{"id":1166,"date":"2022-11-19T17:10:39","date_gmt":"2022-11-19T16:10:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=1166"},"modified":"2022-11-19T17:10:41","modified_gmt":"2022-11-19T16:10:41","slug":"newsletter-vom-20-11-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=1166","title":{"rendered":"Newsletter vom 20. 11. 2022"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-file\"><a id=\"wp-block-file--media-f2e8427d-07ac-4a5a-98ba-e1ec3978e33d\" href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Newsletter-221120.pdf\">Newsletter vom 20.11.2022<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Newsletter-221120.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-f2e8427d-07ac-4a5a-98ba-e1ec3978e33d\">Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<h2>Gedanken zur Lehrerbildung<\/h2>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Meine eigene Lehrerbildung war ziemlich ungew\u00f6hnlich. Neben und nach meinem Jus-Studium an der Uni Z\u00fcrich leistete ich zun\u00e4chst Kindern und Jugendlichen \u2013 vom Primarsch\u00fcler bis zur Maturandin und zum KV-Lehrling \u2013 sogenannte \u00abLernhilfe\u00bb unter Anleitung erfahrener P\u00e4dagogen. Dabei lernte ich mit zunehmender Faszination, dass jeder junge Mensch grosses Entwicklungspotenzial hat, wenn es uns beiden gelingt, ein B\u00fcndnis miteinander einzugehen:<!--more--> Ich traue dir zu, dass du \u00fcber deine H\u00fcrden hinwegkommen kannst und helfe dir dabei \u2013 du l\u00e4sst dich auf eine Vertrauensbeziehung ein und begibst dich auf den oft beschwerlichen, aber zugleich spannenden Weg des Lernens. Und ich machte das pr\u00e4gende Erlebnis, dass auch fremdsprachige Kinder und solche aus Familien mit wenig Bildungshintergrund gute Sch\u00fcler werden und einen Lehrabschluss oder die Matura bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen \u2013 wenn sie dazu bereit sind und auf Erwachsene stossen, die den Weg mit ihnen gehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mit diesem Erfahrungsschatz im Kopf und im Herzen beschloss ich Lehrerin zu werden, um bei vielen jungen Menschen das Vertrauen in ihre eigenen F\u00e4higkeiten und die Freude am Lernen zu wecken oder zu unterst\u00fctzen. Mit meinem Rechtsstudium stand mir der Bereich Allgemeinbildung in der Berufsschule offen, wo ich neben dem Unterricht berufsbegleitend die Lehrerausbildung absolvieren konnte. Diese dauerte nur wenige Jahre. Aber das Hineinwachsen in den Beruf und in die Welt der Berufsbildung, die Hilfestellung von erfahrenen Kolleginnen, die fachliche und p\u00e4dagogische Weiterbildung (allein schon Hunderte von Lektionen im IT-Bereich!) dauerten einiges l\u00e4nger. Und der intensive Austausch mit Kollegen, auch vom Bereich Berufskunde und von anderen Schulen, sowie mit Ausbildnern im Betrieb h\u00f6rte nie auf und trug \u2013 zus\u00e4tzlich zur anspruchsvollen und spannenden Lernbeziehung mit meinen Sch\u00fclern \u2013 zu einem erf\u00fcllten Berufsleben bei.<\/p>\n<h4>Anforderungen an eine gute Lehrerbildung<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dies alles l\u00e4uft vor meinem inneren Auge ab, wenn ich die Diskussionen in Politik und Medien um die Lehrerbildung mitverfolge, wo es oft um Formales (Ausbildungsdauer, Lohn usw.) und selten um die wirklich wichtigen Fragen des Lehrerberufes geht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aus der nationalr\u00e4tlichen Bildungskommission stammt eine Motion, mit der die pr\u00fcfungsfreie Zulassung von Berufsmaturanden an die PH eingef\u00fchrt werden soll. Der junge Nationalrat Simon Stadler begr\u00fcndet den Vorstoss damit, das zus\u00e4tzliche Jahr f\u00fcr den Vorkurs und die Aufnahmepr\u00fcfung sei eine \u00abunn\u00f6tige H\u00fcrde\u00bb (\u00abNicht