{"id":1161,"date":"2022-11-05T15:04:44","date_gmt":"2022-11-05T14:04:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=1161"},"modified":"2022-11-05T15:04:46","modified_gmt":"2022-11-05T14:04:46","slug":"newsletter-vom-6-november-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=1161","title":{"rendered":"Newsletter vom 6. November. 2022"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-file\"><a id=\"wp-block-file--media-cb0b33ab-b6af-4fd3-ab71-d6bae4a83b7f\" href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Newsletter-221106.pdf\">Newsletter vom 6.11.2022<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Newsletter-221106.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-cb0b33ab-b6af-4fd3-ab71-d6bae4a83b7f\">Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<h2>Fatale Irrwege bei der F\u00f6rderung sozial benachteiligter Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler<\/h2>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In seinem pr\u00e4gnanten Startbeitrag setzt sich Carl Bossard gr\u00fcndlich mit der Frage der Chancengerechtigkeit in der Volksschule auseinander. Der Autor kommt zum Schluss, dass die breit angestrebte F\u00f6rderung von sozial benachteiligten Kindern mit Methoden des eigenverantwortlichen Lernens zum Scheitern verurteilt ist. <!--more-->Der Widerspruch zwischen der allgegenw\u00e4rtigen F\u00f6rderrhetorik und den negativen Auswirkungen der neuen Lernkonzepte auf schw\u00e4chere Sch\u00fcler ist eklatant. Die ungen\u00fcgenden Resultate von Kindern mit bildungsfernem Hintergrund bei verschiedenen Leistungserhebungen sprechen eine zu deutliche Sprache, um alles sofort wegwischen zu k\u00f6nnen. F\u00fcr eng mit der Schulpraxis verbundene Didaktiker ist der Qualit\u00e4tsverlust allerdings alles andere als eine \u00dcberraschung.<\/p>\n<h4>Bildungsferne Kinder ben\u00f6tigen F\u00fchrung und ermutigende Zuwendung<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kinder aus sozial benachteiligtem Milieu grundlegend zu f\u00f6rdern, ist eine grosse Herausforderung f\u00fcr unsere Volksschule. Umso erfreulicher ist es, dass es vielen Lehrpersonen gelingt, sozial benachteiligte und schw\u00e4chere Kinder zum schulischen Erfolg zu f\u00fchren. Geschickte Lehrerinnen und Lehrer wissen, worauf es ankommt. Zuerst gilt es, sich aufs Wesentliche des Schulstoffs, auf den Kern eines Lernprozesses zu konzentrieren. Die Lernvorg\u00e4nge m\u00fcssen anschaulich, in kleine Schritte unterteilt und bei Schwierigkeiten den Sch\u00fclern in angepasster Weise nochmals erkl\u00e4rt werden. Von Beiwerk befreite Modellvorstellungen wie beispielsweise das Grundschema eines Dreisatzes helfen mit, das Vertrauen der Kinder in ihren eigenen Verstand zu st\u00e4rken. Diese Einf\u00fchrungsphase braucht Zeit und Musse, denn sie ist eine Weichenstellung f\u00fcr den weiteren Erfolg. Dann folgt das wichtige gemeinsame \u00dcben, das den Sch\u00fclern Sicherheit vermittelt, ihr Denken erweitert und Mut vermittelt. Diese zentralen Phasen des Lernens finden in der Regel unter klarer F\u00fchrung der Lehrerin im Klassenverband statt und sie werden erst nach und nach durch Partner- und Einzelarbeit abgel\u00f6st.<\/p>\n<h4>Entpersonifiziertes Lernen ist ein gescheiterter Weg der Didaktik<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bestens bew\u00e4hrte Methoden wurden in den letzten Jahren als altmodisch taxiert und durch Wege des eigenverantwortlichen Lernens abgel\u00f6st. Dabei soll das schulische Lernen zu grossen Teilen entpersonifiziert werden, wie Carl Bossard zusammenfassend festh\u00e4lt. Vielleicht kann man mit folgendem Beispiel illustrieren, was damit konkret gemeint ist:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sollen mithilfe geeigneter