{"id":1472,"date":"2024-06-15T08:15:25","date_gmt":"2024-06-15T06:15:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=1472"},"modified":"2024-06-15T08:15:27","modified_gmt":"2024-06-15T06:15:27","slug":"newsletter-vom-16-6-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=1472","title":{"rendered":"Newsletter vom 16. 6. 2024"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-file\"><a id=\"wp-block-file--media-b0c32a2b-96a2-4b70-b592-78608ccb6668\" href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Newsletter-240616.pdf\">Newsletter vom 16. 6. 2024<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Newsletter-240616.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-b0c32a2b-96a2-4b70-b592-78608ccb6668\">Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n<h2>Nicht zu Ende gedacht<\/h2>\n<h4>Die Bilanz bei den grossen Schulreformen f\u00e4llt ern\u00fcchternd aus<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist eine eigentliche \u00dcberraschung, dass eine auflagenstarke Zeitung es wagt, die grossen Bildungsreformen der letzten zwanzig Jahre einer Pr\u00fcfung zu unterziehen. Und noch erstaunlicher ist es, auf welche Weise dies geschehen ist. <!--more-->Im doppelseitigen Beitrag von Nadja Pastega und Armin M\u00fcller in der Sonntagszeitung ist keine Spur von billigem Populismus zu finden. Das Autorenteam hat offensichtlich sehr sorgf\u00e4ltig recherchiert und dessen Arbeit \u00fcberzeugt durch hohe Sachlichkeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcnf Reformen werden im Beitrag auf ihre Wirksamkeit hin genauer beleuchtet. Auffallend dabei ist, dass in allen f\u00fcnf Grossprojekten sehr vieles nicht zu Ende gedacht wurde. In der euphorischen Reformstimmung nach der Jahrtausendwende wurde fast jedes Reformprojekt freudig und meist kritiklos begr\u00fcsst. So galt das Kompetenzmodell des neuen Lehrplans als grosser theoretischer Wurf, dessen Grundkonzept sakrosankt war. Wenn wir die fr\u00fcheren hohen Erwartungen mit den vorliegenden Resultaten aus heutiger Sicht vergleichen, l\u00e4sst sich Folgendes bilanzieren:<\/p>\n<h4>Fr\u00fchfranz\u00f6sisch<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine fr\u00fche Mehrsprachigkeit in der Mittelstufe wird als Schl\u00fcssel f\u00fcr erfolgreiches Fremdsprachenlernen propagiert. Die Sch\u00fcler sollen in ein \u00abSprachbad\u00bb eintauchen und sich in jeder Sprache munter unterhalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Bilanz:<\/strong> Mehr als die H\u00e4lfte aller Mittelstufensch\u00fcler kommt in mindestens einer Fremdsprache (meistens im Franz\u00f6sisch) nicht mehr mit und f\u00fchlt sich frustriert. Nicht bedacht wurde, dass mit dem Modell einer fr\u00fchen Mehrsprachigkeit das Bildungsprogramm der Mittelstufe \u00fcberladen wird und Aufwand und Ertrag in keiner Weise \u00fcbereinstimmen.<\/p>\n<h4>Totalintegration<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Alle Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, auch solche mit kognitiven Beeintr\u00e4chtigungen und extrem Verhaltensauff\u00e4llige, haben das Recht, eine Regelklasse besuchen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Bilanz:<\/strong> Die Heterogenit\u00e4t in manchen Regelklassen \u00fcbersteigt ein ertr\u00e4gliches Mass und bringt die Klassenlehrerinnen an den Anschlag. Der Ruf nach immer mehr Betreuungspersonal wird f\u00fcr die Schulen finanziell zu einem Fass ohne Boden. Die Herausforderung f\u00fcr die Lehrkr\u00e4fte durch die Totalintegration wurde v\u00f6llig untersch\u00e4tzt.