ausgebildete Lehrkr\u00e4fte einzustellen, ist Pfl\u00e4sterlipolitik\u00bb). Er selbst, so ist seinem Lebenslauf zu entnehmen, hat eine Maurerlehre gemacht, einige Jahre im Beruf gearbeitet und dann die Berufsmatura und die Ausbildung zum Primarlehrer absolviert. Stadler vertritt den Kanton Uri im Nationalrat. Ein tolles Beispiel f\u00fcr die Durchl\u00e4ssigkeit unseres Bildungssystems und (wenn wir W\u00e4hler es wollen) unseres Milizsystems in der Politik! Hand aufs Herz, Simon Stadler: War ein Jahr mehr Bildung f\u00fcr Ihren Beruf als Lehrer und f\u00fcr Ihr Mandat in Bern vertane Zeit?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Demgegen\u00fcber geht es J\u00fcrg Wiedemann von der \u00abStarken Schule beider Basel\u00bb mit Recht nicht um die Dauer, sondern um den Inhalt der Lehrerbildung (\u00abKritik an den Fachhochschulen\u00bb). Der erfahrene Lehrer bem\u00e4ngelt, dass die PH-Studentinnen und -Studenten mit Reflexionen und Projekten besch\u00e4ftigt werden, w\u00e4hrend die Vermittlung des Fachwissens und der methodisch-didaktischen Kompetenzen zu kurz kommt. Der Einblick, den uns Wiedemann in die PH-Welt gibt, erinnert stark an die vom Lehrplan 21 beherrschte Volksschule: Viel oberfl\u00e4chlicher Aktionismus, wenig Kenntnisse, die sitzen. Aber machen Sie sich selbst ein Bild von seinen kritischen Anmerkungen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn daher Bildungsdirektorin Silvia Steiner (\u00abKantonsrat will Laienlehrpersonen l\u00e4nger halten\u00bb) die Anstellung von Quereinsteigern \u00aban eine Teilzeitausbildung an der PH kn\u00fcpfen\u00bb will, stellt sich die dringende Frage: Wie ist diese Ausbildung so zu gestalten, dass sie ad\u00e4quat ist zur individuellen Situation der einzelnen Quereinsteigerin? Andernfalls entsteht nur eine weitere Blase, um an den PHs \u00abhochbezahlte Stellen zu generieren\u00bb (J\u00fcrg Wiedemann).<\/p>\n<h4>Kinderg\u00e4rtnerinnen f\u00fcr den Chindsgi!<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00c4hnliche \u00dcberlegungen gelten aus einem anderen Blickwinkel auch f\u00fcr die Kinderg\u00e4rtnerinnen (\u00abEine Z\u00fcrcher Besonderheit vor dem Aus\u00bb \/ \u00abMehr Lohn f\u00fcr Kinderg\u00e4rtnerinnen\u00bb). Ob Kinderg\u00e4rtler von einer Kinderg\u00e4rtnerin ins gemeinsame Spielen und Basteln und G\u00e4rtnern samt den dazugeh\u00f6rigen Umgangsformen, und wenn n\u00f6tig ins Schwyzert\u00fctsch (und vieles mehr), eingef\u00fchrt werden, oder ob die Ausbildung zur Kinderg\u00e4rtnerin abgeschafft und der Chindsgi endg\u00fcltig mit der Unterstufe verbandelt werden soll, darf von den Z\u00fcrcher Leitmedien nicht auf einen Kampf zwischen links und rechts reduziert werden. Wenn ich Kinderg\u00e4rtnerin w\u00e4re, w\u00fcrde ich mich entschieden dagegen wehren, dass die Aufhebung meines verantwortungsvollen Berufes als \u00abAbschneiden eines alten Zopfes\u00bb (von links) oder als Ergattern eines \u2013 mir eigentlich nicht zustehenden? \u2013 h\u00f6heren Lohnes (von rechts) etikettiert wird. Was dagegen sicher stimmt, ist, dass wir Stimmberechtigten die Einf\u00fchrung der Grundstufe im Kanton Z\u00fcrich an der Urne abgelehnt haben. Die Zusammenf\u00fcgung des Kindergartens und der Unterstufe zum \u00ab1. Zyklus\u00bb des Lehrplan 21 bedeutete die kalte und die heute geplante Abschaffung der Kinderg\u00e4rtnerin die heisse Einf\u00fchrung der Grundstufe. Das Z\u00fcrcher Stimmvolk wollte diese Vermischung nicht, weil Kinder f\u00fcr ihre Entwicklung Zeit brauchen, um unter verst\u00e4ndnisvoller und gekonnter Anleitung einen Schritt nach dem anderen gehen zu k\u00f6nnen (bis sie \u00abschulreif\u00bb sind, sagte man fr\u00fcher). Damit soll um Himmelswillen kein neugieriges und lernfreudiges Kind davon abgehalten werden, die Buchstaben und die Zahlen zu lernen, bevor es in die 1. Klasse kommt (ich selbst konnte beim Schuleintritt auch schon lesen und zusammenz\u00e4hlen).