{"id":1171,"date":"2022-12-03T17:59:20","date_gmt":"2022-12-03T16:59:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=1171"},"modified":"2022-12-03T17:59:23","modified_gmt":"2022-12-03T16:59:23","slug":"newsletter-vom-4-12-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=1171","title":{"rendered":"Newsletter vom 4. 12. 2022"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-file\"><a id=\"wp-block-file--media-2d60985b-5c47-413b-bc91-c7c3cc1c09bf\" href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Newsletter-221204.pdf\">Newsletter vom 4. 12. 2022<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Newsletter-221204.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-2d60985b-5c47-413b-bc91-c7c3cc1c09bf\">Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<h2>Neue Offenheit in Bildungsdiskussionen deckt Schw\u00e4chen der Schulreformen auf<\/h2>\n<p style=\"font-weight: 400;\">W\u00e4hrend Jahren war es die \u00d6ffentlichkeit gew\u00f6hnt, dass eine Reform nach der andern mit dem G\u00fctesiegel p\u00e4dagogischer Wissenschaftlichkeit durchgewinkt wurde. Der neue Lehrplan sorgte f\u00fcr die schweizweite Harmonisierung der Bildungsziele und galt als Meilenstein einer fortschrittlichen Bildungspolitik.<!--more--> Gepr\u00e4gt von der Welle der Globalisierung stiess auch die Idee der fr\u00fchen sprachlichen F\u00f6rderung aller Kinder auf breite Zustimmung. Didaktiker versprachen den Eltern, Primarschulkinder w\u00fcrden mit den Methoden des Sprachbads und des spielerischen Lernens viel leichter den Zugang zu anderen Sprachen finden. Auf diese Weise wachse eine kommunikative Generation heran, die bestens Franz\u00f6sisch parlieren und sich mit ihren Englischkenntnissen weltweit zurechtfinden werde. Alles t\u00f6nte \u00fcberzeugend, und nur wenige wagten es Einw\u00e4nde zu machen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im sozialen Bereich stand die Idee der Chancengleichheit im Zentrum aller Schuldiskussionen. Kein Kind werde k\u00fcnftig ausgegrenzt und in einer Kleinklasse von den \u00fcbrigen Mitsch\u00fclern getrennt. Kinder mit Teilleistungsschw\u00e4chen oder einer leichteren geistigen Behinderung, aber auch Verhaltensauff\u00e4llige sollten in Regelklassen gemeinsam unterrichtet werden. Zur Unterst\u00fctzung der Lehrpersonen versprach man, Heilp\u00e4dagoginnen im t\u00e4glichen Unterricht einzusetzen und weiteres Fachpersonal zur Verf\u00fcgung zu stellen. F\u00fcr die in Misskredit geratenen Kleinklassen wurde der Geldhahn zugedreht, w\u00e4hrend unz\u00e4hlige F\u00f6rdermittel in die spezielle Betreuung integrierter Sch\u00fcler flossen.<\/p>\n<h4>Ein sehr gewagtes Experiment mit individualisierten Lernzielen<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Weit schwieriger zu verstehen war das komplizierte Konzept des individuellen Lernens, wie es mit dem neuen Lehrplan verankert wurde. Nach den Vorstellungen der Lehrplanverantwortlichen sollte jedes Kind aus Gr\u00fcnden der Chancengleichheit in allen F\u00e4chern umfassend gef\u00f6rdert werden. Diese Herkulesaufgabe glaubte man durch individualisiertes Lernen in unterschiedlichen Lerntempi und einem klar vorgezeichneten Weg \u00fcber messbare Kompetenzziele am besten bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen. Konkret hiess das, dass einzelne Sch\u00fcler einer vierten Klasse bereits am F\u00fcnftklass-Mathestoff arbeiteten, w\u00e4hrend andere erst auf der Stufe eines Drittkl\u00e4sslers angelangt waren. Entsprechend sollten die Lehrpersonen als Coaches die Lernprozesse begleiten und intelligente Lernsoftware w\u00fcrde anstelle des gemeinsamen Unterrichts treten. Heikle Fragen wie beispielsweise die komplizierte Notengebung wurden ausgeklammert und an Bildungskommissionen zur Ausarbeitung einer praktikablen L\u00f6sung delegiert.