{"id":1455,"date":"2024-05-04T15:30:53","date_gmt":"2024-05-04T13:30:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=1455"},"modified":"2024-05-04T15:30:55","modified_gmt":"2024-05-04T13:30:55","slug":"newsletter-vom-5-5-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=1455","title":{"rendered":"Newsletter vom 5. 5. 2024"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-file\"><a id=\"wp-block-file--media-7283f6fd-742b-412c-bf25-3c8e027bde53\" href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Newsletter-240505.pdf\">Newsletter vom 5. 5. 2024<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Newsletter-240505.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-7283f6fd-742b-412c-bf25-3c8e027bde53\">Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n<h2>Kernfrage der Bildung: Was sollen die Sch\u00fcler lernen und wie lernen sie am besten?<\/h2>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nach der Diskussion \u00fcber die Abschaffung der Noten steht nun wieder einmal die \u00abSchule ohne Selektionsdruck\u00bb im Raum. Wenn es nach der Idee von Schulleiterverbands-Pr\u00e4sident Thomas Minder und weiterer Schulleiterinnen ginge, w\u00fcrde erst nach dem Ende der Oberstufe, also bei den Sechzehnj\u00e4hrigen selektioniert werden. <!--more-->Dabei gehe es um die \u00abChancengerechtigkeit\u00bb: Jugendliche, die in die Sek B oder C eingeteilt werden, w\u00fcrden \u00abf\u00fcr den Rest des Lebens stigmatisiert\u00bb. \u00c4hnliche Argumente kennen wir bereits in Bezug auf die Einf\u00fchrung von F\u00f6rderklassen, aber sie laufen an den eigentlichen, den grunds\u00e4tzlichen Problemen unserer Volksschule vorbei.<\/p>\n<h4>Mehr Gerechtigkeit ohne Selektion?<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was soll daran gerecht sein, wenn wir Kinder bis zum Schulabschluss in den Regelklassen sitzen lassen, ohne dass sie den Stand ihrer leistungsst\u00e4rkeren Mitsch\u00fcler erreichen k\u00f6nnen? Ist es nicht gerechter, wenn wir jedem die Chance geben, in einer Klassengemeinschaft mit etwa Gleichstarken und in intensiver Lernbeziehung mit der Klassenlehrerin voranzukommen? Wie Daniel Kachel, Vertreter der Sekundarstufe im Lehrerverband, richtig feststellt, wird \u00abmit einer Verschiebung der Selektion das System nicht gerechter\u00bb. Denn nicht der Buchstabe auf dem Sek-Zeugnis mache es aus, ob jemand eine Lehrstelle findet. Wichtiger sei es, dass die Sekundarschule \u00abdie Jugendlichen bestmo\u0308glich auf den Beruf oder das Gymnasium vorbereitet\u00bb.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das bringt uns zum Kern der Sache. Denn die Diskussionen \u00fcber Noten, Selektion oder die erw\u00fcnschte Maturaquote lenken vom Wesentlichen ab, n\u00e4mlich: Welche Aufgabe hat die Volksschule? Was sollen die Sch\u00fcler lernen und wie lernen sie am besten? Die damit eng verbundene Frage, welche Ausbildung Lehrerinnen und Heilp\u00e4dagogen ben\u00f6tigen, damit sie den ihnen anvertrauten Kindern die bestm\u00f6gliche Bildung mitgeben k\u00f6nnen, w\u00fcrde den Rahmen des heutigen Newsletters sprengen, wird aber sicher ein andermal Thema sein. Als mahnenden Einstieg dazu empfehlen wir die Geschichte von Alain Pichard (\u00abEs trifft immer die Schw\u00e4chsten\u00bb).<\/p>\n<h4>In neun Schuljahren w\u00e4re es m\u00f6glich, lesen und schreiben zu lernen<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die meisten Schulreformen der letzten Jahrzehnte haben nichts zu einer guten Bildung unserer Jugend beigetragen, im Gegenteil. Wie Kritiker schon lange vor der Einf\u00fchrung des Lehrplan 21 eindringlich gewarnt haben, tragen dessen zerst\u00fcckelte Lerninhalte und oft ideologisch einseitigen Lernziele zu einer Verschlechterung der Schulbildung bei. Mit der weitgehenden Abschaffung eines gut strukturierten Klassenunterrichts werden die Kinder dem selbstorganisierten Lernen SOL, mit einem Lehrer oder einer Hilfskraft als Coach, und damit der Vereinzelung \u00fcberlassen. Die leistungsst\u00e4rkeren und zu Hause gef\u00f6rderten Sch\u00fcler \u00ab\u00fcberstehen\u00bb eine solche Schule zum Teil, viele andere aber nicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">20 bis 25 Prozent unserer Jugendlichen verlassen die Volksschule ohne die n\u00f6tigen schulischen Grundlagen f\u00fcr ihr Leben \u2013 eine nicht zu verantwortende Katastrophe f\u00fcr ganze Generationen. Insbesondere haben viele in 9 Schuljahren nicht gelernt, einen einfachen Text zu verstehen, einen zusammenh\u00e4ngenden und sinnvoll strukturierten Text zu schreiben und Zusammenh\u00e4nge in Sachtexten oder literarischen Texten zu erkennen. Damit sind sie f\u00fcr eine Berufslehre oder f\u00fcr das Gymnasium nicht oder nur mit viel Nachhilfe geeignet. Das gr\u00f6sste Hemmnis f\u00fcr das Vorankommen vieler Kinder ist nicht die Note, die unter dem Blatt oder der Datei steht, sondern das Fehlen sinnvoller Korrekturen der Lehrerin und ihrer unverzichtbaren steten und ermutigenden Anleitung zum Lernen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein Beispiel: Mein fr\u00fcheres Nachbarskind aus einer fremdsprachigen Familie, eine Sch\u00fclerin der 2. Sek B in Z\u00fcrich, der ich beim Lernen behilflich war, zeigte mir ihren zweiseitigen Aufschrieb, in dem sie von ihren Ferien erz\u00e4hlte: Inhaltlich ohne logische Zusammenh\u00e4nge und Aufbau, sprachlich \u00e4usserst mangelhaft (kaum ein richtig formulierter Satz, karge und oft fehlerhafte Wortwahl, von Grammatik und Rechtschreibung ganz zu schweigen). Einziges \u00abFeedback\u00bb der Lehrerin war ein \u00abSehr gut\u00bb am Ende des Textes. Auf meine Bemerkung, die Fehler habe die Lehrerin aber nicht angestrichen, fragte mich die Jugendliche erstaunt: \u00abHat es denn Fehler?