Lernmaterialien mathematische Gesetzm\u00e4ssigkeiten zur Proportionalit\u00e4t selbst entdecken. Einige kommen mit den schriftlichen Anleitungen rasch voran, andere brauchen schon in der Startphase die Hilfe des Lehrer-Coaches, der kaum Zeit findet f\u00fcr all die dringenden Interventionen. F\u00fcr die Aufgeweckten ist es ein erhebendes Gef\u00fchl, wenn sie ganz allein herausfinden, wie eine Dreisatzaufgabe mit umgekehrten Verh\u00e4ltnissen zu l\u00f6sen ist. Doch f\u00fcr mehr als die H\u00e4lfte der Klasse endet die Entdeckungstour in Frustration. Sie verstehen grundlegende Schritte nicht und Scheitern schon vor dem Erreichen des ersten Kompetenzziels.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Fixiert auf einen Bildschirm oder gar abgeschottet in einer Lernbox fehlt den Lernenden das anregende Umfeld einer aktiven Klassengemeinschaft. Es fehlt die von einer voll pr\u00e4senten Lehrerin ausgestrahlte Zuversicht, dass jedes Hindernis \u00fcberwunden werden kann, wenn man konzentriert bei der Sache ist. Individuelles Lernen st\u00fctzt sich auf Selbstdisziplin, starkes Selbstvertrauen und ausgepr\u00e4gte kognitive F\u00e4higkeiten. Doch genau diese Eigenschaften besitzen Sch\u00fcler aus sozial benachteiligten Milieus nur zum Teil. Es \u00fcberrascht deshalb nicht, dass sich viele bei ihren Entdeckungsfahrten im Stich gelassen f\u00fchlen.<\/p>\n<h4>\u00dcberzeugender \u00abOberbandenf\u00fchrer\u00bb als Kulturvermittler<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Vorstellung, Lehrpersonen k\u00f6nnten souver\u00e4n aus dem Hintergrund eine Klasse steuern, ist eine akademische Kopfgeburt. Bildungsferne Sch\u00fcler f\u00fchlen sich rasch unwohl, wenn sie keine klar ersichtliche Autorit\u00e4t im Schulzimmer vorfinden. Sie reagieren mit Unruhe, st\u00f6ren den Unterricht und bringen im ung\u00fcnstigen Fall ganze Klassen durcheinander. In seinem unkonventionellen Beitrag spricht Allan Guggenb\u00fchl von einem \u00abOberbandenf\u00fchrer\u00bb, der \u00fcberzeugend vorangeht. Dieser gestaltet den Unterricht mit Erz\u00e4hlungen, mit spannenden technischen Experimenten und offenen Klassengespr\u00e4chen \u00fcber wichtige Themen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bildungsferne Jugendliche gewinnt man durch die klare Botschaft, dass das aktuelle Thema f\u00fcr die ganze Klasse von zentraler Bedeutung ist. Man lebt f\u00fcr ein paar Wochen in der Zeit der Pfahlbauer, man ist im Sommer ganz bei den Amphibien im Waldweiher und man setzt sich beim Bau von Heissluftballonen und Flugzeugen voll mit der Luftfahrt auseinander. Bildungsferne Kinder erfahren so, dass Bildung spannend, wesentlich und ermutigend f\u00fcrs Leben ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lehrer, welche der Autorit\u00e4tsfrage ausweichen, weil sie das engagierte Vermitteln von bedeutenden Bildungsinhalten aus intellektuellen Selbstzweifeln ablehnen, kommen bei bildungsfernen Sch\u00fclern in der Regel gar nicht gut an. Pubertierende verschiedenster Herkunft wollen von kompetenten Lehrern durchaus h\u00f6ren, wie die Welt beschaffen ist und was sie im Innersten zusammenh\u00e4lt. Ihre jugendliche Energie ist gross genug, um danach zu sagen, was sie falsch finden und was sie ganz sicher anders machen werden als die alte Generation. Es ist ein gewaltiger Irrtum zu glauben, Jugendliche m\u00fcssten sich ihr Weltbild m\u00f6glichst ohne Hilfe von Erwachsenen selbst konstruieren. Diese Anti-P\u00e4dagogik verkennt die entwicklungspsychologische Situation von Heranwachsenden und verbaut Jugendlichen aus bildungsfernen Familien den schulischen Aufstieg.