellmann schreibt Klartext zu einer Reihe fragw\u00fcrdiger Schulreformen, die eine massive Verschlechterung der Volksschulbildung und die Entkernung des Lehrerberufs verursacht haben (\u00abDie Schule wird zur Therapieanstalt\u00bb). Im Zentrum seines Artikels steht zum einen das Integrationsmodell mit all seinen negativen Auswirkungen auf die Bildung unserer Jugend \u2013 nicht nur der lernschw\u00e4cheren Sch\u00fcler. Zum anderen nennt der Autor aber auch Ross und Reiter der Reformen: eine mehrheitlich schulferne Bildungselite, die seit Jahrzehnten die Deutungshoheit f\u00fcr sich beansprucht, ohne f\u00fcr die Folgen der von ihr durchgesetzten Neuerungen einzustehen. Dies wird in unserer heutigen Textsammlung an verschiedenen Stellen deutlich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Vorw\u00fcrfe zweier Leserbriefschreiber, der Autor zeichne ein undifferenziertes Bild der Integration beziehungsweise er st\u00fctze sich kaum auf empirische Evidenz, sind angesichts der zahlreichen negativen Berichte aus dem Schulalltag und der erwiesenen sinkenden Sch\u00fclerleistungen nicht nachvollziehbar. Aus p\u00e4dagogischer Sicht ist wichtig, dass dieses Modell nicht jedem Kind gerecht wird, ja dass die vielen Sondersettings manch einem sogar schaden k\u00f6nnen, wie Briellmann mit Verweis auf Prof. Roland Reichenbach anmerkt.<\/p>\n<h4>Kleinklassen schaffen Recht auf Bildung und F\u00fcrsorge f\u00fcr alle Kinder<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Erfreulicherweise hat der Z\u00fcrcher Kantonsrat k\u00fcrzlich entschieden, eine sinnvolle Platzierung von Kindern in Kleinklassen zu erleichtern. Damit schliesst er sich der wachsenden Einsicht in immer mehr Kantonen und politischen Parteien an, dass die \u00abIntegration um jeden Preis\u00bb gescheitert ist (\u00abDer Kanton s\u00e4gt an der integrativen Schule\u00bb).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Schulferne Bildungselite, Beispiel 1: <\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wider jede Realit\u00e4t h\u00e4lt die Z\u00fcrcher Bildungsdirektorin in der Kantonsratsdebatte an ihrem Widerstand gegen Kleinklassen fest. Ihr Beharren auf sogenannten Schulinseln, wo man st\u00f6rende Kinder vor\u00fcbergehend separiert, um sie dann wieder in ihre Klasse zur\u00fcckzuschicken, zeigt die Bildungsferne von Silvia Steiner. Denn f\u00fcr jeden P\u00e4dagogen ist klar, dass eine solche \u00abL\u00f6sung\u00bb ohne jeden Anspruch, ein Kind voranzubringen, seinem Recht auf Bildung und F\u00fcrsorge prinzipiell entgegensteht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hand und Fuss hat dagegen die Argumentation von Sekundarlehrer und GLP-Kantonsrat Christoph Ziegler, warum Kleinklassen besonders f\u00fcr verhaltensauff\u00e4llige Sch\u00fcler sinnvoll sein k\u00f6nnen (\u00abWir haben die Probleme untersch\u00e4tzt\u00bb). Allerdings ist zu erg\u00e4nzen: Selbstverst\u00e4ndlich d\u00fcrfen Kleinklassen nicht in erster Linie dazu dienen, die Regelklassen von \u00abschwierigen\u00bb Sch\u00fclern zu entlasten, sondern sie sollen Kindern mit Lern- und Verhaltensschwierigkeiten eine echte Bildungschance erm\u00f6glichen. (\u00dcbrigens kommt es h\u00e4ufig vor, dass ein Kind aufh\u00f6rt, den Unterricht zu st\u00f6ren, wenn es in einer ad\u00e4quaten Lernsituation neuen Mut fassen kann.) Aber auch alle anderen Kinder haben ein Recht auf einen Schulunterricht, der nicht mehrheitlich aus selbstorganisiertem Lernen besteht. Und nicht zu vergessen: Die Lehrerinnen und Lehrer haben das Recht, ihren Beruf als Pers\u00f6nlichkeiten mit einem menschlichen und p\u00e4dagogischen Anliegen aus\u00fcben zu k\u00f6nnen. Die Herabstufung des Lehrerberufs auf Coaching und administrative Besch\u00e4ftigung ist einer der Hauptgr\u00fcnde, warum gerade die besten Lehrkr\u00e4fte ihren Beruf aufgeben.