{"id":1240,"date":"2023-04-07T17:15:21","date_gmt":"2023-04-07T15:15:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=1240"},"modified":"2023-04-07T17:15:23","modified_gmt":"2023-04-07T15:15:23","slug":"newsletter-vom-9-4-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=1240","title":{"rendered":"Newsletter vom 9. 4. 2023"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-file\"><a id=\"wp-block-file--media-7caee8fc-b668-4d4f-9a94-797e23ec15f2\" href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Newsletter-230409.pdf\">Newsletter vom 9.4.2023<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Newsletter-230409.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-7caee8fc-b668-4d4f-9a94-797e23ec15f2\">Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<h2>Setzt euch endlich mit den schulischen Kernproblemen auseinander!<\/h2>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Carl Bossard erl\u00e4utert in seinem Leitartikel, dass es die Bildungsdirektionen meisterhaft verstehen, die Kernproblematik beim Lehrermangel auszublenden. Das \u00fcberladene System des neuen Lehrplans mit seinem Blendwerk an Kompetenzen und die auf die Spitze getriebene Heterogenit\u00e4t in den Regelklassen werden trotz heftiger Proteste aus der Schulpraxis nicht ernsthaft hinterfragt. <!--more-->Eisern wird am Dogma der Totalintegration mit der Ablehnung von Kleinklassen festgehalten und gleichzeitig bedauert, dass die Klassenlehrpersonen stark belastet seien. Bei den Bildungszielen verzettelt man sich, indem neben neuen F\u00e4chern wie Medienkunde und Informatik drei Sprachen in der Primarschule vermittelt werden. Und am Schluss wundert man sich, dass bei diesem hektischen Programm die Schulleistungen vieler Sch\u00fcler in zentralen F\u00e4chern ungen\u00fcgend sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Autor fordert eine gr\u00fcndliche Auseinandersetzung, welche Bildungsziele Vorrang haben. Wer alles will, erreicht wenig. Wer neue F\u00e4cher in den Lehrplan aufnimmt und nirgendwo den Stoff reduziert, muss notgedrungen Abstriche beim \u00dcben und Vertiefen wesentlicher Inhalte in Kauf nehmen. Der Mut zum K\u00fcrzen von popul\u00e4ren Wunschprogrammen fehlt in den Bildungsst\u00e4ben weitgehend, da sich die Bildungspolitik mit ihren oft vollmundigen Versprechungen weit aus dem Fenster gelehnt hat.<\/p>\n<h4>Der Lehrerberuf erfordert selbst\u00e4ndiges und auftragsorientiertes Handeln<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Widerspr\u00fcchlichkeit ist ein Wesensmerkmal der p\u00e4dagogischen Arbeit. Lehrpersonen sind t\u00e4glich mit dem dialektischen Prinzip konfrontiert. Fruchtbare Lernprozesse erfordern sowohl N\u00e4he durch positive Zuwendung wie Distanz in Form eines p\u00e4dagogischen Widerstands beim \u00dcberwinden von Lernhindernissen. Carl Bossard spricht von achtsam sein und gleichzeitig Disziplin verlangen. Man m\u00fcsse das Kollektiv im Auge behalten und jeden Einzelnen im Blick haben. Diese Anforderungen verlangen von den Lehrerinnen und Lehrern viel Flexibilit\u00e4t und die Kraft, selbst unz\u00e4hlige Entscheidungen zu treffen. Bildungsprogramme sind dabei nur Leitplanken, das Steuern der Lernprozesse ist Sache der Lehrkr\u00e4fte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es versteht sich von selbst, dass der Lehrerberuf nur erfolgreich ausge\u00fcbt werden kann, wenn ein H\u00f6chstmass an Freiheit bei gleichzeitiger Verankerung in der Verantwortung gegen\u00fcber dem Bildungsauftrag besteht. Die Vorstellung, mit einer zentralen Steuerung des Bildungs-Outputs durch einen feinmaschigen Kompetenzenraster k\u00f6nne man die Effizienz steigern, wird durch die Schulpraxis klar widerlegt. Vielmehr verhindert dieses Festhalten an einer \u00fcberholten Steuerungsidee die Schule am Fortschritt. Der damit verbundene Abbau an p\u00e4dagogischer Freiheit in den letzten Jahren hat dem Lehrerberuf schwer geschadet.