<\/p>\n<h4>Offene Fragen zum Einsatz unausgebildeter Personen im Schuldienst<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zwar sind alle Lehrerstellen im Kanton irgendwie besetzt, doch ohne den Einsatz von unausgebildeten Personen und vielen Quereinsteigenden k\u00f6nnte der Schulbetrieb nicht mehr in vollem Umfang aufrechterhalten werden. Zurzeit besch\u00e4ftigt die Politik vor allem die Frage, ob Personen ohne minimale Lehrerbildung mehr als ein Jahr im Schuldienst eingesetzt werden k\u00f6nnen. Der Kantonsrat m\u00f6chte deren Einsatzdauer verl\u00e4ngern, wenn sie mit Erfolg unterrichtet haben. Doch die Z\u00fcrcher Bildungsdirektion hat noch keinen Plan, wie das entsprechende berufsbegleitende Ausbildungskonzept \u00fcberhaupt aussehen soll.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Berichte \u00fcber den Einsatz von Lehrpersonen ohne Diplom gibt es bereits einige. Die von uns ausgew\u00e4hlten Texte kommen zu einer durchzogenen und unserer Meinung nach etwas voreiligen Bilanz. Einerseits machen unausgebildete Lehrpersonen mit ihrem aussergew\u00f6hnlichen Engagement und ihrer Berufserfahrung aus ganz anderen Lebensbereichen manches wett, was ihnen an fachlicher Kompetenz fehlt. Andererseits bedeutet das Mitwirken dieser neuen Lehrkr\u00e4fte eine Belastung f\u00fcr jedes Schulteam. Die Situation bleibt unbefriedigend und kann auf Dauer sicher nicht akzeptiert werden.<\/p>\n<h4>Bunte Bl\u00fcten der Stadtz\u00fcrcher Begabtenf\u00f6rderung und tolle Leserbriefe<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Schlussbouquet bilden ein widerspr\u00fcchlicher Tagi-Bericht aus dem Stadtz\u00fcrcher Gemeinderat und treffende Leserbriefe zur gegenw\u00e4rtigen Schulkrise. Man erf\u00e4hrt dabei, warum die Idee der Begabtenf\u00f6rderung im Parlament so uminterpretiert wurde, dass von einer F\u00f6rderung der Begabtesten keine Rede mehr sein kann. Die Leserbriefe unseres Kollegen Hans Peter K\u00f6hli halten in \u00fcberzeugender Manier fest, was an unseren Schulen schiefl\u00e4uft und wo der Hebel f\u00fcr Verbesserungen angesetzt werden muss.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir sind \u00fcberzeugt, dass Sie bei der Lekt\u00fcre voll auf Ihre Rechnung kommen werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcr die Redaktion der Starken Volksschule Z\u00fcrich<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Hanspeter Amstutz<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Inhalt.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Inhalt-1024x803.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1163\" width=\"725\" height=\"568\" srcset=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Inhalt-1024x803.png 1024w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Inhalt-300x235.png 300w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Inhalt-768x602.png 768w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Inhalt-1536x1204.png 1536w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Inhalt-960x753.png 960w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Inhalt.png 1922w\" sizes=\"auto, (max-width: 725px) 100vw, 725px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a id=\"wp-block-file--media-cb0b33ab-b6af-4fd3-ab71-d6bae4a83b7f\" href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Newsletter-221106.pdf\">Newsletter vom 6.11.2022<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Newsletter-221106.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-cb0b33ab-b6af-4fd3-ab71-d6bae4a83b7f\">Herunterladen<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fatale Irrwege bei der F\u00f6rderung sozial benachteiligter Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler In seinem pr\u00e4gnanten Startbeitrag setzt sich Carl Bossard gr\u00fcndlich mit der Frage der Chancengerechtigkeit in der Volksschule auseinander. 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