{"id":1008,"date":"2022-04-23T11:15:56","date_gmt":"2022-04-23T09:15:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=1008"},"modified":"2022-04-23T11:32:48","modified_gmt":"2022-04-23T09:32:48","slug":"newsletter-vom-24-4-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/?p=1008","title":{"rendered":"Newsletter vom 24. 4. 2022"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-file\"><a id=\"wp-block-file--media-0cc82d8d-5818-49ac-8728-1ee5a76e0fe0\" href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Newsletter-220424b.pdf\">Newsletter vom 24.4.2022<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Newsletter-220424b.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-0cc82d8d-5818-49ac-8728-1ee5a76e0fe0\">Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<h2>In Krisenzeiten schl\u00e4gt die Stunde der Schulpraktiker<\/h2>\n<p>Jahrelang versuchte die Z\u00fcrcher Bildungsdirektion den chronischen Lehrermangel in der Volksschule kleinzureden. Doch letzte Woche erfolgte eine radikale Kehrtwende. Aufgrund der dramatisch verschlechterten Personalsituation erging ein eigentlicher Hilferuf an alle, die sich p\u00e4dagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen vorstellen k\u00f6nnen. Selbst Unausgebildete sollten sich f\u00fcr den Schuldienst zur Verf\u00fcgung stellen, sofern sie sich die herausfordernde Aufgabe zutrauten. Dieses Versagen vorausschauender Bildungspolitik ist in neuerer Zeit wohl beispiellos.<!--more--><\/p>\n<h4>Hausgemachte Gr\u00fcnde f\u00fcr den Lehrermangel sind offensichtlich<\/h4>\n<p>Die Reaktionen in der Presse auf das konzeptlose Agieren und die zunehmenden Burnouts in der Lehrerschaft liessen nicht lange auf sich warten. Scharf formulierte Leserbriefe erschienen im Tages-Anzeiger und in der NZZ. Wir haben vier Texte ausgew\u00e4hlt, die in wenigen Worten die Missst\u00e4nde anprangern, welche zur aktuellen Entwicklung gef\u00fchrt haben. F\u00fcr die Leserbriefschreiber ist die \u00fcberproportionale Zunahme der Sch\u00fclerzahlen in den letzten Jahren kein ausreichender Grund, um den grossen Lehrermangel zu erkl\u00e4ren.\u00a0 Hans-Peter K\u00f6hli, Max Kn\u00f6pfel und Christian Hafner kritisieren zu Recht, dass sich die dramatische Entwicklung l\u00e4ngst abgezeichnet hat und f\u00fcr den Lehrermangel eine Reihe hausgemachter Ursachen vorliegen. Sie erw\u00e4hnen die gestiegene Grundbelastung in den Regelklassen, weil die Kleinklassen abgeschafft wurden. Sie sehen im \u00fcberladenen Lehrplan, in der Verzettelung auf zu viele Bildungsziele und in der oft praxisfernen Lehrerbildung die st\u00e4rksten Belastungsfaktoren.<\/p>\n<p>Die kantonalen Bildungsdirektionen m\u00fcssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dass es den Verantwortlichen an Entschlossenheit mangelt, bei gewissen Schulprojekten endlich zu einem Abschluss zu kommen. Was wurde nicht schon alles geschrieben \u00fcber die Integration verhaltensauff\u00e4lliger Sch\u00fcler in Regelklassen! Jahr f\u00fcr Jahr wird die Lehrerschaft vertr\u00f6stet, dass man das komplexe F\u00f6rdersystem verbessern und versuchen werde, mehr Heilp\u00e4dagoginnen einzusetzen. Doch dass dies in Zeiten des Lehrermangels Luftschl\u00f6sser sind, ist allen klar. Licht ins Dunkel dieses Integrationsdschungels bringt hingegen das Standardwerk von Beat Kissling \u00fcber die M\u00f6glichkeiten und Grenzen der Inklusion. Carl Bossard stellt uns das Buch vor und lobt die differenzierte und praxisverbundene Auseinandersetzung des Autors mit dem umstrittenen Thema. Hervorzuheben ist sicher dessen zentrale These, dass bei einer zu grossen Zahl an verhaltensauff\u00e4lligen Sch\u00fclern auch bei gr\u00f6sstem Einsatz der Klassenlehrer die Integration zum Scheitern verurteilt ist. Das empfehlenswerte Standardwerk weist einen erfolgversprechenden Weg, um die blockierenden Dogmen in der Integrationsfrage endlich zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<h4>Gefragt ist zupackendes Engagement und Besinnung aufs Wesentliche<\/h4>\n<p>Um in diesen aufw\u00fchlenden Zeiten die Qualit\u00e4t unserer Volksschule zu erhalten, braucht es ein aussergew\u00f6hnliches Engagement der Lehrerinnen und Lehrer. Die meisten arbeiten nicht erst seit Corona weit mehr, als dies der kleinkarierte Berufsauftrag vorschreibt. W\u00fcrde man die \u00dcberstunden am Jahresende kompensieren, k\u00f6nnten einige bereits im November in die Ferien gehen. Der Aufruf zur Unterst\u00fctzung der Schulen verhallt zum Gl\u00fcck nicht ungeh\u00f6rt. Manch pensionierter Lehrer \u00fcbernimmt in seiner ehemaligen Schule eine verwaiste Klasse. Lehrerinnen erh\u00f6hen trotz Familienpflichten ihr Pensum oder springen spontan f\u00fcr eine erkrankte Kollegin ein. Erfahrene Kolleginnen unterst\u00fctzen mit Rat und Tat Studierende, die vorzeitig in Vikariaten eingesetzt werden. Bei den Schulleitungen hat man gemerkt, dass gut qualifiziertes und zupackendes Personal weit wichtiger ist als die Lenkung des Bildungsgeschehens durch ausgekl\u00fcgelte Lernprogramme und zeitraubende Lehrplan-Weiterbildungen. In der Praxis muss die Spreu vom Weizen geschieden werden, wenn die Schulen die Krise unbeschadet \u00fcberleben wollen. Schulpraktiker geniessen wieder sehr viel mehr Kredit, und das ist gut so. Jetzt bietet sich die Chance, die Schulen p\u00e4dagogisch und inhaltlich wieder aufs Wesentliche auszurichten.