<\/p>\n<h4>Lernen im Alleingang<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Selbstorganisiertes Lernen gilt als Chance f\u00fcr eine umfassende Individualisierung des Unterrichts. Damit verbunden ist eine Reduktion des gemeinsamen Klassenunterrichts (Frontalunterricht), l\u00e4ngeres Arbeiten an digitalen Ger\u00e4ten und ein stark ver\u00e4ndertes Berufsbild f\u00fcr Lehrpersonen. Diese sollen die Lernprozesse der Jugendlichen nur noch als Coachs begleiten und f\u00fcr die Organisation von Lernlandschaften zust\u00e4ndig sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Bilanz:<\/strong> Mittlere und schw\u00e4chere Sch\u00fcler sind mit dem selbstorganisierten Lernen meistens v\u00f6llig \u00fcberfordert. Langes Lernen am Bildschirm ist im Vergleich zu einem ermutigenden gemeinsamen Klassenunterricht wenig effizient. Wird das neue System gar radikal umgesetzt, laufen oft ganze Klassen aus dem Ruder.<\/p>\n<h4>Lehrplan als Wegweiser<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Lehrplan 21 gilt als Garant f\u00fcr eine fortschrittliche Entwicklung der Schule. Mit diesem Jahrhundertwerk sollen die Bildungsziele in der ganzen Deutschschweiz vereinheitlicht werden. Statt Bildungsinhalte steht neu der Erwerb n\u00fctzlicher Kompetenzen im Zentrum. Durch die Festlegung von klar definierten Grundanforderungen und erweiterten Bildungszielen in allen F\u00e4chern erhebt der Lehrplan den Anspruch, ein verl\u00e4sslicher Bildungskompass f\u00fcr jede Schule zu sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Bilanz:<\/strong> Der \u00fcberladene Lehrplan ist in vielen Bereichen v\u00f6llig abgehoben von der Schulrealit\u00e4t. Mit seinen umst\u00e4ndlichen Kompetenzbeschreibungen ist er keine Hilfe f\u00fcr die Lehrkr\u00e4fte. Diese m\u00f6chten f\u00fcr den Unterricht eine bessere inhaltliche Orientierung.<\/p>\n<h4>Schule ohne Noten<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das j\u00fcngste Reformprojekt findet man in der wiederaufgeflammten Diskussion um eine gerechtere Sch\u00fclerbeurteilung. Nach Meinung eines Teils der Bildungsreformer sollen die Zeugnisnoten durch individuellere Formen einer Beurteilung abgel\u00f6st zu werden. Die Forderung ist eine logische Folge aus einem konsequent individualisierten Unterricht, in welchem es schwierig ist, bei unterschiedlichen Leistungszielen vergleichbare Noten zu geben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Bilanz:<\/strong> Noch ist nichts entschieden, doch die Idee einer Schule ohne Noten ist in keiner Weise zu Ende gedacht. Was anstelle von Noten treten soll, \u00fcberzeugt \u00fcberhaupt nicht.<\/p>\n<h4>Ung\u00fcnstiger Einfluss auf die Klassenf\u00fchrung durch blasses Berufsbild<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dank der praktischen p\u00e4dagogischen Vernunft und des unerm\u00fcdlichen Engagements unz\u00e4hliger Lehrkr\u00e4fte werden die meisten Klassen noch immer gut gef\u00fchrt. Nur ob das auch in Zukunft so bleiben wird, ist eine offene Frage. Die Verunsicherung der Lehrpersonen durch stark umstrittene Lernkonzepte hat bereits Alarmwerte erreicht. Wenn in gewissen Reformschulen eine Lehrerin prim\u00e4r eine Lernbegleiterin sein soll und eine Klassenf\u00fchrung im Frontalunterricht mit dogmatischer Sch\u00e4rfe abgelehnt wird, muss man sich \u00fcber unruhige Klassen nicht wundern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die gedankenlose Abwertung der F\u00fchrungsfunktion von Lehrpersonen hat viel damit zu tun, dass zwischen autorit\u00e4rem Verhalten und echter Autorit\u00e4t oft kaum unterschieden wird. Kompetente Lehrerinnen und Lehrer, die engagiert und vertrauensw\u00fcrdig unterrichten, d\u00fcrfen Autorit\u00e4t beanspruchen. Es schadet jeder Schule, wenn Autorit\u00e4t durch h\u00f6chst fragw\u00fcrdige Lernkonzepte untergraben wird. Der erhellende Beitrag von Carl Bossard deckt sehr sch\u00f6n auf, worum es bei der Autorit\u00e4tsfrage geht und was dabei alles schieflaufen kann.<\/p>\n<h4>Kritik am Unzul\u00e4nglichen ist kein Nein zu innovativer Schulentwicklung<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wo es den Bildungsplanern bei schulischen Fehlentwicklungen offensichtlich am Willen zur Korrektur mangelt, ist Klartext absolut gerechtfertigt. Unsere Volksschule darf kein Experimentierfeld f\u00fcr unausgegorene Reformen sein. Es w\u00e4re aber eine arge Verzerrung, wenn aufgrund der notwendigen Kritik die positiven Seiten der Entwicklung unserer Volksschule ausgeblendet w\u00fcrden. Wir haben heute in mancher Hinsicht eine bessere Schule als in den \u00abguten alten Zeiten\u00bb.