<\/p>\n<h4>Ungen\u00fcgende Lesef\u00e4higkeit ist keine gute Basis f\u00fcr kritisches Denken<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nach zwanzig Jahren der Reformhektik ist die Aufbruchstimmung unterdessen einer Ern\u00fcchterung gewichen. Der grosse Sprung nach vorn ist offensichtlich ausgeblieben. Immer mehr Eltern reiben sich die Augen und fragen sich, warum ihr Kind nicht so wie versprochen gef\u00f6rdert werden kann. Es erstaunt deshalb nicht, dass Stellungnahmen beherzter Schulfachleute zu brennenden Schulfragen zurzeit viel Aufmerksamkeit geniessen. Zu diesen Fachleuten mit hoher Akzeptanz z\u00e4hlt Carl Bossard, dessen fundierte Kritik an der j\u00fcngeren Schulentwicklung weite Kreise erreicht. Seine gr\u00f6sste Sorge gilt der Lesef\u00e4higkeit, wo unsere Schulabg\u00e4nger bei den letzten \u00dcberpr\u00fcfungen auf einem bedenklichen Niveau abgeschnitten haben. Ein F\u00fcnftel der Neuntkl\u00e4ssler ist nicht imstande, einfachste Texte zu verstehen und ein Grossteil aller Jugendlichen tut sich schwer mit dem konzentrierten Lesen l\u00e4ngerer Beitr\u00e4ge. Entsprechend ungen\u00fcgend entwickelt ist eine kritische Distanz zum Gelesenen und die F\u00e4higkeit, aus verschiedenen Ansichten eine eigene Meinung zu bilden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcr eine Demokratie wie die Schweiz, wo das Volk die Politik mitgestaltet, ist fehlende Urteilskraft ganzer Bev\u00f6lkerungsgruppen ein Grund zu Besorgnis. Politiker sind unterdessen alarmiert, aber sie sind kaum bereit, den Hebel am richtigen Ort anzusetzen. Kritisches Denken erwirbt man nicht in erster Linie durch zus\u00e4tzlichen Staatskunde- und Medienunterricht, wie dies im politischen Mainstream gefordert wird. Vielmehr braucht es eine vertiefte Auseinandersetzung mit anspruchsvollen Texten, eine gute Schulung des Ohrs beim Zuh\u00f6ren spannender Geschichten und intensives Training des sprachlichen Ausdrucks durch das Verfassen eigener Texte. Diese Arbeit kann jedoch nur durch das Abwerfen von stofflichem Ballast und durch eine Konzentration aufs Wesentliche bew\u00e4ltigt werden.<\/p>\n<h4>Starke Nebenwirkungen mancher Reformen wurden untersch\u00e4tzt<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Carl Bossard stellt in seinem Interview in der NZZ die als wissenschaftlich deklarierten Reformen auf den Pr\u00fcfstand und macht den Bildungsexperten den berechtigten Vorwurf, sich zu wenig um die Kernprozesse des Lernens gek\u00fcmmert zu haben. Er bezeichnet es als verh\u00e4ngnisvoll, dass bei der Einf\u00fchrung neuer Konzepte deren Nebenwirkungen meist vernachl\u00e4ssigt wurden. Man kann nicht eine F\u00fclle von Bildungszielen als verbindlich f\u00fcr alle Sch\u00fcler erkl\u00e4ren und gleichzeitig annehmen, solide Grundkenntnisse k\u00f6nnten in einem beschleunigten Verfahren vermittelt werden. So ist die Dreisprachigkeit der Primarschule ein Tanz auf drei Hochzeiten, welcher nicht nur f\u00fcr schw\u00e4chere Sch\u00fcler eine grosse Belastung bedeutet. Es fehlt die Zeit f\u00fcr das wichtige \u00dcben in allen drei Sprachen, bringt viel Hektik in den Schulbetrieb und verst\u00e4rkt die Heterogenit\u00e4t in den Klassen. In aufr\u00fcttelnden Beitr\u00e4gen wird diese Ansicht durch eine Baselbieter Landr\u00e4tin und drei Leserbriefschreiber best\u00e4tigt, welche die Abschaffung des Fr\u00fchfranz\u00f6sisch fordern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bei Carl Bossard ist seine Leidenschaft f\u00fcr eine gr\u00fcndliche Bildung in jeder seiner Antworten zu sp\u00fcren. Seine Botschaft kommt an, weil er mit seiner wissenschaftlichen Redlichkeit eine neue Offenheit in die Schuldiskussion bringt. Er verweigert sich Reformen nicht, wenn sie einen p\u00e4dagogischen Mehrwert bringen, aber er lehnt starre p\u00e4dagogische Dogmen ab.