<\/p>\n<h4>Ein selbstkritischer Bildungsdirektor sieht Reformbedarf in der Lehrerbildung<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Zuger Bildungsdirektor Stephan Schleiss sieht in seinem Interview im Nebelspalter wenig Chancen, die teilweise gescheiterten Reformen wieder r\u00fcckg\u00e4ngig machen zu k\u00f6nnen. Das Bildungsschiff sei nur schwer man\u00f6vrierbar und Kurskorrekturen seien nur mit gigantischem Aufwand m\u00f6glich. Dennoch \u00fcberrascht der selbstkritische Bildungsdirektor mit einigen unverbl\u00fcmten Aussagen. So sieht er die Umwandlung der fr\u00fcheren Lehrerseminare in P\u00e4dagogische Hochschulen als Fehler an. Man k\u00f6nne das Rad der Zeit zwar nicht mehr zur\u00fcckdrehen, doch eine Reform der Ausbildung im Sinne von gr\u00f6sserer N\u00e4he zum Unterrichtsgeschehen w\u00fcrde den Berufseinsteigern sehr viel helfen. Der Bildungsdirektor versteht nicht, weshalb in der Primarlehrerausbildung heute ein starker Akzent auf wissenschaftliches Arbeiten gesetzt wird. Dieses Konzept verschlingt sehr viel Zeit, ohne dass es einen unmittelbaren Nutzen f\u00fcr die eigentliche p\u00e4dagogische Arbeit hat.<\/p>\n<h4>Auch ohne wissenschaftliches Beiwerk bleibt die Lehrerbildung h\u00f6chst anspruchsvoll<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich teile diese Auffassung weitgehend. Berufseinsteiger beklagen sich zu Recht, dass sie im Dschungel der Anforderungen des t\u00e4glichen Unterrichts in manchen F\u00e4chern nicht \u00fcber das n\u00f6tige Basiswissen und \u00fcber praxistaugliche didaktische Instrumente verf\u00fcgen. Die meisten w\u00e4ren froh um ein Startkapital in Form von ausgearbeiteten Lektionsreihen mit guten Hintergrundinformationen. Es geht hier nicht um ein billiges \u00dcbernehmen vorgefertigter Unterrichtsreihen. Vielmehr ist es Aufgabe der Fachdidaktiker, die Lehrerbildung st\u00e4rker auf die Anforderungen eines \u00fcberzeugenden Unterrichts auszurichten. Diese herausfordernde Aufgabe darf nicht untersch\u00e4tzt werden. So braucht es beispielsweise ein aufbauendes Training in der Erz\u00e4hlkunst und sorgf\u00e4ltige Einf\u00fchrungen in historische Epochen, um den Geschichtsunterricht spannend gestalten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die meisten P\u00e4dagogischen Hochschulen bewegen sich untereinander in einer Blase des akademischen Wettbewerbs. Sie stehen unter Zwang, unz\u00e4hlige p\u00e4dagogische Publikationen produzieren und pr\u00e4sentieren zu m\u00fcssen. Dieser oft praxisferne Wissenschaftsbetrieb f\u00e4rbt stark auf das Denken der Studierenden ab. Eine Ausbildungsreform zugunsten von mehr Praxisn\u00e4he muss diese starke Abh\u00e4ngigkeit durchbrechen. Ich meine, dass der Schl\u00fcssel vor allem bei den Fachdidaktiken liegt. Diese sollen auf der einen Seite eine \u2013 in Teilen auch wissenschaftliche \u2013 Grundbildung der Studierenden sicherstellen. Es gilt ein Fachwissen zu erwerben, dass f\u00fcr den t\u00e4glichen Unterricht nutzbringend ist.\u00a0 Auf der anderen Seite braucht es die Auseinandersetzung mit den Weltbildern der Kinder und Jugendlichen. Es gilt, den Stoff so zu gestalten, dass er bei den Sch\u00fclern ankommt. F\u00fcr dieses Ausbildungsmodell sehe ich ein Doppelgespann mit einem Dozenten und einem Didaktiker aus der Volksschule. Letztere sind heute schwer zu finden, doch es w\u00e4re ein pr\u00fcfenswertes Karrieremodell, wenn engagierte Praxislehrkr\u00e4fte einen direkten Zugang zu den P\u00e4dagogischen Hochschulen finden k\u00f6nnten. Lehrkr\u00e4fte mit grossem p\u00e4dagogischem Talent w\u00fcrden in unserem Bildungssystem so einen st\u00e4rkeren Einfluss auf didaktische Entwicklungen erhalten.