<\/p>\n<h4>Erfolgreicher Widerstand gegen Abschaffung der ABU-Lehrabschlusspr\u00fcfung<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Schulferne Bildungselite, Beispiel 2: <\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie bereits in einem fr\u00fcheren Newsletter berichtet, wollte das Staatssekretariat f\u00fcr Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) \u00fcber die K\u00f6pfe der Lehrerschaft an den Berufsschulen hinweg die schriftliche Lehrabschlusspr\u00fcfung im allgemeinbildenden Unterricht (ABU) abschaffen. Dies mit der absurden Begr\u00fcndung, in schriftlichen Pr\u00fcfungen w\u00fcrden Fakten abgefragt, w\u00e4hrend mit m\u00fcndlichen Pr\u00fcfungen die \u00abKompetenzen\u00bb der Sch\u00fcler \u00aberh\u00f6ht\u00bb werden k\u00f6nnten. Carl Bossard stellt in seinem Artikel in p\u00e4dagogisch \u00fcberzeugender Weise klar, dass ohne Wissensfundament auch keine Kompetenzen entstehen. Und er freut sich \u00fcber den breiten Einspruch aus Lehrerverb\u00e4nden und Politik, der die Umsetzung der verbohrten Ideen aus der Bildungsverwaltung ins Wanken brachte (\u00abWas Widerstand von unten bewirken kann\u00bb).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aufhorchen l\u00e4sst die haneb\u00fcchene Rechtfertigung aus dem SBFI: Man habe die Reform \u00abin Zusammenarbeit mit Wissenschaftern\u00bb erarbeitet und \u00abden aktuellen Herausforderungen entsprechend aufgegleist\u00bb. \u00abWir wollten nicht gar nicht, sondern anders pr\u00fcfen.\u00bb (\u00abDer Bund schafft die Lehrabschlusspr\u00fcfung doch nicht ab\u00bb). Mit derart hohlen Phrasen steuert man an der Realit\u00e4t vorbei. Das Berufsleben fordert von jungen Erwachsenen, dass sie f\u00e4hig sind, sich in ein Thema zu vertiefen und sich auf einen Lernstoff zu konzentrieren. Der Pr\u00fcfungsstoff im Fach Allgemeinbildung ist \u00fcberschaubar, den kann jeder junge Mensch nach drei oder vier Jahren Berufslehre bew\u00e4ltigen, wenn er will. In diesem Sinn stellt die Kommission f\u00fcr Wissenschaft, Bildung und Kultur des St\u00e4nderates (WBK-S) richtig fest, \u00abder Verzicht auf die Abschlusspr\u00fcfung sei ein falsches Signal an die Leistungsbereitschaft der Lehrlinge.\u00bb Sch\u00f6n, dass sich unsere Parlamentarier in Bern mit dieser wichtigen Frage befassen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nun schiebt das SBFI den Entscheid, die Form der Pr\u00fcfung Allgemeinbildung festzulegen, an die Kantone ab. Immerhin ist anzunehmen, dass die Waage sich in Richtung schriftliche Pr\u00fcfung neigen wird. Andernfalls g\u00e4be es vermutlich einen Aufstand der ABU-Lehrkr\u00e4fte. Bereiten Sie einmal Tausende von m\u00fcndlichen Pr\u00fcfungen vor, nat\u00fcrlich mit verschiedenen Aufgaben, denn die Kommunikation funktioniert heute auch \u00fcber die Schulen hinweg problemlos.<\/p>\n<h4>\u00abWir sind im Blindflug\u00bb<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Schulferne Bildungselite, Beispiel 3: <\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Interview mit Bildungsforscher Stefan Wolter gibt besonders zu denken. Der National\u00f6konom hat sein Arbeitsleben mehrheitlich in der Bundesverwaltung verbracht, seit 1999 ist er Direktor der Schweizerischen Koordinationsstelle f\u00fcr Bildungsforschung SKBF und Titularprofessor f\u00fcr Bildungs\u00f6konomie an der Universit\u00e4t Bern. Angesichts seiner zahlreichen Mandate in der Bildungselite liegt es nahe zu vermuten, dass Wolter einigen Einfluss auf die Schweizer Schulreformen hatte und hat. (siehe https:\/\/www.skbf-csre.ch\/skbf\/team\/stefan-wolter\/).