<\/p>\n<h4>Wir erwarten konkrete Antworten der Politik auf die dr\u00e4ngendsten Fragen<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Zeit ist g\u00fcnstig, um Bilanz bei den Schulreformen zu ziehen. Im Kanton Z\u00fcrich ist das Amt der Bildungsdirektorin stark umk\u00e4mpft von Pers\u00f6nlichkeiten aus verschiedenen politischen Lagern. Wer sich profilieren will, muss benennen, was schiefgelaufen ist und was man besser machen kann. Bei politischen Bewerbungen besteht jedoch immer die Gefahr, dass anstelle von klaren Positionen Allgemeinpl\u00e4tze formuliert werden. In der Bildungsdirektion braucht es eine mutige Pers\u00f6nlichkeit, die den Schuldampfer auf einen neuen Kurs bringen kann und die Augen vor der Schulrealit\u00e4t nicht l\u00e4nger verschliesst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein hoffnungsvolles Zeichen, dass Bewegung in die von Dogmen erstarrte Bildungspolitik kommt, hat der Berner Grosse Rat gesetzt. Mit einer Motion hat er die Regierung beauftragt, die Wiedereinf\u00fchrung von Kleinklassen vorzubereiten. Ein solcher Schritt ist auch im Kanton Z\u00fcrich l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig und sollte jetzt im Wahlkampf von pragmatisch denkenden Politkern energisch gefordert werden. Aber auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, k\u00f6nnen mit einem Leserbrief direkt in die Bildungsdiskussionen eingreifen.<\/p>\n<h4>Ein grossartiger Vortragsabend mit einem engagierten Publikum<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es liegt an uns, Bildungsthemen aufzugreifen und die Politik mit den aktuellen Fragen des Schulalltags zu konfrontieren. Dazu geh\u00f6ren Veranstaltungen wie unser gelungener Vortragsabend mit Carl Bossard und Yasmine Bourgeois. Die Vortr\u00e4ge der beiden, die sich hervorragend erg\u00e4nzten, elektrisierten das zahlreich erschienene Publikum. In der lebhaften Fragerunde ging es in den Voten der Zuh\u00f6rer vor allem um die Lehrerbildung, deren Praxisferne teils heftig kritisiert wurde. Daniel Wahl vom Nebelspalter hat in seinem zusammenfassenden Bericht das angesprochene Thema in den Vordergrund ger\u00fcckt und eine Reihe konkreter Forderungen aufgenommen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Soweit unser \u00dcberblick zum bildungspolitischen Geschehen der letzten beiden Wochen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir w\u00fcnschen Ihnen eine sch\u00f6ne Adventszeit und melden uns nach einer kurzen Pause im neuen Jahr wieder.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Redaktion Starke Volksschule Z\u00fcrich<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Hanspeter Amstutz<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Inhalt.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Inhalt-1024x685.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1174\" width=\"676\" height=\"452\" srcset=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Inhalt-1024x685.png 1024w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Inhalt-300x201.png 300w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Inhalt-768x514.png 768w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Inhalt-1536x1028.png 1536w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Inhalt-960x642.png 960w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Inhalt.png 1938w\" sizes=\"auto, (max-width: 676px) 100vw, 676px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a id=\"wp-block-file--media-2d60985b-5c47-413b-bc91-c7c3cc1c09bf\" href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Newsletter-221204.pdf\">Newsletter vom 4. 12. 2022<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Newsletter-221204.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-2d60985b-5c47-413b-bc91-c7c3cc1c09bf\">Herunterladen<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neue Offenheit in Bildungsdiskussionen deckt Schw\u00e4chen der Schulreformen auf W\u00e4hrend Jahren war es die \u00d6ffentlichkeit gew\u00f6hnt, dass eine Reform nach der andern mit dem G\u00fctesiegel p\u00e4dagogischer Wissenschaftlichkeit durchgewinkt wurde. 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