<\/p>\n<h4>Die Bildungspolitik muss endlich ihre Hausaufgaben l\u00f6sen<\/h4>\n<p>Und was tun lautstarke Bildungspolitiker in dieser wichtigen Phase? Einige schweigen, und das ist nicht einmal das D\u00fcmmste. Doch ihre Aufgabe w\u00e4re es eigentlich, all die Hemmnisse in den Schulen abzubauen, welche das t\u00e4gliche Unterrichten erschweren. Dringend n\u00f6tig w\u00e4re ein schonungsloses \u00dcberpr\u00fcfen umstrittener Reformen und aufw\u00e4ndiger administrativer Massnahmen der letzten Jahre. Und nicht zuletzt w\u00e4re es auch die Aufgabe einer mutigeren Bildungspolitik, den Ursachen des Lehrermangels auf den Grund zu gehen.<\/p>\n<p>Ein Blick auf das Gesamtsystem unseres Bildungsangebots zeigt, dass auch die KV-Schulen in einer turbulenten Phase stecken. Dieser wichtige Zweig des dualen Berufsbildungssystems ringt je l\u00e4nger je mehr um begabte Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, die zwischen KV-Lehre und Gymnasium schwanken. Doch die Bildungsverantwortlichen sind drauf und dran, die Weichen mit der neuen KV-Reform falsch zu stellen. Statt in Leistungsf\u00e4chern die Jugendlichen gr\u00fcndlich auszubilden, werden schwammige Konzepte mit Modulen f\u00fcr situatives Verhalten entwickelt. Erfahrene KV-Lehrpersonen sind entsetzt \u00fcber die unausgegorene Reform. Sie bef\u00fcrchten wohl zu Recht einen massiven Abbau an Schulqualit\u00e4t. Interessant ist, dass die Banken beim neuen Modell ausscheren und weiterhin an einem f\u00e4cherorientierten Unterricht festhalten.<\/p>\n<h4>Die St\u00e4rkung der Berufsbildung bleibt eine Herausforderung<\/h4>\n<p>Vielleicht hilft ein Blick \u00fcber die Grenzen, um fatale Entwicklungen im Bildungsbereich noch zu verhindern. Im Beitrag von Hans Peter Klein wird der Abbau des Leistungsdenkens und die Verw\u00e4sserung der Anforderungen an den Mittelschulen beklagt. Die Zunahme der deutschen Abiturientenquote auf rund 50 Prozent hat zu einer h\u00f6chst unerfreulichen Abwertung der Berufsbildung gef\u00fchrt. Universit\u00e4re Ausbildungen sind das Ziel, handwerklich-technische Berufe gelten als zweite Wahl. Die Schweizer Bildungspolitik m\u00fcsste durch die hohe Arbeitslosigkeit in L\u00e4ndern mit leichtem Zugang zu den Gymnasien und tiefem Sozialprestige der Berufslehren gewarnt sein. Besser als eine Erh\u00f6hung der Maturit\u00e4tsquote ist eine Aufwertung der Berufslehren vom KV bis zur Schreinerlehre, denn ohne hervorragend ausgebildete Berufsfachleute kann unsere Wirtschaft ihre starke Stellung nicht behaupten.<\/p>\n<p>Liebe Leserin, lieber Leser, wir hoffen, dass wir Sie mit den k\u00e4mpferischen Botschaften unserer Beitr\u00e4ge ermutigen k\u00f6nnen, in Bildungsfragen an guten L\u00f6sungen mitzuarbeiten oder gar politisch aktiv zu werden. Unsere Schulen stehen an einem Wendepunkt. Da ist jede Stimme der pragmatischen Vernunft hoch willkommen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Redaktion der Starken Volksschule des Kantons Z\u00fcrich<\/p>\n<p><em>Hanspeter Amstutz<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Inhaltb-2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Inhaltb-2-1024x726.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1015\" width=\"577\" height=\"409\" srcset=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Inhaltb-2-1024x726.png 1024w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Inhaltb-2-300x213.png 300w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Inhaltb-2-768x544.png 768w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Inhaltb-2-1536x1089.png 1536w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Inhaltb-2-960x681.png 960w, https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Inhaltb-2.png 1673w\" sizes=\"auto, (max-width: 577px) 100vw, 577px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a id=\"wp-block-file--media-2b8f3d7d-40fe-4d0e-9291-b2b866c99d5c\" href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Newsletter-220424b.pdf\">Newsletter vom 24.4.2022<\/a><a href=\"https:\/\/www.starkevolksschulezh.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Newsletter-220424b.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-2b8f3d7d-40fe-4d0e-9291-b2b866c99d5c\">Herunterladen<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Krisenzeiten schl\u00e4gt die Stunde der Schulpraktiker Jahrelang versuchte die Z\u00fcrcher Bildungsdirektion den chronischen Lehrermangel in der Volksschule kleinzureden. 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