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Interview sagt er doch tats\u00e4chlich: \u00abEs gibt bei uns Reformen, die gross angek\u00fcndigt und mit sch\u00f6nen Worten beschrieben werden \u2013 <em>aber nie wird die Abmachung getroffen, welches Ziel damit erreicht werden soll, und noch viel wichtiger: wie man die Zielsetzung einmal auch \u00fcberpr\u00fcfen will<\/em>. So stehlen sich alle aus der Verantwortung.\u00bb Nach Wolters \u00f6konomischer Vorstellung m\u00fcssten die Ziele mit Testserien gesetzt und kontrolliert werden. Dies f\u00fchrt jedoch an der Realit\u00e4t der Schule und der Bildung vorbei. Wenn wir unsere Jugendlichen mit einer Flut von Tests \u00fcbersch\u00fctten und statistische Zahlenkolonnen f\u00fcllen w\u00fcrden, br\u00e4chte ihnen das keine bessere Bildung. Denn es ist bereits allgemein bekannt, dass die Leistungen unserer Sch\u00fcler, und zwar nicht nur der neu eingewanderten, massiv abgenommen haben. Wolters: \u00abEs sind vor allem die einheimischen Sch\u00fcler, die in den letzten zwanzig Jahren schlechter geworden sind\u00bb.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es gen\u00fcgt nicht, den Bildungsabbau festzustellen, sondern wir m\u00fcssen etwas dagegen tun. Wolters Frage: \u00abWo sollen in Zukunft die Arbeitspl\u00e4tze entstehen f\u00fcr den Viertel der Schulabg\u00e4nger, die keine ad\u00e4quaten Kompetenzen in Grundlagenf\u00e4chern haben?\u00bb geben wir ihm und den anderen Bildungsverantwortlichen zur\u00fcck. Es ist ihre Pflicht und Schuldigkeit, die dringenden Forderungen vieler Eltern und Lehrer nach einer besseren Volksschulbildung und einer praxistauglichen Lehrerbildung aktiv voranzubringen. Wir d\u00fcrfen nicht weitere zwanzig Jahre verstreichen lassen!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>F\u00fcr die Redaktion: Marianne W\u00fcthrich<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Inhalt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"770\" src=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Inhalt-1024x770.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1573\" style=\"width:638px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Inhalt-1024x770.jpg 1024w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Inhalt-300x226.jpg 300w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Inhalt-768x578.jpg 768w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Inhalt-960x722.jpg 960w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Inhalt.jpg 1303w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a id=\"wp-block-file--media-02b31fbb-02a0-4c54-980a-f994d83f2b7f\" href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Newsletter-250309.pdf\">Newsletter vom 9.3.2025<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Newsletter-250309.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-02b31fbb-02a0-4c54-980a-f994d83f2b7f\">Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Volksschule den Bildungseliten \u00fcberlassen?<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":{"0":"post-1571","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","6":"category-newsletter","7":"h-entry","8":"hentry","9":"h-as-article"},"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1571","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1571"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1571\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1575,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1571\/revisions\/1575"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1571"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1571"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1571"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}