<\/p>\n<h4>Was der OL mit dem Lehrerberuf zu tun hat<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gehen wir zum Abschluss zum Leitartikel von Carl Bossard. Mit seinen Betrachtungen zum \u00abOL als Metapher des Lebens und des Unterrichtens\u00bb nimmt er den Lehrerberuf von einer ganz anderen Warte aus in den Blick: der Spannung \u00abzwischen Machbarem und Unsicherem\u00bb, die wir Lehrer \u00abaushalten und daraus die Spannkraft f\u00fcrs M\u00f6gliche und Machbare generieren\u00bb m\u00fcssen \/ k\u00f6nnen \/ d\u00fcrfen. Ich pl\u00e4diere f\u00fcr \u00abd\u00fcrfen\u00bb und erinnere mich an ein pr\u00e4gendes Erlebnis in den Anf\u00e4ngen meines Lehrerdaseins. Da hatte ich f\u00fcr meine Elektromechaniker-Klasse einen (meiner Meinung nach) spannenden Film f\u00fcr die letzte Lektion vor den Ferien organisiert und dachte, dabei k\u00f6nne nichts schiefgehen. Als die Sch\u00fcler den Titel sahen, begannen einige zu murren, sie wollten keinen so langweiligen Film sehen. Meine Versuche, sie \u00abgluschtig\u00bb zu machen, blieben fruchtlos, die Rebellion griff um sich. Fassungslos verteilte ich leere Bl\u00e4tter und gab irgendeinen Auftrag, dann verliess ich das Schulzimmer und klopfte einen erfahrenen Kollegen aus seinem Unterricht. Er holte einen Klassensatz Buchhaltungs-Aufgaben und riet mir, diese meinen jungen Rebellen vorzusetzen. Was f\u00fcr eine \u00dcberraschung erlebte ich bei meiner R\u00fcckkehr ins Schulzimmer! Die Sch\u00fcler hatten den Film startbereit eingestellt und sassen alle manierlich auf ihren St\u00fchlen. \u00abWir m\u00f6chten jetzt gern den Film schauen\u00bb, sagten sie. Offenbar hatte ihnen meine Flucht einen heilsamen Schock verpasst. Dieses Erlebnis lehrte mich, die Spannung \u00abzwischen Machbarem und Unsicherem\u00bb mit mehr Gelassenheit auszuhalten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Den Artikel von Carl Bossard kann ich Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, als st\u00e4rkende Lekt\u00fcre f\u00fcr angespannte Situationen empfehlen. Damit w\u00fcnsche ich eine gute Lese-Zeit.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Redaktion der Starken Volksschule Z\u00fcrich<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Marianne W\u00fcthrich\u00a0 <\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Inhalt-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Inhalt-1-1024x518.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1168\" width=\"716\" height=\"363\" srcset=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Inhalt-1-1024x518.png 1024w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Inhalt-1-300x152.png 300w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Inhalt-1-768x388.png 768w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Inhalt-1-1536x777.png 1536w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Inhalt-1-960x485.png 960w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Inhalt-1.png 2033w\" sizes=\"auto, (max-width: 716px) 100vw, 716px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a id=\"wp-block-file--media-f2e8427d-07ac-4a5a-98ba-e1ec3978e33d\" href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Newsletter-221120.pdf\">Newsletter vom 20.11.2022<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Newsletter-221120.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-f2e8427d-07ac-4a5a-98ba-e1ec3978e33d\">Herunterladen<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gedanken zur Lehrerbildung Meine eigene Lehrerbildung war ziemlich ungew\u00f6hnlich. 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