<\/p>\n<h4>Kulturelle Banalisierung der Bildung und der ewige Streit um den Gymizutritt<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Beat Kissling rechnet in einem ausf\u00fchrlichen Leserbrief in der NZZ mit der Banalisierung der Bildungsinhalte durch das Kompetenzenmodell des neuen Lehrplans ab. Er kritisiert, dass mit der inhaltlichen Entleerung der Lernprozesse viel Bildungskultur verloren gegangen ist. Der Autor sieht zudem in der als fortschrittlich erkl\u00e4rten Moderatorenrolle der Lehrpersonen eine Abwertung des Lehrerberufs. Dieses Berufsbild sei nicht geeignet, den jungen Lehrerinnen und Lehrern das n\u00f6tige Selbstvertrauen f\u00fcr einen erfolgreichen Schulstart zu vermitteln. Ohne entscheidende Korrekturen am Ausbildungskonzept drohe seiner Meinung nach in den n\u00e4chsten Jahren ein personelles Fiasko an unserer Volksschule.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mit sch\u00f6ner Regelm\u00e4ssigkeit steht jedes Fr\u00fchjahr die Frage des Zutritts zu den Gymnasien in den Zeitungen im Fokus. Der Druck, den Sohn oder die Tochter nach der sechsten Klasse ins Gymnasium zu schicken, hat in gewissen Gegenden stark zugenommen. Wenn nun aber die Z\u00fcrcher Bildungsdirektion glaubt, dem gesellschaftlichen Druck mit einer Anhebung des Notendurchschnitts ausweichen zu k\u00f6nnen, ist grosser \u00c4rger vorprogrammiert. Mit Hans-Peter K\u00f6hli hat ein scharfz\u00fcngiger Leserbriefschreiber der Bildungsdirektion f\u00fcr das mutlose Lavieren richtiggehend die Leviten verlesen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Schlussbouquet bilden der bedenkenswerte Vorschlag eines Leserbriefschreibers, die unsinnige Vorverlegung des Schuleintrittsalters wieder r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen, sowie ein Beitrag \u00fcber das Tauziehen um die neue Maturit\u00e4tsreform. Beide Texte zeigen, wie umstritten einige der einschneidenden Neuerungen sind und dass es \u00fcberall heftig brodelt. Lassen Sie sich in die spannenden Diskussionen hineinziehen und geniessen Sie die Lekt\u00fcre.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Hanspeter Amstutz<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Inhalt.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Inhalt-1024x920.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1242\" width=\"607\" height=\"545\" srcset=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Inhalt-1024x920.png 1024w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Inhalt-300x270.png 300w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Inhalt-768x690.png 768w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Inhalt-1536x1380.png 1536w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Inhalt-960x863.png 960w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Inhalt.png 1807w\" sizes=\"auto, (max-width: 607px) 100vw, 607px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a id=\"wp-block-file--media-7caee8fc-b668-4d4f-9a94-797e23ec15f2\" href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Newsletter-230409.pdf\">Newsletter vom 9.4.2023<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Newsletter-230409.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-7caee8fc-b668-4d4f-9a94-797e23ec15f2\">Herunterladen<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Setzt euch endlich mit den schulischen Kernproblemen auseinander! 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