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Klassen sind kleiner, die meisten Lehrmittel sind auf einem didaktisch hervorragenden Niveau und die Unterrichtsformen sind kindgerechter. Niemand m\u00f6chte zur\u00fcck zu den langweiligen Deutsch-\u00dcbungsb\u00fcchern aus den Sechzigerjahren oder den seitenlangen St\u00f6cklirechnungen in den alten Rechenb\u00fcchern. Es sind gewaltige Entwicklungen im Bereich der Lehrmittel passiert. \u00dcberall da, wo erfahrene Lehrkr\u00e4fte am Konzept neuer Lehrmittel beteiligt waren, ging es entscheidend vorw\u00e4rts. Die meisten modernen Schulb\u00fccher sprechen die Kinder mit attraktiver Gestaltung an und sind mit ihrem durchdachten Aufbau ein Wegweiser f\u00fcr erfolgreichen Unterricht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine erfolgreiche Schulentwicklung beruht in erster Linie auf der Innovationskraft kompetenter Lehrpersonen. Diese sind es, die aus dem t\u00e4glichen Umgang mit jungen Menschen wissen, wo es Verbesserungen braucht und wo ganz Neues gewagt werden kann. In Zusammenarbeit mit den Lehrmittelverlagen und den Fachhochschulen sollen Ideen konkretisiert, anschliessend in Versuchsklassen ausprobiert und am Ende einer gr\u00fcndlichen Evaluation unterzogen werden. Ist kein p\u00e4dagogischer Mehrwert ersichtlich, muss \u00fcber die B\u00fccher gegangen oder eine Reform allenfalls abgebrochen werden. Dieser klar markierte Weg f\u00fchrt zu einem nachhaltigeren Fortschritt als jedes weit weg von der Praxis entwickelte Lernkonzept.<\/p>\n<h4>Weitere Texte ausserhalb unseres Themenschwerpunkts<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie immer bildet unsere Leserbriefsammlung eine Fundgrube f\u00fcr schulpolitische Inputs und Beobachtungen aus dem Schulalltag. Die weiteren Texte geh\u00f6ren zum Pressespiegel \u00fcber das Bildungsgeschehen der letzten zwei Wochen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Hanspeter Amstutz<\/em><\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Inhalt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"830\" src=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Inhalt-1024x830.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1474\" style=\"width:680px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Inhalt-1024x830.jpg 1024w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Inhalt-300x243.jpg 300w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Inhalt-768x622.jpg 768w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Inhalt-960x778.jpg 960w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Inhalt.jpg 1212w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a id=\"wp-block-file--media-b0c32a2b-96a2-4b70-b592-78608ccb6668\" href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Newsletter-240616.pdf\">Newsletter vom 16. 6. 2024<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Newsletter-240616.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-b0c32a2b-96a2-4b70-b592-78608ccb6668\">Herunterladen<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht zu Ende gedacht<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-1472","post","type-post","status-publish","format-standard","category-newsletter","h-entry","hentry","h-as-article"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1472","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1472"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1472\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1475,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1472\/revisions\/1475"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1472"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1472"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1472"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}