\u00bb Wie sollte sie, in deren Familie nicht Deutsch gesprochen wurde, auf diese Weise ihre Sprachkenntnisse verbessern?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Das<\/em> ist ein Mangel an Chancengleichheit, ein Mangel, der viel schwerer wiegt als eine ungen\u00fcgende Note oder die Einteilung in die Sek B. Individualisierte R\u00fcckmeldungen statt Noten, wie sie Eveline Geiser in ihrem Kommentar (\u00abLeistung mit Worten zu beurteilen, ist heikel\u00bb) thematisiert, l\u00f6sen das Problem nicht. Was meinem Nachbarskind zu mehr Freude am Lernen und zu besserem Schulerfolg verhalf, waren die regelm\u00e4ssigen Lese- und Schreibstunden, die wir miteinander verbrachten. Mir machte es auch Freude, aber eigentlich w\u00e4re das die Aufgabe der Volksschule.<\/p>\n<h4>Mehr Hand-Werk, weniger Smartphones<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In unserer Textsammlung werden verschiedene zwar altbekannte, aber bisher weitgehend ignorierte Verbesserungsvorschl\u00e4ge f\u00fcr eine f\u00f6rderliche Schulbildung genannt. Schrauben statt \u00fcber den Bildschirm wischen empfiehlt das Symposium \u00abPerspektive Handwerk\u00bb, das Carl Bossard zu seinen \u00dcberlegungen \u00fcber den \u00abengen Zusammenhang zwischen Denken und Tun\u00bb inspiriert hat. Der Zugang zu den realen Welten darf durch die digitalen Ger\u00e4te nicht verhindert werden, so Bossard im Einklang mit Lernpsychologen und Handwerkern, denn \u00aban diese realen Welten kn\u00fcpft das Handwerk an\u00bb. Wie wahr! Mancher Berufsausbildner muss schon seit Jahren seinen neuen Lehrlingen zuerst zeigen, wie man einen Hammer und einen Nagel h\u00e4lt. Die Grundlagen f\u00fcr das \u00abGreifen und Begreifen\u00bb m\u00fcssen im Kindergarten gelegt und in der Volksschule erweitert werden. Mit vielf\u00e4ltigem manuellem Tun, mit dem Einblick in die musischen F\u00e4cher und mit Naturbeobachtungen kann auch die Freude am Kreativen und an den vielen interessanten Dingen dieser Welt entstehen. Da ist kaum Platz f\u00fcr die digitale Scheinwelt. Elektronische Ger\u00e4te sollten in erster Linie als sinnvolle Hilfsmittel eingesetzt werden, aber nicht in der Primarschule und schon gar nicht im Kindergarten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Klare Forderungen stellt der Sozialpsychologe Jonathan Haidt in seinem NZZ-Interview, mit erg\u00e4nzender Buchrezension im Tages-Anzeiger, beides sehr lesenswert. Er ruft zur Handy-Abstinenz als Mittel gegen die massiven psychischen und physischen Sch\u00e4den sowie die soziale Vereinzelung der Kinder und Jugendlichen auf. Haidt pl\u00e4diert f\u00fcr Handy-freie Schulen und empfiehlt auch zuhause m\u00f6glichst wenig Handykonsum. Damit w\u00e4re tats\u00e4chlich schon viel getan. Dem Sozialpsychologen ist klar: \u00abDas Problem kann nicht individuell gel\u00f6st werden, sondern erfordert einen gemeinschaftlichen Konsens und eine gemeinschaftliche Anstrengung.\u00bb<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nun w\u00fcnsche ich Ihnen eine anregende Lekt\u00fcre.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Marianne W\u00fcthrich<\/em><\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Inhalt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"566\" src=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Inhalt-1024x566.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1457\" style=\"width:718px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Inhalt-1024x566.jpg 1024w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Inhalt-300x166.jpg 300w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Inhalt-768x425.jpg 768w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Inhalt-960x531.jpg 960w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Inhalt.jpg 1358w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a id=\"wp-block-file--media-7283f6fd-742b-412c-bf25-3c8e027bde53\" href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Newsletter-240505.pdf\">Newsletter vom 5. 5. 2024<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Newsletter-240505.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-7283f6fd-742b-412c-bf25-3c8e027bde53\">Herunterladen<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kernfrage der Bildung: Was sollen die Sch\u00fcler lernen und wie lernen sie am besten?<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":{"0":"post-1455","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","6":"category-newsletter","7":"h-entry","8":"hentry","9":"h-as-article"},"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1455","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1455"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1455\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1458,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1455\/revisions\/1458"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1455"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1455"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1455"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}